Monday, December 31, 2007

Allen Freiheitsfreunden ein frohes neues Jahr 2008

das natürlich mit dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am 1. Januar 2008 um 11.15 Uhr im ZDF festlich eingestimmt wird, wünsche ich allen meinen treuen Leserinnen und Lesern, die mir hoffentlich auch im neuen Jahr gewogen bleiben werden!


Saturday, December 29, 2007

Nieder mit dem Kompromiß!

Danke an drchaos, der mir hiermit vollkommen aus dem Herzen spricht!!! Und ums Herz, nicht ums bourgeoise Hasenherz, geht es schließlich beim authentischen Liberalismus: Die Idee der Freiheit muß im Herzen brennen! Mit der gepflegten Leidenschaftslosigkeit von Totengräbern erreicht man auch nur, daß auch der Liberalismus zu Grabe getragen wird. Bräsig-blutleeres Philistertum schadet mehr als entschiedener Antiliberalismus!

Ein paar weise Worte von MNR in Raysons und Joachims Stammbuch:

"Where are the Paines and Cobdens and Nocks of today? Why are almost all of our laissez-faire limited governmentalists plonky conservatives and patriots? If the opposite of "radical" is "conservative," where are our radical laissez-fairists? If our limited statists were truly radical, there would be virtually no splits between us. What divides the movement now, the true division, is not anarchist vs. minarchist, but radical vs. conservative. Lord, give us radicals, be they anarchists or no."

Saturday, December 22, 2007

Frohe Weihnachten!

Wünsche allen meinen Lesern, Freunden und Gastkommentatoren ein paar besinnliche Festtage!

Zur musikalischen Einstimmung auf die ruhige Zeit "zwischen den Tagen" hier ein paar zauberhafte Klänge des Stargeigers David Garrett:



Friday, December 21, 2007

Weltoffen und progressiv

So verstand Ludwig von Mises den Liberalismus. Danke an Peter Boettke für diese Klarstellung, die von Zeit zu Zeit notwendig zu sein scheint, um konservative Proselytenmacherei zu unterbinden!

Thursday, December 20, 2007

Waigel ist unschuldig, Dutschke war's!

Der Schmalspur-Hugenberg aus Grevenbroich hat mal wieder zugeschlagen. Und es wird immer irrer! In einem Interview sagte er auf die Frage, was einen Libertären kennzeichne:

"Sagen wir, Sie malen ein Hakenkreuz auf die Wand Ihres Hauses. Auch hier ist Ihr Privateigentum unbedingt zu achten und kein Libertärer würde auf die Idee kommen, dies zu verbieten. An dieser Stelle sehen Sie, dass die Konzentration auf ein vermeintlich ökonomisches Prinzip auch für persönliche Freiheitsrechte wie die Meinungsfreiheit eine Grundvoraussetzung ist."


Nun, das ist sachlich richtig, aber wie kömmts, daß dem immer solche Beispiele einfallen? Warum setzt sich der Oberlibertäre unaufgefordert dem Verdacht aus?

Weiter geht's:


"Im angelsächsichen Sprachraum werden Erzliberale auch oft als „Konservative“ bezeichnet oder ordnen sich selbst so ein. Auch diese Entwicklung wird im deutschen Sprachraum inzwischen nachgeholt. Der Herausgeber des liberalen Schweizer Wochenmagazins „Weltwoche“ schreibt, dass echte Liberale und Libertäre heute längst als „Konservative“ firmieren."



Zugegeben, so mancher angelsächsische Konservative ist mit klassischem Liberalismus legiert. Aber das macht den Libertarismus nicht konservativ, sondern zeigt nur, daß angelsächsische (und schweizerische) Konservative nicht zwangsläufig so hoffnungslose Fälle sein müssen, wie diejenigen deutschen Konservativen, die zu Lichtschlags bevorzugten Gesprächspartnern zählen, etwa von "Rittergut Schnellroda".

Btw.: Frau Thatcher wurde noch zu Beginn der 70er Jahre nicht zu Unrecht von konservativer Seite vorgeworfen, sie breche mit den Grundüberzeugungen des Disraeli'schen Toryism.

Auf die Frage, wer sich mehr geirrt habe, die 68er oder ihre Vätergeneration, verblüfft Lichtschlag mit einer geradezu bizarren Gegenüberstellung:


"Eine interessante Frage! Schauen wir uns die Ausgangssituation an. Dort: Weltwirtschaftskrise, Versailler Vertragsbürden, Bedrohungsempfinden durch den Bolschewismus. Hier: Wohlstand wie nie zuvor, Schutz und Freiheit durch die USA garantiert. Dann dort der Irrtum, in großer Not dem viertgrößten Massenmörder der Geschichte nachgelaufen zu sein. Hier der Irrtum, ohne Not einem oder mehreren der drei größten Massenmörder der Geschichte hintergelaufen zu sein. Dort nach dem Irrtum Abkehr vom Sozialismus sowie tatkräftiger und mühsamer Aufbau des Landes und Schaffung von Werten. Hier nach dem Irrtum Leben wie die Made im Speck, immer mehr Sozialismus, steter Verbrauch der Substanz. Dort am Ende Übergabe einer positiven Bilanz und eines Landes, in dem Menschen an sich selbst glauben. Hier am Ende Übergabe eines bankrotten Wohlfahrtsstaats mit Menschen, denen man eingeredet hat, sie hätten ein Recht, auf Kosten Dritter zu leben. Und das Vererben einer unbezahlbaren Rechnung an die Nachfolgegeneration. Ja, es ist schwer zu entscheiden, wer mehr danebenlag."


Fangen wir das Knäuel mal von hinten an aufzudröseln: Die astronomische Staatsverschuldung (übrigens: ein Phänomen ALLER westlichen Demokratien) ist also das Erbe von '68, dem annus miserabilis? Wer hat denn den Staat aufgebläht und Schulden aufgehäuft? Der Schulden-Kanzler Schmidt (SPD) sah in den 68ern nur eine Marotte verzogener Mittelstandskinder und hielt ihnen entgegen: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!". Ein 68er? Der Noch-mehr-Schulden-Kanzler Kohl (CDU) nannte die friedensbewegten 68er immer nur "die Fußkranken der sozialistischen Weltrevolution" - und forcierte mit Blüm und Geißler unter tätiger Mithilfe der FDP den Marsch in den Schuldenstaat. Selbst der Wirtschaftsaufschwung der 80er Jahre wurde niemals ernsthaft zu Reformen genutzt, Kohls verhaßte Finanzminister Stoltenberg und Waigel steigerten in wirtschaftlichen Blütezeiten den Fiskalkleptokratismus auf ungeahnte Höhen. Aber das waren natürlich alles nur heimliche Marionetten der pöhsen 68er. Waigel kann nix für die Staatsverschuldung - Dutschke ist schuld! Das ist nicht einmal BILD-Zeitungsniveau, Herr Lichtschlag!

Und wo bleibt bei der Mitläufer-Generation die "Übergabe einer positiven Bilanz und eines Landes, in dem Menschen an sich selbst glauben."? Haben die jungen Nachkriegsstudenten, die in den 50ern erstmals durch Europa reisten, nicht die gegenteilige Erfahrung gemacht, einem Land anzugehören, das in ALLEN Nachbarländern klaffende Wunden und eine Blutspur des totalen Krieges hinterließ? Mußten sie sich nicht schämen, egal wohin sie kamen? Und glaubten die Menschen im Lande selbst wirklich an sich - oder nicht doch wie eh und je an den Staat, in diesem Falle eben an den restaurativen Obrigkeitsstaat Adenauerscher Provenienz? Hat Adenauer nicht ALLES unternommen, um den Erhardschen Reformgeist (der ohnehin nur episodal blieb) zu unterdrücken? Und Erhards Bilanz, wie sieht sie aus? Er hat, trotz imponierenden persönlichen Einsatzes und Mutes, mit dem er für Freiheit und Marktwirtschaft kämpfte, am Ende des Tages gegen den Widerstand von CDU und FDP(!) nicht einmal erreicht, daß wenigstens jener Grad an Gewerbefreiheit wiederhergestellt wurde, den es im Bismarckreich jedenfalls bis 1878 und in Teilen sogar bis 1914 gegeben hatte (siehe Habermanns "Der Wohlfahrtsstaat"). Soviel zu "Dort nach dem Irrtum Abkehr vom Sozialismus sowie tatkräftiger und mühsamer Aufbau des Landes und Schaffung von Werten." Der Irrtum wurde nie anerkannt geschweigedenn korrigiert. Einen Bruch mit dem Glauben an den Wohlfahrtsetatismus, eine Zäsur, eine Stunde Null hat es auch im Denken der übergroßen Mehrheit der Kriegsgeneration nie gegeben!


Weiter heißt es:

"Schutz und Freiheit durch die USA garantiert."


Der Neocon-Mythos vom selbstlos-benevolenten Hegemon ist auch schon salonfähig? Ich werd verrückt!

"Weltwirtschaftskrise, Versailler Vertragsbürden, Bedrohungsempfinden durch den Bolschewismus."

Ein Blick in Ludwig von Mises "Im Namen des Staates" läßt diese Entlastungsargumente arg armselig erscheinen. Weder für den ungehinderten Aufstieg Hitlers noch für die im Grunde von Anfechtungen durch eine renitente Bevölkerung verschonte Ausübung seiner Herrschaft bis zum bitteren Ende läßt er billige Ausreden gelten, die sich heute auch weit über den auf NS-Apologetik abonnierten Kreis hartgesottener Deutschländerwürstchen hinaus wachsender Beliebtheit erfreuen. Mises widerspricht der von vielen wohlmeinenden Engländern und Amerikanern vertretenen These, daß „die Mehrheit des deutschen Volkes die Ideen der Nazi nicht teilt und das Joch Hitler’s nur unwillig erträgt.“ Beim Volke der Dichter und Denker stünden unter dem Einfluß der nationalistischen und sozialistischen Indoktrination heute Goten und Vandalen, ja selbst Hunnen und Mongolen höher im Kurs als etwa Goethes Weltbürgertum und Kants Ewiger Frieden. Es mache von daher auch keinen Sinn, Propagandaflugblätter über Deutschland abzuwerfen.

Für Mises, dem man als Leser seine Erschütterung über die servile, scham- und würdelose Ein- und Unterordnungsbereitschaft vieler Deutscher in das nationalsozialistische System nachfühlen kann, ist es ein schwerer Irrtum zu glauben, daß viele Deutsche Hitler nur deswegen unterstützten, weil sie die Folgen der Niederlage fürchteten. Resigniert schreibt er:

„Alle deutschen „Arier“ sind von Hitler’s Weltherrschaftsplänen fasziniert. Die wenigen, die anders dachten, sind längst „erledigt“, d.h. umgebracht worden.“

Von Theodor Heuss stammt der häufig zitierte Ausspruch, der Geburtsort des Nationalsozialismus sei nicht Braunau am Inn gewesen, sondern Versailles. Mises sieht es anders: „Es ist ein Irrtum zu glauben, daß der Erfolg der nationalsozialistischen Agitation etwas mit den Mängeln des Versailler Vertrags zu tun habe… was diese [wiederauflebenden Hegemonie-] Pläne hat entstehen und volkstümlich werden lassen, ist allein der Gedanke: wir sind stark genug, die anderen niederzuwerfen. Würden die Deutschen nicht von diesem Gedanken besessen sein, dann hätte sie auch der ungünstigste Vertrag nicht zum Nationalsozialismus und zu seiner außenpolitischen Haltung bringen können.“

Und zum untauglichen Versuch, Hitlers Machtergreifung mit den sozialen Verwerfungen der Weltwirtschaftskrise zu entschuldigen, schreibt Mises: „Die Wirtschaftskrise war nicht auf Deutschland beschränkt. In den anderen Ländern, die von ihr betroffen wurden, hat sie nicht eine Partei gestärkt, die von Rüstungen und vom Krieg das Heil erwartete.“

Bleibt die Frage, wen Lichtschlag konkret meint, wenn er mal wieder bar jeder Geschichtskenntnis mit der ach-so-tabubrechenden großen Anti-68er-Keule planlos herumfuchtelt. Etwa Sezessions-Autor Bernd Rabehl? Oder den einst von der DDR ausgehaltenen Konkret-Macher Klaus Rainer Röhl, der sich heute altherrenwitzgestählt am müffelnden rechten Rand der FDP herumtreibt? Oder gar einen ehemaligen Habermas-Lieblingsschüler aus der Frankfurter Sponti-Szene, den man geradezu zum unfehlbaren Guru der Rechtslibertären aufbläst?

Tuesday, December 18, 2007

"Not a libertarian nor a pacifist"

Der englische Spectator über das Phänomen Ron Paul, an dessen überaus erfolgreicher Kampagne inzwischen auch die europäische Mainstream-Presse nicht mehr vorbeikommt:

"Paul is not a libertarian or a pacifist or a cyber-utopian. What he espouses is old-fashioned conservatism — so old-fashioned, in fact, that it is scarcely recognisable as conservatism. Since socialism is not in the Constitution, Paul refuses on principle to accept his congressional pension, just as he refused to accept Medicare and Medicaid payments when he was a doctor. His campaign in New Hampshire is the rump of the 1992 and 1996 Pat Buchanan campaigns, built around voters who oppose abortion and any restriction on their right to carry guns. Like the backers of the UK Independence party, he views old constitutional arrangements as unimprovable, and thinks bureaucratisation and constitutional tinkering inevitably bring a price in liberty."

Monday, December 17, 2007

An meine lieben Landsleute

In Angst und bürgerlichem Leben, wurde nie eine Kette gesprengt.
Hier muß man schon mehr geben, die Freiheit wird nicht geschenkt.

Nicht Mord, noch Brand, noch Kerker, nicht Standrecht obendrein,
es muß noch kommen stärker soll es von Wirkung sein.

Es sind die glücklichen Sklaven der Freiheit größter Feind,
drum sollt ihr Unglück haben und spüren jedes Leid.

Zu Bettlern sollt ihr werden, verhungern allesamt,
zu Mühen und Beschwerden verflucht sein und verdammt.

Euch soll das bißchen Leben so gründlich sein verhaßt,
daß ihr es weg wollt geben, wie eine schwere Last.

Nur dann vielleicht erwacht noch in euch noch ein neuer Geist,
ein Geist , der über Nacht noch euch hin zur Freiheit reißt.

- Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Friday, December 14, 2007

Chaos-Tage in der Schweiz

Die Bundesratswahlen in der Schweiz hatten eine, nicht nur für Schweizer Verhältnisse, ungewöhnliche Dramatik. Abgewählt wurde als einziger ein Mann, der als kompetent und durchsetzungsfähig gilt, der feste Grundprinzipien hat, der zuvor kein Berufspolitiker, sondern eine erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit war und der als einer von zwei Politikern in Europa (der andere ist Václav Klaus) zumindest der Spur nach ein überzeugter Marktwirtschaftler ist: Christoph Blocher. Der classe politique war er vor allem als EU-Gegner ein Dorn im Auge, und da er für eine "Einbindung" genannte Korrumpierung durch das System einfach zu spröde und eigenständig ist, blieb schlußendlich nur die Möglichkeit, ihn in einer politkrimogen anmutenden Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Amt zu kippen und eine völlig unbekannte Außenseiterin seiner Partei, die von einem Kommunisten vorgeschlagen wurde, ins Amt zu hieven.

Blocher ging zuvor gestärkt aus einer Nationalratswahl hervor, die seine Gegner in ein Plebiszit gegen ihn umfunktionierten. Weil die Intrige gegen ihn ins Leere lief, wurde er jetzt abgestraft. Wie die Weltwoche schreibt zu dieser Hanswurstiade:

Der Vorgang ist grotesk: Noch vor wenigen Wochen haben wichtige Vertreter der CVP dem Justizminister einen Staatstreich («Plan zur Absetzung des Bundesanwaltes») unterstellen wollen. Nachdem sich ihre schwerwiegenden Anschuldigungen samt und sonders als haltlos erwiesen haben, traut sich die gleiche Partei, den betroffenen Bundesrat aus «staatspolitischen» Gründen abzuwählen. Der ertappte Dieb bringt das Gericht dazu, den geschädigten Hausbesitzer zu bestrafen.

Allerdings steht jetzt das Schweizer Konkordanzsystem im Ganzen zur Disposition, weil die Strategen bloß bis zum Wahlgang gedacht haben, und nicht darüberhinaus. Die Zauberformel ist Makulatur, die wählerstärkste Partei ist unter Quarantäne gestellt und in der Regierung des Landes nicht vertreten (daß so etwas einen Staat in eine Dauerkrise bringen kann, läßt sich am Beispiel Belgien studieren, wo der cordon sanitaire gegen den Vlaams Belang das ganze Land lähmt). Aber dafür sind zwei der sieben Bundesratsposten mit zwei Parteilosen besetzt, die allenfalls Spötter als "Fachminister" bezeichnen würden. Sowohl der charakterlich deformierte Herr Schmid als auch die weithin profillose Frau Schlumpf stehen als Könige ohne Land da.

Was immer man über diesen Husarenritt der hierfür die Hauptverantwortung tragenden CVP sagen wird: Langfristig zuende gedacht war das nicht. Man verprellt die eigenen bürgerlich-konservativen Stammwähler in der ländlich geprägten Inner- und Ostschweiz und bekommt dafür noch nicht einmal einen zweiten Bundesratssitz als Judaslohn. Mit Zitronen gehandelt haben aber auch Grünen, die nun wieder nicht im Bundesrat vertreten sind. Zudem verlieren die Grünen mit Blocher auch ihr Lieblingsfeindbild in der Regierung, dem sie ihrerseits wiederum den mobilisierenden Effekt im linken juste milieu verdanken. Die Basis dieser Regierung ist also denkbar schmal, und von einer Mehrheitsfähigkeit in der Bevölkerung weit entfernt. Die Eidgenossenschaft geht unruhigen Zeiten entgegen.

Was Blocher selber zu sagen hat, sieht man nicht hier, sondern hier.

Tuesday, December 11, 2007

Ideenwettbewerb 2.0

Ein neues Projekt entschiedener Liberaler befindet sich gerade in der Entstehungsphase. Der-Markt.com - ein Marktplatz für libertäre, kapitalistische und individualistische Ideen.

Initiator Michael Kastner schreibt dazu:

Ich möchte ...

... endlich einmal wieder eine liberale Zeitschrift lesen. Eine Zeitschrift, die bis auf die Knochen und noch tiefer, bis ins Mark, liberal ist. Eine Zeitschrift, die eine klare Linie für Eigentum und Menschenwürde vertritt. Eine Zeitschrift, die Liberalen aller Richtungen eine Plattform zur Debatte bietet. Eine Zeitschrift, die Toleranz verteidigt und Intoleranz bekämpft. Eine Zeitschrift, die Mut zur Freiheit macht.

Ich möchte aber auch eine Zeitschrift lesen, die trotz aller Offenheit selbst auch immer klar Position bezieht. Eine Zeitschrift, die Interventionismus und Krieg eine Absage erteilt, auch wenn sie Interventionisten und Kriegsapologeten eine Plattform bietet. Eine Zeitschrift, die den Staat ablehnt, auch wenn die Autoren eine andere Position haben. Eine Zeitschrift, die vollkommen apolitisch ist und bei der solche abgedroschenen Kategorien wie rechts, links, konservativ oder progressiv keine Bedeutung haben.

Liberalismus ist keine Beliebigkeitsidee und dies sollte auch eine Zeitschrift reflektieren, die ich gerne lesen würde. Die Toleranz einer Publikation kann nur gewahrt bleiben, wenn diese Publikation auch Position bezieht. Toleranz ohne das Vertreten eines eigenen Standpunktes ist eine Leeformel. Tolaranz kann nur funktionieren, wenn man das Eigene und das Andere benennen kann.

Ich möchte eine Zeitschrift lesen, in der nicht über den Staat gejammert wird, sondern eine Zeitschrift, die bessere Alternativen bietet, als das was die Politik liefert. Aber auch eine Zeitschrift, die sich nicht nur auf den alltäglichen Staatswahnsinn konzentriert, sondern auch gezielt auf andere Quellen von Elend und Ungerechtigkeit hinweist.

Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack und mein Verständnis von Liberalismus wird sicherlich auch nicht von jedem geteilt, aber genau darum geht es: Position beziehen!



Jeder Freiheitsfreund, der Interesse hat, kann sich in die Mailingliste eintragen, selbst etwas veröffentlichen und gerne auch mitdiskutieren.

Laßt tausend Blumen blühen!

Wednesday, December 05, 2007

Eine unbequeme Wahrheit: Ökologismus ist asozial!

Aus einem Interview, das Weltwoche-Autor Hanspeter Born mit dem tschechischen Staatspräsidenten und Klimaskeptiker Václav Klaus führte:


Was halten Sie von Ethanol und andern auf pflanzlicher Grundlage beruhenden Brennstoffen? Die werden ja subventioniert, und das Ergebnis ist, dass die Preise für landwirtschaftliche Nahrungsmittelprodukte steigen und der Mexikaner seine Tortilla kaum mehr bezahlen kann.

Nicht nur die Tortillas, auch das tschechische Brot und die schweizerische Butter. Je ärmer die Leute sind, desto schwerer treffen sie diese Preiserhöhung. Ich bin ganz sicher, dass die ganze Aktivität der Politiker in den entwickelten Ländern sich gegen die Menschen nicht entwickelter Länder richtet.

Solche Subventionen sind also schlecht?

Sie sind ganz schlimm. Und diese Subventionen werden am Ende die Konsumenten in der Schweiz, in Mexiko, aber auch im subsaharischen Afrika bezahlen. Mit diesen Leuten spielen die heutigen Umweltschützer ihre Spiele, und deshalb bin ich zu 100 Prozent dagegen.


Weltwoche Nr. 48.07, S. 46


Klaus' fulminante Abrechnung mit den "Environmentalisten" und "Klimaapokalyptikern" "Blauer Planet in grünen Fesseln" ist für authentische Liberale das ideale Weihnachtsgeschenk!


Tuesday, December 04, 2007

Aus aktuellem Anlaß: Ludwig von Mises zum Mindestlohn

Aus Ludwig von Mises' Schrift "Kritik des Interventionismus":


Nehmen wir noch ein Beispiel: den Mindestlohn, die Lohntaxe. Es ist dabei ohne Belang, ob die Obrigkeit selbst die Lohntaxe unmittelbar verfügt oder ob sie duldet, daß die Gewerkschaften unter Androhung oder Anwendung von physischem Zwang es dem Unternehmer unmöglich machen, Arbeiter einzustellen, die für einen niedrigeren Lohn arbeiten wollten 1). Mit den Löhnen müssen die Produktionskosten und damit auch die Preise steigen. Würden als Verbraucher (als Käufer der Endprodukte) nur Lohnempfänger in Betracht kommen, dann würden auf diesem Wege Erhöhungen des Reallohnes undenkbar sein. Was die Arbeiter als Lohnempfänger gewinnen, müßten sie als Konsumenten verlieren. Nun gibt es aber neben den Konsumenten, die Lohnempfänger sind, auch solche, deren Einkommen aus Besitz und aus Unternehmertätigkeit fließt. Deren Einkommen wird durch die Lohnerhöhung nicht erhöht; sie können die erhöhten Preise nicht bezahlen und müssen ihren Verbrauch einschränken. Der Rückgang des Absatzes führt zu Arbeiterentlassungen. Wäre der Zwang der Gewerkschaften nicht wirksam, dann müßte der Druck, den die Arbeitslosen auf den Markt ausüben, den künstlich in die Höhe getriebenen Lohn wieder auf den natürlichen Marktsatz herabdrücken. Nun aber gibt es diesen Ausweg nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit – in der unbehinderten kapitalistischen Gesellschaftsordnung eine Friktionserscheinung, die immer wieder verschwindet – wird im Interventionismus zur ständigen Einrichtung.


Die Obrigkeit, die diesen Zustand ja nicht wollte, muß also wieder eingreifen. Sie zwingt die Unternehmer, entweder die entlassenen Arbeiter wieder einzustellen und zu dem vorgeschriebenen Satz zu entlohnen oder Abgaben zu leisten, von deren Ertrag an die Arbeitslosen Unterstützungen gezahlt werden. Durch diese Belastung wird das Einkommen der Besitzer und der Unternehmer aufgezehrt oder doch stark vermindert; es ist sogar nicht unberecht-igt, anzunehmen, daß die Last von den Unternehmern und Besitzern nicht mehr aus dem Einkommen getragen werden kann, sondern nur aus dem Vermögensstamm. Aber selbst wenn wir nur damit rechnen wollten, daß das nicht aus Lohnarbeit herrührende Einkommen durch diese Lasten erschöpft wird, ohne daß schon zu ihrer Bestreitung Kapital angegriffen werden müßte, erkennen wir, daß es zu Kapitalsaufzehrung kommen muß. Kapitalisten und Unternehmer wollen auch leben und konsumieren, wenn sie kein Einkommen erzielt haben; sie werden dann Kapital aufzehren. Es ist eben – in dem Sinne, von dem wir oben sprachen – zweck- und sinnwidrig, den Unternehmern, Kapitalisten und Grundbesitzern das Einkommen zu nehmen und ihnen die Verfügung über die Produktionsmittel zu belassen; daß Kapitalsaufzehrung schließlich die Löhne wieder herabdrücken muß, ist klar. Will man die Lohnbildung des Marktes nicht hinnehmen, dann muß man das ganze System des Sondereigentums beseitigen; durch Lohntaxen kann man das Lohnniveau nur vorübergehend und nur um den Preis künftiger Lohnreduktionen heben.


Das Problem der Lohntaxen hat für die Gegenwart so ungeheure Bedeutung, daß wir es noch an einem zweiten Schema erörtern müssen, das die Verhältnisse des internationalen Güteraustausches berücksichtigt. Zwei Länder, Atlantis und Thule, stehen im wechselseitigen Güteraustausch. Atlantis liefert Industrieerzeugnisse, Thule Bodenfrüchte. Nun findet Thule – man verehrt dort List – es für notwendig, eine eigene Industrie durch Schutzzölle ins Leben zu rufen. Der Enderfolg der (durch den Schutzzoll künstlich bewirkten) Industrialisierung Thules muß der sein, daß nun weniger Industrieprodukte aus Atlantis bezogen, dagegen aber auch weniger Bodenerzeugnisse nach Atlantis geliefert werden. Beide Länder befriedigen ihre Bedürfnisse nun in höherem Maße unmittelbar durch die inländische Erzeugung, wobei freilich, weil nun unter weniger günstigen Bedingungen produziert wird, das Sozialprodukt kleiner ist als früher.

Zu diesem Endergebnis kommt es auf folgendem Wege: Auf die Zollbelastung ihrer Produkte in Thule antwortet die atlantische Industrie durch Herabsetzung der Löhne. Doch es ist nicht möglich, die ganze Zollbelastung durch Lohnreduktion wettzumachen. Denn in dem Augenblicke, in dem die Löhne zu sinken beginnen, wird für die Urproduktion die Erweiterung des Anbaus rentabel. Anderseits wird der Rückgang des Absatzes der thuleanischen Bodenerzeugnis-se in Atlantis den Lohn in der Urproduktion in Thule senken und der Industrie Thules die Möglichkeit bieten, mit Hilfe der verbilligten Arbeitskraft der atlantischen Industrie Konkurrenz zu machen. Daß – neben dem Rückgange des Ertrages der in der Industrie von Atlantis investierten Kapitalien und der Grundrente in Thule – in beiden Ländern auch der Arbeitslohn sinken muß, leuchtet ohne weiteres ein. Dem Rückgang des Sozialprodukts entspricht die Schmälerung des Einkommens.

Nun aber ist Atlantis ein »sozialer« Staat. Die Gewerkschaften verhindern die Ermäßigung der Löhne. Die Produktionskosten der atlantischen Industrie bleiben daher so hoch, wie sie vor Ein-führung des Zolles in Thule waren. Doch da der Absatz in Thule zurückgeht, muß es in Atlantis zu Arbeiterentlassungen in der Industrie kommen. Das Abströmen der Entlassenen in die Land-wirtschaft wird durch Arbeitslosenunterstützungen verhindert. So wird die Arbeitslosigkeit zu einer dauernden Einrichtung 2).

Englands ausländischer Kohlenabsatz ist zurückgegangen. Soweit die dadurch überzählig gewordenen Bergleute nicht abwandern dürfen, weil man sie in anderen Ländern nicht aufnehmen will, müssen sie in jene englischen Produktionszweige übergeleitet werden, die ihre Produktion erweitern, um den Ausfall, der durch den Rückgang der Ausfuhr in der Einfuhr entstehen muß, zu bedecken. Der Weg, auf dem es zu diesem Ergebnis kommt, ist die Lohnsenkung im Kohlenbergbau. Gewerkschaftliche Lohnbildung und Arbeitslosenunterstützung hemmen diesen unausweichlichen Prozeß wenn auch für Jahre, so doch nur vorübergehend. Denn endlich muß das Ergebnis der Rückbildung der internationalen Arbeitsteilung eine Senkung der Lebenshaltung der Massen sein, und diese Senkung wird um so größer sein, je mehr Kapital in der Zwischenzeit durch die »soziale« Intervention aufgezehrt wurde. Die Industrie Österreichs leidet darunter, daß in den Ländern, die ihr Absatzgebiet bilden, immerfort die Zölle erhöht und andere Hindernisse (z. B. durch die Devisenpolitik) der Einfuhr neu entgegengestellt werden. Sie kann auf Zollerhöhungen – wenn ihr nicht die Steuern ermäßigt werden – nur durch Herabsetzung der Löhne antworten. Alle anderen Produktionsfaktoren sind unbeweglich. Rohstoffe und Halbfabrikate müssen auf dem Weltmarkte eingekauft werden, Unternehmergewinn und Kapitalzins müssen – in Österreich ist ausländisches Kapital in stärkerem Maße investiert als österreichisches Kapital im Auslande – den Verhältnissen des Weltmarktes entsprechen. Nur der Lohn ist national bedingt, weil Abwanderung der Arbeiter in größerem Umfang - infolge der »sozialen« Politik des Auslandes – unmöglich ist. Nur der Lohn könnte daher sinken. Die Politik, die den Lohn künstlich hoch hält und Arbeitslosenunterstützungen gewährt, schafft nur Arbeitslosigkeit.

Es ist unsinnig, aus der Tatsache, daß die Löhne in den Vereinigten Staaten höher sind als in Europa, zu folgern, daß man die europäischen Löhne erhöhen muß. Würden die Einwanderungsbeschränkungen in den Vereinigten Staaten, in Australien usf. fallen, dann könnten europäische Arbeiter abwandern, wodurch dann allmählich eine internationale Angleichung des Lohnniveaus angebahnt werden könnte.

Die Arbeitslosigkeit von Hunderttausenden und Millionen als Dauererscheinung auf der einen Seite und die Kapitalaufzehrung auf der andern Seite sind die Folgen des Interventionismus: der künstlichen Hochhaltung der Löhne durch die Gewerkschaften und der Arbeitslosenunterstützung.


1 Man beachte, daß es sich hier nicht um das Problem handelt, ob durch den gewerkschaftlichen Zusammenschluß der Arbeiter eine dauernde und allgemeine Hebung des Lohnniveaus erreicht werden kann, sondern darum, welche Wirkungen die durch die Anwendung physischen Zwanges künstlich erreichte allgemeine Lohnerhöhung haben muß. Um die geldtheoretische Schwierigkeit, daß eine allgemeine Preissteigerung ohne Verschiebung des Verhältnisses zwischen Geldvorrat und Geldbedarf unmöglich ist, kommt man durch die Annahme herum, daß gleichlaufend mit der Erhöhung der Löhne eine entsprechende Verminderung des Geldbedarfes durch Herabsetzung der Kassenhaltung (z. B. im Gefolge einer Vermehrung der Lohnauszahlungstermine) vor sich geht.

2 Darüber, inwieweit durch den gewerkschaftlichen Zusammenschluß der Arbeiter der Lohn vorübergehend gehoben werden kann, vgl. meinen Aufsatz: Die allgemeine Teuerung im Lichte der theoretischen Nationalökonomie im XXXVII. Band dieses Archivs, S. 570 f. – Über die Ursachen der Arbeitslosigkeit vgl. C. A. Verrijn Stuart, Die heutige Arbeitslosigkeit im Lichte der Weltwirtschaftslage, Jena 1922, S. 1 ff.; Robbins, Wages, London 1926, S. 58 ff.
Interventionismus.

Friday, November 30, 2007

'Free Speech Debate' in England

Der frühere Redenschreiber der Labour Party und Kolumnist Rod Liddle schreibt im aktuellen Spectator über den richtigen Umgang mit Holocaust-Leugnern wie David Irving:

"The Oxford Union, unusually, chose well in alighting upon Irving and the BNP leader Nick Griffin to represent the persecuted side in a debate about freedom of speech. If we are serious about freedom of speech, then it should be afforded to the likes of Irving and Griffin just as much as anyone else, regardless of what horrible things they might have to say. I mentioned last week that if we are in a battle of ideas with Islam at the moment, then we have to be clear in our own minds what precisely our idea is — and that, boiled down, it comes to little more than a belief in individual liberty, freedom of speech and freedom of conscience. The howled abuse and the attempts to disrupt and cancel the debate make it very clear that our commitment to these concepts is sometimes fragile and tenuous. When I debate this issue with Muslim friends and enemies they are always clear that there should be very definite limits to freedom of speech: i.e., anything which disses Islam isn’t really on. And they are able to throw the argument back to me very easily: you have things, too, which are sacrosanct in your society, which it is forbidden to question — the Holocaust, for example. And they are right about this. The imprisonment of David Irving in Austria for ‘Holocaust denial’ makes us seem inconsistent and hypocritical. No part of our past should be so set in stone that one is prohibited from questioning it. All of history is a process of revision, in any case, one way or the other. In this case, you let the repulsive Irving make his case because the principle is far more important than our justifiable dislike of him."

Tuesday, November 27, 2007

Antideutsche Libertäre?

Ein altliberales Klagelied, das mich doch stark an Ludwig von Mises’ „Im Namen des Staates“ erinnerte, entdeckte ich dieser Tage in einem Büchlein, das ich beim Blogger-Seminar Ende Oktober von Michael Kastner erworben habe:


„Weder im November 1918 noch im November 1989 – beide eher Implosionen als Revolutionen – standen die individuelle Freiheit oder die universalen Menschenrechte im Mittelpunkt. Dazu war es 1918 zu spät, die Revolution mit der sozialen Frage überfrachtet. Es ging um den Achtstundentag, um das soziale Netz, um Fürstenenteignung und Verstaatlichung. Und gut 70 Jahre später ging es um die »Anpassung des Lebensniveaus« bei gegebener »sozialer Geborgenheit«. Keine revolutionäre Forderung, die in Deutschland nicht etatistisch aufgefangen wurde, keine soziale Errungenschaft, kein Aufbauprogramm, deren Fluchtpunkt nicht das Wohl des Staats- respektive Volksganzen gewesen wäre. Arbeiterbewegung, Nationalsozialismus und hundertjähriger Primat staatlich administrierter Sozialpolitik haben jenes deutsche Kollektiv geschaffen, das noch die Gegenwart der Bundesrepublik bestimmt. Die Vielfalt der einzelnen, ihr differenzierter und differenzierender republikanischer Bürgersinn blieben marginal.“

Götz Aly, „Macht Geist Wahn. Kontinuitäten deutschen Denkens“, Frankfurt am Main 1999

Jemand hat kürzlich in einem Kommentar auf meinem Blog die Frage aufgeworfen, ob es neben der antideutschen Linken, auch „antideutsche Libertäre“ gebe, sei es aus ideologischen Gründen, sei es auch aus psychologischen, etwa den von ihm unterstellten Frust mancher Libertärer über die mangelnde Bereitschaft der Deutschen, vom Staatsmystizismus Abschied zu nehmen, sich also als historisch lernresistent zu erweisen.

Ende des 19. Jahrhunderts war man sich hinter deutschen Kathedern und im bildungsbürgerlichen Milieu ganz allgemein zumindest einig, daß der radikale Liberalismus (unter dem Label „Manchester“ mehr geschmäht als verstanden) in jedem Falle als jüdisch-englische Schnapsidee, mithin als von Haus aus „undeutsch“ zu gelten habe. Ist der Libertarismus, als Extrakt aus diesen radikal-liberalen Ideen, also per se antideutsch?


Zwei Zitate aus anarcho-syndikalistischer Richtung scheinen zunächst für eine gewisse Verbindung von liberal-libertären und „antideutschen“ Positionen zu sprechen. In der Broschüre „Das Volk hört die Signale. Zur diskursiven Rekonstruktion einer ‚deutschen Nation’“ von Teodor Webin, in der auch das Lager des antideutschen „Gegen-Nationalismus“ kritisch gewürdigt wird, heißt es:

„Im besten Falle erweisen sich Anti-Deutsche als auf die neoliberale Ideologie reingefallen, im schlechtesten Falle als sich dieser Tatsache nicht bewusste Individualanarchisten (wobei sie – Marx sei dank [und das ist wörtlich zu nehmen] – Anarchismus als unkollektiven Individualismus wahrnehmen.“

und:

„Die antideutsche Ideologie lässt sich summieren unter: Kollektive sind destruktiv, Individuen sind – zumindest relativ – konstruktiv. Mit diesem Ideologem treffen sie den „Nabel“ der Zeit. „Antideutsche“ sind in der Tat die schlimmsten Feinde sowohl der eingebildeten nationalen Kollektive wie auch utopischer kommunistischer Gemeinschaften – und es tut weh, aber diese ideologische Gemeinsamkeit haben die beiden Theorien leider.“

Tatsache ist, daß der Libertarismus/entschiedene Liberalismus sämtlichen Hauptströmungen der deutschen Ideen- und Mentalitätsgeschichte konträr gegenübersteht. Er ist zu den „deutschen Ideen“ (siehe v.a. Kapitel „Das deutsche Lied: Nationalismus, Nationaler Sozialismus“ und „Die Tonart des deutschen Liedes: Antiliberalismus und Antikapitalismus“ in Roland Baaders „totgedacht“) schlechthin Antithese. Fest auf dem Fundament des methodologischen und normativen Individualismus stehend ist er gleichwohl frei von (auch inversiv) rassistischen Diskursen, was, abgesehen vom strikten Antimilitarismus und Antiinterventionismus der genuinen Libertären, das Hauptunterscheidungsmerkmal zur antideutschen Linken ausmacht. Vielmehr nimmt er den Faden auf zu – zugegebenermaßen nicht allzu üppig gesäten, aber bei gutem Willen dennoch auffindbaren – positiven Beispielen liberal-individualistischer Traditionslinien im deutschen Geistesleben – wofür etwa große Namen wie Wilhelm von Humboldt und Eugen Richter stehen.


Alle Wege antiliberaler Ideologie – und es gibt keinen, der in Deutschland nicht erdacht und erprobt worden wäre – münden letztlich immer in Exklusion, Ausgrenzung, Ethnizismus, atavistische Hordenmoral und chauvinistischen Kollektiv-Dünkel. Es erhebt sich die Frage, ob der natürliche Widerspruch von liberal (was ja universalistische, kosmopolitische und individualistische Werte umfaßt) und national als politische Ordnungsprinzipien nicht prinzipiell unaufhebbar ist, der Terminus „national-liberal“ somit nichts weiter als ein Oxymoron bedeutet? Aber spricht gegen diese schroffe Gegenüberstellung nicht die in Europa schon häufiger anzutreffende und (zumindest temporär) erfolgreiche Programm-Synthese aus erzliberalen und betont patriotischen bis schrill nationalistischen Ingredienzen, wie etwa bei Margaret Thatcher, Christoph Blocher und Vaclav Klaus? Spielen theoretische Inkonsistenzen in der politischen Praxis überhaupt eine Rolle? Über kontroverse und gehaltvolle Beiträge meiner Leser würde ich mich freuen!

Sunday, November 25, 2007

Staat macht arm

"Was tut der Staat für uns?", fragt sich und uns Jürgen Kaube in der FAZ. Die Antwort hat Stefan Blankertz schon vor langer Zeit gegeben: Er macht uns alle arm! Aber am ärmsten, hilflosesten und schwächsten allerdings macht er die, die ohnehin schon arm und hilflos und schwach sind. Vor allem Kinder und Jugendliche!

Kaube scheint vor seinen eigenen unbotmäßigen Gedanken zusammenzuzucken, wenn er schreibt,


"Ein junger Mensch könnte also unter Würdigung all dieser Sachverhalte auf den Gedanken kommen, die Erhöhung des Bafög diene mehr dazu, andere generationspolitische Benachteiligungstatbestände zu vernebeln. Doch das würde vermutlich zu viel Strategie seitens der Politik voraussetzen."


Wie arglos kann man eigentlich sein, Herr Kaube?

Thursday, November 22, 2007

"Wehrpflicht"

“Wehrpflicht” bedeutet für einen Libertären die Obliegenheit eines jeden Individuums, seine Freiheit gegen jedwede Obrigkeit zu verteidigen mit allen zur Zweckerreichung erforderlichen Mitteln.
Was dagegen Staazis unter “Wehrpflicht” verstehen ist nichts anderes, als eine faschistoide Sklavenhaltermentalität. Die gebrochen werden muß! Es besteht Wehrpflicht!

Danke auch an Stefan Sedlacek für diese Klarstellung!

Wednesday, November 21, 2007

Verwerflicher als Sozialismus

"Die antisemitische Bewegung erscheint bei weitem verwerflicher als die sozialistische Agitation. Sie richtet sich nicht bloß gegen äußere Besitzverhältnisse, sondern gegen die Menschen an sich und ihre Abstammung."

Eugen Richter

Tuesday, November 20, 2007

John Stuart Mill oder Wie der Liberalismus auf die schiefe Bahn geriet

"John Stuart Mill ist schon ein Epigone des klassischen Liberalismus und, besonders in seinen späteren Jahren unter dem Einflusse seiner Frau, voll von schwächlichen Kompromissen. Er gleitet langsam in den Sozialismus über und ist der Urheber der gedankenlosen Vermengung liberaler und sozialistischer Ideen … alle Argumente, die zugunsten des Sozialismus geltend gemacht werden könnten, sind von ihm mit liebevoller Sorgfalt ausgearbeitet worden. Neben Mill gehalten sind alle übrigen sozialistischen Schriftsteller - auch Marx, Engels und Lassalle - kaum von Belang."

Ludwig von Mises


"Observing the effects of good intentionsis often a matter for bitter irony. Locke tried with his innocent-looking proviso to prove the legitimacy ownership and succeeded in undermining its moral basis. J.S. Mill thought that he was defending liberty, but what he achieved was to shackle it in strands of confusion."

Anthony de Jasay, Liberalism, Loose or Strict



Anknüpfend an die Neoliberalismus-Debatte, die vor einiger Zeit mal beim Liberalen Institut in Zürich geführt wurde, in der der Staazi-Ideologe Peter Ulrich sich vehement auf John Stuart Mill berief, hat jetzt Matt Jenny mit einer Untersuchung über "Liberalismus und Paternalismus in On Liberty" am liberalen Image des großen sozialdemokratischen Vordenkers ordentlich gekratzt. Bei Lichte besehen mündet Mills Denken in den "Sozialliberalismus" eines T.H. Green, der, vom deutschen Idealismus (Hegel, Fichte etc.) inspiriert, die paternalistisch-konservative Idee des Wohlfahrtsstaats à la Bismarck als Merkmal der Identität gegenüber den klassischen Liberalen ins Programm aufnahm. Der Name Mill markiert also die Scheidelinie zwischen striktem und beliebigem Liberalismus. Oder, wie schon 1992 Anthony de Jasay in der NZZ konstatierte: “Wozu noch Marx? Bentham und Mill genügen”

Gegen die Gefahr eines Hinübergleitens in die Denkstrukturen des Paternalismus ist indessen auch der heutige Liberalismus nicht gänzlich gefeit, wie die im Umfeld des renommierten libertären Journals "The Freeman" geführte Debatte um "Libertarian Paternalism" erweist. Auch da heißt es wachsam sein - und Flagge zeigen für einen anti-etatistischen und anti-paternalistischen Liberalismus!

Monday, November 19, 2007

Friday, November 16, 2007

Talibahn

Ein Gedicht von Durs Grünbein aus der Frankfurter Rundschau:



Trost für Bahnreisende

Motto: Wer früher bucht, kommt später an.


Ihr, die ihr fahren müßt nun mit der Deutschen Bahn,
Laßt alle Hoffnung fahren auf die Ankunftszeit.
Was steht ihr, wartet, schaut die Gleise traurig an?
Ihr Kunden, rechnet nicht mit Pünktlichkeit.

Nicht klagen sollt ihr, wird die Wartezeit euch lang.
Vergeßt den Anschluß, Leute, denkt in größern Zügen.
In höhern Bahnen, schrankenlos, denkt: Börsengang.
Sagt nicht: Mir würde Fahrplantreue schon genügen.

Ihr habt den ServicePoint, die DB-Lounge, das BordBistro
Und dann die Spartarife! Im totalen Fernverkehr –
Man kann nicht alles haben. Wenn Verspätung droht,
Denkt an das Nickerchen im ICE, das länger währt.



Tuesday, November 13, 2007

Farbe bekennen!

Unter http://www.wofuer-stehst-du-ein.de/ findet jetzt ein Wettbewerb statt, an dem sich möglichst viele radikalliberale und libertäre Freunde mit eigenen (Wort-, Bild- und Film-) Beiträgen beteiligen sollten. Die Initialzündung zu dieser spannenden Aktion ist der aufrüttelnde und tiefgreifende Debatten über das amerikanische Selbstverständnis auslösende Film von und mit Robert Redford "Von Löwen und Lämmern" (seit 8. November in den Kinos), der die gesamte Außenpolitik der USA und ihrer Verbündeten seit dem 11. September 2001 reflektiert, sie einer schonungslos gründlichen Vivisektion unterzieht und damit stellvertretend das moralische Versagen des gesamten Establishments der "freien Welt" auf dramatische Weise vor Augen führt.

Redford wendet sich mit diesem durchaus mit Pathos versehenen Film vor allem an die eigenen Landsleute, die die Frage schon in Bälde zu beantworten haben werden, ob sie sich auf ihre Verfassung und die ihr zugrundeliegenden basic values zurückbesinnen wollen oder ob sie weiterhin dem aggressiv kriegstreiberischen Machtapparat aus big business und big government die unangefochtene Total-Herrschaft über ihre einstmals "Land of the Free" genannte Republik gestatten wollen.

Die zur Zeit im Internet zu beobachtende Ron Paul Revolution, eine Graswurzelbewegung, die vor allem bei jungen Amerikanern in den Köpfen und Herzen Anklang und immer mehr begeisterte Anhängerschaft findet, läßt hoffen, daß diese Nation immer noch über genügend geistig-sittliches Potential verfügt, um sich ihr Land von den Machteliten zurückzuerobern.

Wie für den linkslibertären Blogger "The Osterly Times" ist auch für mich der eigentliche Schlüsselsatz der Ausspruch des von Redford gespielten Politikprofessors Malley:
"They bank on your apathy, they build strategies around it."

Besonders besticht in diesem engagierten Hollywood-Streifen eine überragende Meryl Streep in der Rolle der altgedienten linksliberalen Washington-Korrespondentin Jane Roth, die sich in ihren Dialogen mit dem von Tom Cruise überzeugend gespielten smarten und eloquenten republikanischen Senator Jasper Irving (den als zynischen Bösewicht zu identifizieren die auf Grautöne und Ambivalenzen setzende Inszenierung des ganzen Filmes eben gerade nicht ermöglicht) ein rhetorisches Duell liefert, das es in sich hat, und den Zuschauer ziemlich zerknittert und nachdenklich in den Kinosessel drückt. - Und da sage nochmal einer, Kino sei ein rein auf sinnliche Eindrücke ausgerichtetes Medium und könne nicht intellektuell anspruchsvoll sein! Kurzum: ein Film, dessen Besuch sich in diesen kalten Novembertagen auf jeden Fall lohnt (auch wenn Gene Callahan das anders sieht)!

Prinzipientreue à la carte

"Viele sind für Demokratie, solange die Demokratie für sie ist, und für "mehr Demokratie", wenn sie damit Sukkurs für ihre eigenen politischen Anliegen wittern. Dasselbe gilt für den Rechtsstaat. Die schwammige Gegenüberstellung von Rechtsstaat und Demokratie ist darum so attraktiv, weil sie eine Prinzipientreue à la carte ermöglicht. Im Fall von Widersprüchen hat man mindestens eines der Prinzipien auf seiner Seite."

Robert Nef in den Schweizer Monatsheften, Nr. 7/8/2007

Tuesday, November 06, 2007

Staatsschule perpetuiert Untertanengeist

Daß Rainer Hank in der staatstragenden FAZ das Bildungsmonopol des Staates infragestellen durfte, ist schon eine kleine Kulturrevolution. Danke an Genügsames Leben für den wertvollen Hinweis auf einen nicht alltäglichen Artikel!

Saturday, October 27, 2007

Friday, October 19, 2007

Mit Kreon gegen Antigone

In Erich Eycks dreibändigem Klassiker "Bismarck. Leben und Werk" (Zürich, 1944) wird auch auf die stringent liberale Haltung Eugen Richters zum "Kulturkampf" hingewiesen und wie sehr der große Linksliberale Richter sich schon damals mit seiner prinzipienfesten Einstellung in scharfen Gegensatz zur Mehrheit des parteipolitisch organisierten Liberalismus brachte. Auf Seite 91 von Band 3 heißt es:

„Die Fortschrittspartei war gespalten; von der von Virchow geführten Mehrheit sonderte sich öfters eine Minderheit ab, die wie Eugen Richter die Sorge für die Aufrechterhaltung des gleichen Rechts dem Kampf gegen den Klerikalismus überordnete.“

Auf Seite 93 resümiert er nüchtern:

„So hat der Kulturkampf, der ihm zunächst einen so stolzen parteipolitischen Aufschwung brachte, letzten Endes zur inneren Entkräftung und Verarmung des Liberalismus geführt. Das war um so verhängnisvoller, als er gleichzeitig durch die geschichtliche Entwicklung gezwungen wurde, in immer stärkerem Maße mit dem Militärstaat zu paktieren und darüber konstitutionelle Prinzipien zu opfern. Das Ironische ist, daß die Nationalliberalen, an denen sich dieser Prozeß vollzog, sich noch ihrer Befreiung vom „Doktrinarismus“ rühmten. In Wahrheit verschleierten sie sich dadurch nur die Einsicht in ihr eigenes Verhängnis.“


Ein Verhängnis freilich, das wohl in der DNA liberaler Parteien steckt, die im Laufe der Zeit immer mehr Partei und immer weniger liberal zu werden sich genötigt sehen.

So nimmt Eyck bereits die kommende Entwicklung vorweg, wenn er auf S. 133 ff. die Lage der Liberalen, die ihre Seele der Macht verkauft haben, analysiert:

„Und doch hatten die Liberalen, die mit ihm [Bismarck] in den Kulturkampf hineingegangen waren und sich von seinem Ungestüm weiter hatten fortreißen lassen, als viele ursprünglich gewollt hatten, wesentlich Schlimmeres zu beklagen als eine politische Niederlage: den Verlust ihres guten Gewissens und ihres unbescholtenen politischen Namens. Zu wie vielen Maßnahmen hatten sie sich hergegeben, die im tiefsten Grunde illiberal waren, die gegen die Grundgedanken der Rechtsgleichheit und Gewissensfreiheit verstießen und nach jener Lehre von der staatlichen Omnipotenz schmeckten, die das Gegenteil des echten Liberalismus ist. Was einem einzelnen Staatsmann vielleicht gelingt, ist einer Partei unmöglich. Prinzipien-Verrat muß sich bitter rächen. Denn wenn sie mehr sein will, als eine Interessen- oder Klassenpartei, lebt sie von der Überzeugung ihrer Anhänger, daß es ihr mit ihrem Programm und Bekenntnis ernst ist. Lujo Brentano, der Katholik und gleichzeitig ein aufrichtiger Liberaler war und gerade deshalb die kulturkämpferische Verblendung des Liberalismus aufs schärfste verdammte, erzählt voller Entrüstung, wie dem Freiherrn von Mallinckrodt, der sich auf Antigones unsterbliche Worte berief, ein Liberaler entgegnete: „Dafür hat Kreon sie auch ins Gefängnis gesetzt.“ In der Tat, ein Liberalismus, der es mit Kreon gegen Antigone hält, versündigt sich an seinem eigenen Lebensprinzip und gräbt sich selbst das Grab.“

Friday, October 12, 2007

TV-Event für Anti-Staazis

Ich bekenne freimütig: ich bin ein eingefleischter Fan der überaus erfolgreichen amerikanischen Kult-Serie Prison Break, die immer donnerstags um 23.10 auf RTL läuft. Und damit stehe ich in der liberalen Bloggosphäre nicht allein. In der Serie versucht Michael Scofield (Wentworth Miller) seinen Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell), der als Opfer einer Regierungsverschwörung wegen des Mordes am Bruder der Vizepräsidentin zum Tode verurteilt wird, aus dem Knast zu befreien. Diese Handlung ist immer rasant und aufregend, zugleich sehr emotional berührend, spannungsgeladen von der ersten bis zur letzten Minute, die Besetzung erstklassig, der Plot genial. Und dazu herzhaft staatsfeindlich. Mit schonungsloser Offenheit wird dem Zuschauer vor Augen geführt, zu was der Staat und seine Büttel alles fähig sind, wenn das System es einmal auf einen abgesehen hat. Und auch wenn linksetatistische Antiamerikaner jetzt mit Däubler-Gmelin meinten, dies betreffe einzig das "lausige Rechtssystem" von jenseits des Atlantiks. Sie irren! Das geht uns alle an! Auch Europas "Rechtsstaaten" funktionieren nach demselben Grundmuster: Beim Spiel Staat gegen Bürger gewinnt immer der Staat. Egal, wer im Recht ist. Einen weiteren Grund, warum gerade Libertäre von dieser für FOX (!) produzierten Serie so begeistert sind, nennt Justine Nicholas:

"But there is another reason why viewers like me pull for Scofield and Burrows, however improbable their stories seem. Their characters are, in many ways, much more sympathetic than those of the warden, guards and other government representatives. The state employees come off as smug or stupid, or both, while Scofield is portrayed as intelligent, educated and bonded to his brother, who may be an unwilling dupe. And, Scofield and Burrows, as well as some of the other inmates are simply better looking than those who keep them in captivity."

Hier die Prison Break Anthem "Ich hol' Dich da raus" von Azad feat. Adel Tawil:


Aus dem Archiv: Ralph Raico über die Geschichte des Liberalismus

Nachdem Herr Lichtschlag schon seit längerem meint, er müsse sein Magazin auf "JF light" trimmen, die wie immer verhuscht-leisetreterischen Hayekianer nicht nur einen übertrieben elitären Habitus pflegen und zudem ihre Schriften immer so unerschwinglich machen, als enthielten sie Geheimwissen, auf daß sie möglichst keine junge und breite Leserschaft erreichen mögen, die Jungs von Liberty.li sich auch nicht mehr der Pflege des Liberalismus widmen wollen und nur durch meine Intervention Blankertz' Libertäres Manifest (ein ganz wichtiger Grundlagentext! Die von Rothbard sind ja außerdem weitgehend vergriffen, aber auch das juckt niemanden, dafür befassen wir uns ja in Liberalistan mit Eva Herman und Ellen Kositza!) von den Freiheitsfabrikanten wieder online gestellt wurde, und zu allem Unglück das Antibuerokratieteam mit den ausgewiesenen "chicken hawks" Statler & Waldorf fusioniert hat und dadurch das linksetatistische Feindbild (Neocons = Neoliberale = Bonzenschweine) zu bestätigen sich alle Mühe gibt, scheint es so, als ob mein Blog und kongenial Paxx.tv die letzten Mohikaner sind, die sich einen radikalen, ja revolutionären Liberalismus zu verbreiten und weiterzuentwickeln, ja, überhaupt erst wiederzuentdecken, zur Aufgabe gemacht haben. Alle anderen wenden sich ihren Hobbys zu, den Kampf um die Freiheit hat man in der "Szene" weitgehend aufgegeben. Die einen (rechtsreaktionäre Kulturkämpfer, siehe neueste Entgleisungen auf ef-online) wollen um jeden Preis anecken, die anderen (gradualismusbesoffene technokratiehörige Reform-Etatisten) um jeden Preis zum Establishment dazugehören. Auf Grundsätze ist hier wie da geschissen. Die kulturkonservative Attitüde ist beiden Varianten der Fahnenflucht vor dem Kampf gegen die antiliberalen Fortschrittsfeinde gemeinsam. Will mich aber zwischen zwei Chauvi-Varianten, ob ich lieber was gegen "Neger" (die ich diskriminieren muß) oder gegen "Musels" (die ich bombardieren muß) habe, nicht entscheiden müssen. Sorry, Leute! Mich könnt's Ihr alle mal kreuzweise! Mir reicht's nämlich!

Auf diesem Blog werden auch in Zukunft freiheitliche Texte veröffentlicht. Heute: Ein Aufsatz von Prof. Dr. Ralph Raico über den klassischen Liberalismus.


Die Geschichte des Liberalismus*

Von Ralph Raico

Klassischer Liberalismus - oder einfach Liberalismus, wie er bis etwa zur Jahrhundertwende genannt wurde - ist die kennzeichnende politische Philosophie der westlichen Zivilisation. Hinweise auf die liberale Idee werden auch in anderen bedeutenden Kulturen gefunden. Aber es war die besondere Gesellschaft, die sich in Europa - und seinen Außenposten, vor allem Amerika - entwickelte, welche als Nährboden des Liberalismus diente. Umgekehrt wurde diese Gesellschaft entscheidend durch die liberale Bewegung geprägt.

Dezentralisierung und Gewaltentrennung sind die Kennzeichen der europäischen Geschichte. Nach dem Fall Roms gelang es keinem Imperium mehr, den Kontinent zu beherrschen. Statt dessen wurde Europa zu einem komplexen Mosaik miteinander wetteifernder Nationen, Fürstentümer und Stadtstaaten. Die verschiedenen Herrscher fanden sich im Wettbewerb miteinander wieder. Wenn einer von ihnen wagte, räuberisch hohe Steuern zu verlangen oder Eigentum willkürlich zu konfiszieren, so musste er damit rechnen, seine produktivsten Bürger zu verlieren, welche zusammen mit ihrem Kapital "austreten" konnten. Die Könige fanden auch mächtige Rivalen in ehrgeizigen Baronen und in, von einer internationalen Kirche gestützten, religiösen Autoritäten. Es entstanden Parlamente, welche die Steuergewalt des König begrenzten, sowie freie Städte mit speziellen Privilegien, welche die Leitung der Händlerelite überließen.

Im Mittelalter hatten viele Teile Europas, vor allem im Westen, eine Kultur entwickelt, die Besitzrechten und Handel freundlich gesinnt war. Auf philosophischer Ebene lehrte die Doktrin des Naturrechts - die von den stoischen Philosophen des alten Griechenland und Roms abgeleitet war -, dass das Naturrecht unabhängig von den Entwürfen der Menschen existierte und dass die Herrscher den ewigen Gesetzen der Gerechtigkeit unterworfen waren. Die Doktrin des Naturrechts wurde von der Kirche hoch gehalten und an den großen Universitäten verkündet, von Oxford und Salamanca bis nach Prag und Krakau.

Am Anfang der Moderne begannen die Herrscher, sich der uralten, traditionellen Einschränkungen ihrer Macht zu entledigen. Königlicher Absolutismus wurde zur wesentlichen Tendenz dieser Zeit. Die Könige Europas behaupteten nun, dass Gott sie auserwählt habe, um die Quelle allen gesellschaftlichen Lebens und aller Aktivitäten zu sein. In Folge dessen versuchten sie, die Religion, Kultur, Politik und vor allem das wirtschaftliche Leben der Menschen zu steuern. Um ihre blühende Bürokratien und die ständigen Kriege zu finanzieren, wurden immer höhere Steuersätze nötig, und sie versuchten, diese auf bisher ungekannte Wege aus ihren Untertanen herauszupressen.

Das erste Volk, das sich gegen dieses System erhob, waren die Niederländer. Nach einem jahrzehntelangen Kampf errangen sie ihre Unabhängigkeit von Spanien und gründeten ein einzigartiges politisches Gemeinwesen. Die Vereinigten Provinzen, wie der radikal dezentralisierte Staat genannt wurde, hatten weder König noch allzu viel Macht auf Bundesebene. Geld verdienen war die Leidenschaft dieser geschäftigen Handwerker und Händler: Sie hatten keine Zeit, Ketzer zu jagen oder neue Ideen zu unterdrücken. Dadurch kam es de facto zu religiöser Toleranz und einer weit reichenden Pressefreiheit. Die Niederländer schufen ein Rechtssystem, welches auf der Herrschaft des Rechts sowie der Heiligkeit von Besitz und Verträgen basierte. Die Steuern waren niedrig, und jeder arbeitete. Das niederländische "Wirtschaftswunder" war das Wunder des damaligen Zeitalters. Aufmerksame Beobachter in ganz Europa nahmen den niederländischen Erfolg mit großem Interesse zur Kenntnis.

Eine Gesellschaft, die in vielerlei Hinsicht der Hollands ähnlich war, hatte sich jenseits der Nordsee entwickelt. Im 17. Jahrhundert war auch England durch das Haus der Stuarts vom Absolutismus bedroht. Die Reaktion darauf war Revolution, Bürgerkrieg, ein König wurde geköpft, ein weiterer aus dem Amt gejagt. Im Laufe dieses tumulthaften Jahrhunderts erschienen die ersten Bewegungen und Denker, die eindeutig als liberal bezeichnet werden können.

Nachdem der König gegangen war, entstand eine neue radikale Gruppe aus der Mittelschicht, die Leveller. Sie vertraten die Meinung, dass nicht einmal das Parlament das Recht besäße, die natürlichen, von Gott gegebenen Rechte der Menschen widerrechtlich an sich zu reißen. Religion, behaupteten sie, sei eine Sache individuellen Gewissens: Sie sollte in keiner Beziehung zum Staat stehen. Vom Staat garantierte Monopole seien gleichermaßen eine Verletzung natürlicher Freiheit. Eine Generation später entwickelte John Locke, basierend auf der Tradition des Naturrechts, welches von den Theologen der Scholastik am Leben erhalten und weiter ausgefeilt worden war, ein mächtiges liberales Modell des Menschen, der Gesellschaft und des Staates. Jeder Mensch, meinte er, sei von Geburt an mit bestimmten natürlichen Rechten ausgestattet. Dazu gehört sein Grundrecht auf "property" (Eigentum) - das bedeutet: sein Leben, Freiheit und materielle Güter. Die Aufgabe der Regierung sei es einfach, sein Recht auf Eigentum zu schützen. Sobald eine Regierung Krieg gegen die natürlichen Rechte der Menschen führt, anstatt sie zu beschützen, dürfen die Menschen die Regierung ändern oder abschaffen. Die Lockesche Philosophie war viele Generationen lang in England einflussreich. Zur rechten Zeit sollte sie ihre größten Wirkung schließlich in den englischsprachigen Kolonien in Nordamerika entfalten.

Die Gesellschaft, die in England nach dem Sieg über den Absolutismus entstand, erzielte erstaunliche Erfolge im wirtschaftlichen und im kulturellen Leben. Denker aus Kontinentaleuropa, vor allem aus Frankreich, begannen, sich dafür zu interessieren. Einige von ihnen, wie etwa Voltaire und Montesquieu, besuchten England, um sich selbst ein Bild zu machen. Genau so wie einst Holland als Modell gedient hatte, begann nun das Beispiel Englands ausländische Philosophen und Staatsmänner zu beeinflussen. Die Dezentralisierung, welche immer ein Kennzeichen Europas gewesen war, gestattete es dem englischen "Experiment", stattzufinden, und sein Erfolg spornte andere Nationen an.

Im 18. Jahrhundert entdeckten Denker eine bemerkenswerte Tatsache über das gesellschaftliche Leben: Unter der Voraussetzung, dass den Menschen ihre natürlichen Rechte garantiert sind, regiert sich die Gesellschaft mehr oder weniger selbst. In Schottland entwarfen einige brillante Autoren wie etwa David Hume und Adam Smith die Theorie einer spontanen Evolution gesellschaftlicher Einrichtungen. Sie zeigten, wie immens komplexe und lebenswichtige Institutionen - Sprache, Moral, das allgemeine Gesetz und vor allem der Markt - sich nicht nur als Produkt der Planung von "Sozial-Ingenieuren" entwickeln, sondern als Resultat der Interaktionen aller Mitglieder der Gesellschaft, welche ihre individuell unterschiedlichen Ziele verfolgen, entstehen.

In Frankreich kamen Ökonomen zu ähnlichen Schlüssen. Der größte von ihnen, Turgot, postulierte die logische Grundlage des freien Markts mit folgenden Worten: "Der richtige Weg ist es daher, dem Lauf der Natur zu folgen, ohne vorzugeben, ihn zu steuern. Um Handel und Kommerz zu steuern, wäre es notwendig, über solch detailliertes Wissen über all die verschiedenen Bedürfnisse, Interessen und menschlichen Tätigkeiten zu verfügen, dass es selbst für die fähigste, aktivste und detaillierteste Regierung schlichtweg unmöglich wäre, ein solches zu erwerben. Und selbst wenn eine Regierung über eine solche Vielfalt an detailliertem Wissen verfügte, würde sie zu dem Schluss kommen, die Dinge so laufen zu lassen, wie sie es von selbst tun, einzig durch die im freien Wettbewerb hervorgerufenen Handlungen von Menschen, die ihrem Interesse folgen."

Die französischen Ökonomen prägten einen Begriff für die Politik der Freiheit im wirtschaftlichen Leben: Sie nannten ihn laissez-faire. Inzwischen hatten seit dem 17. Jahrhundert Kolonisten, die vor allem aus England gekommen waren, an der Ostküste Nordamerikas eine neue Gesellschaft begründet. Unter dem Einfluss der Ideen, welche die Kolonisten mit sich gebracht hatten, und der Institutionen, welche sie entwickelt hatten, entstand ein einzigartiger Lebensstil. Es gab keinen Adel und kaum eine Regierung. Anstatt politische Macht anzustreben, arbeiteten die Kolonisten, um eine anständige Existenz für sich selbst und ihre Familien aufzubauen.

Äußerst unabhängig, widmeten sie sich auch dem friedlichen - und profitablen - Austausch von Gütern. Ein komplexes Handelsnetzwerk formte sich, und in der Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Kolonisten bereits wohlhabender als alle anderen einfachen Bürger der Welt. Selbsthilfe war auch das Leitmotiv, was spirituelle Werte betraf. Kirchen, Colleges, Büchereien, Zeitungen, Vortragsinstitute und kulturelle Vereinigungen blühten dank der freiwilligen Zusammenarbeit der Bürger.

Als der Unabhängigkeitskrieg ausbrach, war die vorherrschende Ansicht über die Gesellschaft, dass sie sich im Prinzip selbst regierte. Mit den Worten Tom Paines: "Formelle Regierung macht höchstens einen kleinen Teil des zivilisierten Lebens aus. Diese großartigen und fundamentalen Prinzipien der Gesellschaft und der Zivilisation - der nie endende Kreislauf von Interessen, welcher durch seine Millionen Kanäle die gesamte Masse der zivilisierten Menschheit belebt - diese Dinge sind es unendlich mehr als jede Maßnahme, die auch die beste Regierung ergreifen kann, von denen die Sicherheit und das Wohlergehen sowohl des Individuums als auch der Gesamtheit abhängen. Die Gesellschaft leistet selbst beinahe alles, was der Regierung zugeschrieben wird. Die Regierung ist nur notwendig, um die wenigen Aufgaben zu übernehmen, zu welchen Gesellschaft und Zivilisation nicht unmittelbar kompetent genug sind."

Mit der Zeit würde diese neue Gesellschaft, welche auf der Philosophie natürlicher Rechte gegründet war, der Welt als ein noch leuchtenderes Beispiel für Liberalismus dienen, als es vor ihr Holland und England getan hatten.

Triumphe und Herausforderungen
Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der klassische Liberalismus - oder kurz Liberalismus, wie die Philosophie der Freiheit damals genannt wurde - das Gespenst, welches Europa heimsuchte - und die Welt. In jedem entwickelten Land war die liberale Bewegung aktiv.

Vorwiegend aus der Mittelschicht stammend, umfasste sie Menschen verschiedener Religionen und philosophischer Hintergründe. Christen, Juden, Deisten, Agnostiker, Anhänger des Utilitarismus oder des Naturrechts, Freidenker und Traditionalisten, sie alle hielten es für möglich, für ein fundamentales Ziel zu arbeiten: den Freiraum der Gesellschaft zu erweitern und den Raum von Zwang und Staat zu verkleinern.

Die Schwerpunkte variierten in den verschiedenen Ländern. In einigen, etwa den mittel- und osteuropäischen Ländern, forderten die Liberalen den Rückzug des absolutistischen Staates und sogar der Überbleibsel des Feudalismus. Dieser Zielsetzung gemäß konzentrierte sich der Kampf auf das Recht auf Privateigentum an Land, Religionsfreiheit und die Abschaffung der Leibeigenschaft. In Westeuropa hatten die Liberalen oft für Freihandel, Pressefreiheit und die Herrschaft des Rechts als Souverän über die Funktionäre des Staates zu kämpfen.

In Amerika, dem Musterbeispiel eines liberalen Landes, bestand das wichtigste Ziel darin, das Eindringen der Regierungsgewalt abzuwehren, wie es durch Alexander Hamilton und seine auf Zentralisierung bedachten Nachfolgern vorangetrieben wurde, und schließlich etwas gegen den größten Schandfleck zu unternehmen - die Sklaverei.

Vom Standpunkt des Liberalismus hatten die Vereinigten Staaten von Beginn an bemerkenswert viel Glück. Ihr Gründungsdokument, die Unabhängigkeitserklärung, war von Thomas Jefferson geschrieben worden, einem der führenden liberalen Denker seiner Zeit. Diese Deklaration versprühte die Vision einer Gesellschaft, die aus Individuen bestand, welche über ihre natürlichen Rechte verfügten und ihre selbstgewählten Ziele verfolgten. In der Verfassung und der Bill of Rights schufen die Gründer ein System, in welchem die Macht durch verschiedene Einschränkungen geteilt, begrenzt und eingeschlossen sein würde, während sich die Individuen durch Arbeit, Familie, Freunde, Weiterbildung und ein dichtes Netzwerk freiwilliger Verbindungen auf ihre Suche nach Erfüllung begeben würden. Wie europäische Reisende mit Ehrfurcht bemerkten, konnte man sagen, dass in diesem neuen Land so etwas wie Regierung kaum existent war. Dies war das Amerika, welches ein Modell für die Welt wurde.

Einer, der Jeffersons Tradition im frühen 19. Jahrhundert fortsetzte, war William Leggett, ein in New York ansässiger Journalist und Parteigänger Andrew Jacksons, der gegen die Sklaverei entrat. Leggett erklärte:

"Alle Regierungen sind zum Schutz von Person und Eigentum eingesetzt; die Menschen delegieren an ihre Herrscher nur jene Befugnisse, welche hierfür unbedingt notwendig sind. Das Volk will nicht, dass die Regierung ihre Privatsachen reguliert oder ihnen vorschreibt, wie ihre Unternehmungen abzulaufen haben und wie viel Profit dabei herauskommen soll. Schützt Personen und ihr Eigentum, und der Rest ist ihre eigene Angelegenheit."

Diese Laissez-faire-Philosophie wurde die felsenfeste Überzeugung unzähliger Amerikaner aller Schichten. In den nachfolgenden Generationen fand sie ein Echo in den Werken liberaler Autoren wie R. L. Godkin, Albert Jay Nock, H. L. Mencken, Frank Chodorov und Leonard Read. Für den Rest der Welt war dies die besondere, charakteristische amerikanische Perspektive.

Mittlerweile machte der wirtschaftliche Fortschritt, der in der westlichen Welt langsam ins Rollen gekommen war, einen großen Sprung vorwärts. Zuerst in Großbritannien, dann in Amerika und Westeuropa veränderte die Industrielle Revolution das Leben der Menschen wie kein anderes Ereignis seit der Jungsteinzeit. Nun war es der großen Mehrheit der Menschheit möglich, dem undenklichen Elend zu entgehen, welches sie im Laufe der Zeit als ihr unabänderliches Schicksal akzeptieren gelernt hatten. Jetzt war es vielen Millionen, die in der ineffizienten Wirtschaft der alten Ordnung zu Grunde gegangen wären, möglich zu überleben. Während die Bevölkerung Europas und Amerikas auf bisher unerreichtes Niveau anwuchs, erreichten die neuen Massen Schritt für Schritt einen Lebensstandard, wie er früher für Angehörige der Arbeiterklasse unvorstellbar gewesen war.

Die Geburtsstunde der industriellen Ordnung wurde von wirtschaftlichen Verschiebungen begleitet. Wie hätte es sonst sein sollen? Die Ökonomen, die dem freien Markt anhingen, predigten die Lösung: Sicherung von Eigentum und Hartgeld, um die Formierung von Kapital zu begünstigen, Freihandel, um die Effizienz der Produktion zu maximieren, und ein klares Feld für Unternehmer, die bereit waren, Innovationen zu erbringen. Aber Konservative, welche sich in ihrem uralten Status bedroht fühlten, initiierten einen Angriff auf das neue System und verursachten damit den schlechten Ruf der Industriellen Revolution, welchen sie niemals überwand. Bald wurde der Angriff hämisch von Gruppen sozialistischer Intellektueller aufgenommen.

Dennoch eilten die Liberalen in der Mitte des Jahrhunderts von Sieg zu Sieg. Verfassungen, welche Grundrechte garantierten, wurden angenommen, Rechtssysteme, welche die Herrschaft des Rechts und Eigentumsrechte fest verankerten, wurden eingeführt, und der Freihandel blühte. Es entstand eine Weltwirtschaft auf der Basis des Goldstandards.

Es gab auch auf der intellektuellen Front Fortschritte. Nachdem er die Kampagne zur Abschaffung der englischen Getreidegesetze angeführt hatten, entwickelte Richard Cobden die Theorie der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Länder als Fundament des Friedens. Frédéric Bastiat brachte die Situation von Freihandel, Nichtintervention und Frieden in eine klassische Form. Liberale Historiker wie Thomas Macaulay und Augustin Thierry zeigten die Wurzeln der Freiheit im Westen auf. Später im Laufe des Jahrhunderts wurde mit der von Carl Menger begründeten Österreichischen Schule der Nationalökonomie die ökonomische Theorie des freien Marktes auf ein sicheres wissenschaftliches Fundament gestellt.

Die Beziehung des Liberalismus zur Religion stellte ein besonderes Problem dar. In Kontinentaleuropa und Lateinamerika benutzten frei denkende Liberale manchmal die Macht des Staates, um den Einfluss der katholischen Kirche zu beschneiden, während einige katholische Führer überkommenen Ideen theokratischer Kontrolle nachhingen. Aber liberale Denker wie Benjamin Constant, Alexis de Tocqueville und Lord Acton dachten über solche sinnlosen Dispute hinaus. Sie betonten die eminente Rolle, welche die Religion, von Regierungsgewalt getrennt, beim Eindämmen des Wachstums des zentralisierten Staates spielen könnte. Auf diese Weise legten sie den Grundstein für die Versöhnung von Freiheit und religiösem Glauben.

Aus noch unbekannten Gründen wandte sich das Blatt dann gegen die Liberalen. Zum Teil liegt dies sicher an der neuen Klasse von Intellektuellen, die sich überall ausbreitete. Dass sie ihre eigene Existenz dem Wohlstand verdankten, der erst durch das kapitalistische System möglich geworden war, hielt die meisten von ihnen nicht davon ab, unaufhörlich am Kapitalismus zu nagen und ihn für jedes Problem verantwortlich zu machen, welches sie in der modernen Gesellschaft ausfindig machen konnten.

Gleichzeitig wurde freiwilligen Lösungen für diese Probleme durch Staatsfunktionäre zuvorgekommen, welche ihren Einfluss vergrößern wollten. Das Erstarken der Demokratie mag ebenfalls zur Abnahme des Liberalismus beigetragen haben, weil sie ein uraltes Merkmal der Politik noch verstärkte: den Wettlauf um besondere Privilegien. Unternehmen, Gewerkschaften, Bauern, Bürokraten und andere Interessensgruppen wetteiferten um staatliche Privilegien - und fanden intellektuelle Demagogen, die ihre Plünderungen ideologisch begründeten. Die staatliche Kontrolle nahm zu, auf Kosten des "vergessenen Mannes", wie William Graham Sumner bemerkte - des stillen, produktiven Individuums, der von der Regierung nichts verlangt und durch seine Arbeit das System am Leben erhält.

Am Ende des Jahrhunderts wurde der Liberalismus von allen Seiten attackiert. Nationalisten und Imperialisten verdammten ihn, weil er zu einem langweiligen Frieden zwischen den Nationen anstelle von männlicher und belebender Kriegslust führte. Sozialisten griffen ihn an, weil er das "anarchische" System des freien Marktes anstelle "wissenschaftlicher" zentraler Planung propagierte. Sogar religiöse Führer brachten den Liberalismus wegen seines angeblichen Egoismus und Materialismus in Verruf. In Amerika und Großbritannien entwickelten Sozialreformer am Ende des Jahrhunderts einen besonders schlauen Schachzug. Anderswo wären diese Befürworter staatlicher Interventionen und Zwangsmitgliedschaft in Gewerkschaften "Sozialisten" oder "Sozialdemokraten" genannt worden. Aber da die anglophonen Völker aus irgend einem Grund eine Aversion gegen diese Begriffe zu haben schienen, rissen sie sich die Bezeichnung "liberal" unter den Nagel.

Obgleich sie bis zum Ende kämpften, herrschte bei den letzten der großen authentischen Liberalen eine Stimmung der Niedergeschlagenheit vor. Als Herbert Spencer in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts zu schreiben begann, erwartete er ein Zeitalter universellen Fortschritts, in welchem der Zwangs-Staatsapparat praktisch verschwinden würde. 1884 verfasste Spencer schließlich einen Aufsatz mit dem Titel "The Coming Slavery" ("Die kommende Sklaverei"). 1898 war William Graham Sumner, ein amerikanischer Anhänger Spencers, Freihändler und Befürworter des Gold-Standards, bestürzt, dass Amerika mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg den Weg des Imperialismus und der globalen Verstrickung einschlug. Erbittert, betitelte er seine Antwort auf diesen Krieg "The Conquest of the United States by Spain" ("Die Eroberung der Vereinigten Staaten durch Spanien").

Überall in Europa kehrte man zur Politik des Absolutismus zurück und die staatlichen Bürokratien wuchsen. Zur selben Zeit führten eifersüchtige Rivalitäten unter den Großmächten zu einem rasenden Wettrüsten, und die Kriegsgefahr nahm immer deutlichere Züge an. 1914 entzündete sich der Funke an einem serbischen Attentäter, die aufgeheizten Animositäten und Verdächtigungen explodierten, und es kam zum bis zu diesem Zeitpunkt zerstörerischsten Krieg der Geschichte. 1917 führte ein amerikanischer Präsident, der gerne eine Neue Weltordnung errichten wollte, sein Land in den mörderischen Konflikt. "Krieg ist die Gesundheit des Staates", warnte der radikale Autor Randolph Bourne. Es zeigte sich, dass er recht hatte. Zum Zeitpunkt, als das Schlachten ein Ende hatte, glaubten viele, dass der Liberalismus im klassischen Sinne ausgedient hätte.

Das 20. Jahrhundert
Der Erste Weltkrieg war der Wendepunkt des zwanzigsten Jahrhunderts. Als Produkt anti-liberaler Ideen und anti-liberaler Politik, wie Militarismus und Protektionismus, förderte der Krieg Etatismus in jeder Form. In Europa und Amerika beschleunigte sich der Trend zu staatlicher Intervention, indem die Regierungen zum Militär einzogen, zensierten, Schuldenberge anhäuften, Unternehmen und Arbeiterschaft vereinnahmten und die Kontrolle über die Wirtschaft übernahmen. Überall sahen "progressive" Intellektuelle ihre Träume wahr werden. Der alte Laissez-faire-Liberalismus erklärten sie hämisch für tot; die Zukunft gehörte dem Kollektivismus. Die einzige Frage schien zu sein: Welche Art von Kollektivismus?

In Russland ermöglichten die Kriegswirren einer kleinen Gruppe von marxistischen Revolutionären, die Macht zu ergreifen und ein Hauptquartier für die Weltrevolution aufzubauen. Im 19. Jahrhundert heckte Karl Marx eine sekuläre Religion mit starker Anziehungskraft aus. Sie versprach die endgültige Befreiung der Menschheit durch Ersetzen der komplexen, oft unverständlichen Welt der Marktwirtschaft durch gewissenhafte, "wissenschaftliche" Kontrolle. Die Umsetzung des marxistischen Wirtschaftsexperiments durch Lenin und Trotzki in Russland endete in einer Katastrophe. In den nächsten 70 Jahren torkelten rote Regenten von einer unausgegorenen Lösung zur nächsten. Aber Terror hielt sie fest im Sattel, und die kolossalste Propagandamaschinerie der Geschichte überzeugte sowohl Intellektuelle im Westen als auch in der aufkommenden Dritten Welt, dass der Kommunismus tatsächlich "die strahlende Zukunft der gesamten Menschheit" war.

Die Friedensverträge, die von Präsident Woodrow Wilson und den anderen Führern der Alliierten zusammengebastelt worden waren, machten Europa zu einem von Ressentiments und Hass schäumenden Kessel. Verleitet durch nationalistische Demagogen und in Furcht vor der kommunistischen Bedrohung wandten sich Millionen Europäer den Formen der Staatsverehrung zu, die man Faschismus und National-Sozialismus oder Nazismus nennt. Obwohl von wirtschaftlichen Fehlern durchlöchert, versprachen diese Doktrinen Wohlstand und nationale Macht durch vollkommene staatliche Kontrolle der Gesellschaft, während sie mehr und größere Kriege vorbereiteten.

In den demokratischen Ländern waren mildere Formen des Etatismus die Regel. Die heimtückischste war die Form, die in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Deutschland erfunden worden war. Dort schuf Otto von Bismarck, der Eiserne Kanzler, eine Reihe von Versicherungsanstalten für hohes Alter, Behinderung, Unfälle und Krankheiten, die vom Staat betrieben wurden. Die deutschen Liberalen dieser Zeit argumentierten, dass solche Vorhaben schlicht und einfach eine Rückkehr zum Paternalismus absolutistischer Monarchien darstellten. Bismarck behielt jedoch die Oberhand, und seine Erfindung - der Wohlfahrtsstaat - wurde schließlich überall in Europa kopiert, auch in den totalitären Staaten. Mit dem New Deal kam das Konzept des Wohlfahrtsstaates nach Amerika.

Dennoch blieben Privateigentum und freier Austausch die grundlegenden Organisationsprinzipien der westlichen Volkswirtschaften. Wettbewerb, Profit, die Akkumulation von Kapital (einschließlich Humankapitals), Freihandel, die Perfektionierung der Märkte, zunehmende Spezialisierung - all dies trug zur Effizienz, zum technischen Fortschritt und damit zum höheren Lebensstandard der Bevölkerung bei. Diese kapitalistische Produktivitätsmaschine erwies sich als derart kraftvoll und widerstandsfähig, dass die weit verbreiteten staatlichen Interventionen, Zwangsmitgliedschaft in Gewerkschaften und sogar durch die Regierungen verursachte Wirtschaftskrisen und Kriege das wirtschaftliche Wachstum auf lange Sicht nicht beeinträchtigen.

Die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts stellten den Tiefpunkt der klassisch-liberalen Bewegung dieses Jahrhunderts dar. Besonders nach Eingriffen der Regierung in das monetäre System, welche zum Crash von 1929 und zur Weltwirtschaftskrise führten, herrschte die Meinung vor, dass der kompetitive Kapitalismus und mit ihm die liberale Philosophie am Ende waren.

Man könnte sagen, dass der klassische Liberalismus im Jahre 1922 wiedergeboren wurde, als der österreichische Ökonom Ludwig von Mises das Buch "Sozialismus" veröffentlichte. Mises war nicht nur einer der bedeutendsten Denker des Jahrhunderts, sondern auch ein Mann von unbeirrbarem Mut. In "Sozialismus" warf er den Feinden des Kapitalismus den Fehdehandschuh vor die Füße. Im Großen und Ganzen sagte er: "Man kann das System des Privateigentums beschuldigen, alle sozialen Übel zu verursachen, welche nur der Sozialismus heilen kann. Gut. Aber könnten Sie nun etwas tun, was Sie bisher noch nie zu tun gedacht haben: Könnten Sie bitte erklären, wie ein komplexes wirtschaftliches System ohne Märkte und damit ohne Preise für Kapitalgüter funktionieren sollte?" Mises zeigte, dass wirtschaftliche Rechnung ohne Privateigentum unmöglich war und entblößte Sozialismus als leidenschaftliche Illusion.

Indem Mises die vorherrschende Orthodoxie herausforderte, öffnete er vielen Denkern in Europa und Amerika die Augen. F. A. Hayek, Wilhelm Röpke und Lionel Ribbons waren unter denen, welche Mises zum freien Markt bekehrte. Und während seiner äußerst langen Karriere verfeinerte und erneuerte Mises seine ökonomische Theorie und soziale Philosophie, wodurch er als führender klassisch-liberaler Denker des zwanzigsten Jahrhunderts Anerkennung fand.

In Europa und besonders in den Vereinigten Staaten hielten verstreute Einzelpersonen und Gruppen etwas vom alten Liberalismus am Leben. An der London School of Economics und der University of Chicago konnte man sogar in den 1930er und 40er Jahren Akademiker antreffen, die zumindest die grundsätzliche Gültigkeit der Idee des freien Unternehmertums verteidigten. In Amerika überlebte eine bekämpfte Brigade brillanter Schreiber, vor allem Journalisten. Unter ihnen, die nun als "Old Right" bekannt sind, waren Albert Jay Nock, Frank Chodorov, H. L. Mencken, Felix Morley und John T. Flynn. Durch die totalitären Implikationen des New Deal von Franklin Roosevelt aufgeschreckt, brachten diese Autoren wieder den traditionellen amerikanischen Glauben an die Freiheit des Individuums und das spöttische Misstrauen gegenüber der Regierung zum Ausdruck. Sie waren auch gegen Roosevelts Politik der globalen Einmischung, weil es die amerikanische Republik untergrub. Unterstützt von einigen wenigen mutigen Herausgebern und Geschäftsleuten, nährten die "Old Right" die Flamme der Jeffersonschen Ideale während der dunkelsten Tage des New Deal und des Zweiten Weltkriegs.

Am Ende dieses Krieges entstand eine Art Bewegung. Sie war zunächst klein, wuchs dann aber durch Aufnahme verschiedener Strömungen. Hayeks Buch "Road to Serfdom" ("Weg zur Knechtschaft") aus dem Jahre 1944 machte viele Tausende darauf aufmerksam, dass der Westen, indem er sozialistische Politik umsetzte, den Verlust seiner traditionellen freien Zivilisation riskierte. 1946 gründete Leonard Read die Foundation for Economic Education in Irvington, New York, und veröffentlichte die Werke von Henry Hazlitt und anderen Verfechtern des freien Marktes. Mises und Hayek, die nun beide in den Vereinigten Staaten lebten, setzten ihre Arbeit fort. Mises, der als Lehrer unübertroffen war, gründete ein Seminar an der New York University, zu dem es solche Studenten wie Murray Rothbard und Israel Kirzner zog. Rothbard vermählte die Erkenntnisse der österreichischen Ökonomie mit den Lehren des Naturrechts, um eine mächtige Synthese zu erzeugen, die viele junge Menschen ansprach. An der University of Chicago leiteten Milton Friedman, George Stigler und Aaron Director eine Gruppe klassisch-liberaler Ökonomen, deren Spezialgebiet es war, die Mängel der Handlungen der Regierung aufzuzeigen. Die hoch begabte Autorin Ayn Rand brachte betont libertäre Thematiken in ihre gut geschriebene Bestseller ein und begründete sogar eine philosophische Schule.

Die Reaktion auf die Erneuerung des authentischen Liberalismus war auf Seiten des linken - "liberalen" oder, besser gesagt, sozialdemokratischen - Establishment erwartungsgemäß heftig. 1954 gab Hayek beispielsweise einen Band mit dem Titel "Capitalism and the Historians" ("Kapitalismus und die Historiker") heraus, eine Sammlung von Aufsätzen von ausgezeichneten Gelehrten, die gegen die vorherrschende sozialistische Interpretation der Industriellen Revolution argumentierten. Ein wissenschaftliches Journal erlaubte es Arthur Schlesiger Jr., seines Zeichens Harvard-Professor und New-Deal-Fanatiker, das Buch mit folgenden Worten zu verreißen: "Amerikaner haben schon genug Ärger mit einheimischen McCarthys. Sie brauchen keine Wiener Professoren zu importieren, um diesem Prozess akademischen Glanz zu verleihen." Andere Werke versuchte das Establishment durch Totschweigen zu vernichten. Selbst 1962 hatte noch keine einzige prominente Zeitschrift oder Zeitung Friedmans Buch "Capitalism and Freedom" ("Kapitalismus und Freiheit") besprochen. Dennoch stießen die Autoren und Aktivisten, welche die Wiederbelebung des klassischen Liberalismus anführten, in der Öffentlichkeit auf zunehmende Resonanz. Millionen Amerikaner aus allen Schichten hatten im Stillen die Werte des freien Marktes und des Privateigentums in Ehren gehalten. Die zunehmende Präsenz eines soliden Corps intellektueller Vorreiter ermutigte viele dieser Bürger, offen für die Ideen einzutreten, die sie seit langem hegten.

In den 1970er und 80er Jahren, als klar wurde, dass die sozialistischen Planungs- und Interventions-Programme fehlgeschlagen waren, wurde der klassische Liberalismus zur weltweiten Bewegung. In den westlichen Ländern und schließlich erstaunlicherweise auch in den Nationen des ehemaligen Warschauer Paktes bekannten sich politische Führer als Schüler von Hayek und Friedman. Gegen Ende des Jahrhunderts war der alte, authentische Liberalismus wieder am Leben und sogar stärker als noch vor hundert Jahren.

Dennoch expandiert der Staat in den westlichen Ländern ungehemmt und erobert einen Bereich des gesellschaftlichen Lebens nach dem anderen. In Amerika gerät die Republik in Vergessenheit, weil zentralstaatliche Bürokraten und globale Planer mehr und mehr Macht ans Zentrum reißen. Daher geht der Kampf weiter, und so muss es auch sein. Vor zwei Jahrhunderten, als der Liberalismus jung war, hatte Jefferson uns bereits über den Preis der Freiheit informiert: ewige Wachsamkeit.

* Quelle: Liberty.li