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Mittwoch, März 09, 2022

Nicht die Migranten, die BRD-Rentner und -Pensionäre machen Euch das Leben zur Hölle!


Frieren um Putin in die Knie zu zwingen? 

Im Dunkeln sitzen für das Klima? 

Grausames Test-, Masken-, und Impfzwang-Regime bis ans Ende aller Tage? 

Es sind NICHT die Migranten-Milieus, die bei all dem Blödsinn Hurrah brüllen bis zur Besinnungslosigkeit! 

Es sind die BRD-sozialisierten westdeutschen Rentner, und als Steigerungsform die BRD-sozialisierten westdeutschen Pensionäre, die gegenüber Umfrage-Instituten und an Wahlurnen ihre ganze sadistisch-satanische Niedertracht und Verkommenheit ausleben! 

Die AfD muss die Fronten völlig neu ziehen. 

Die beiden großen transformationskritischen Anti-"Great Reset"- und Anti-Globo-Homo-Eliten-Milieus in Deutschland sind Ausländer im Westen und Ostdeutsche im Beitrittsgebiet. Das sind auch diejenigen, bei denen keine rechte Nuklearkriegsbegeisterung sich einstellen will. 

Dulce et decorum pro "Westliche Wertegemeinschaft" mortem ist am ehesten Parole für hirnfrei geboosterte Lebensleistungs-Simulanten, die ihrerseits die Generation ihrer Eltern, die sich den Arsch aufgerissen hatten, damit es diese Nachkriegsbratzen "einmal besser haben" mit Vergangenheitsbewältigungsterror am "Nasenring" (A. Mohler) durch die Manege führten, demütigten und ihnen noch ins Grab hinterherspuckten. Aber jetzt will man sich plötzlich aufs Senioritätsprinzip berufen! 

Jetzt ist der Spucknapf Kriegsgeneration, deren Wiederaufbauleistung man nie anerkannte und deren Opfer man verhöhnte, nicht mehr da, da verlagert man seine triebhafte Bösartigkeit eben darauf, den Jungen das Leben zur Hölle zu machen. 

Mein Geduldsfaden ist gerissen. 

Es wird Zeit, dieser westdeutschen Generation gegenüber die Glacéhandschuhe auszuziehen.

Freitag, Oktober 29, 2021

Die Generationenfrage: Das tatsächlich Alternative in der AfD ist ihre Jugend



Im österreichischen Magazin "Freilich", welches eine gewisse Meinungsführerschaft im "Dritten Lager" der Alpenrepublik für sich beanspruchen kann, betrachtete Marvin T. Neumann mit preußisch scharfem Blick für die Wirklichkeit unlängst derzeitige Situation der AfD, ihre Genese und die ihrer parteipolitischen Vorläufer sowie die möglichen Zukunftsszenarien der „vermutlich letzten deutschen Rechtspartei":

Er kommt wie ich zu dem Schluss, dass die positiven Impulse, die insbesondere von der Parteijugend ausgehen, dringend einer Stärkung bedürfen, um die seit zwei Jahren durch einen dysfunktionalen und in seiner mehrheitlichen personellen Zusammensetzung destruktiven Bundesvorstand aus dem Tritt geratene Partei wieder zu konsolidieren. Dazu ist es aber eben zunächst einmal vonnöten, sich ein realistisches Lagebild zu verschaffen, welches doch erheblich abweicht vom immer wiedergekäuten Seim "liberalkonservativer", verzweifelt um Akzeptanz beim Establishment buhlender West-AfD-Funktionäre, ihrer surrealen Befindlichkeiten, abgestandenen "Bonner Republik"-Phrasen und clownesk aus der Zeit gefallenen Westbindungs-Idiosynkrasien. Neumann konstatiert:


Die Generationenfrage, die von linksliberaler Seite in kulturrevolutionärer Manier gestellt wird, ist auch für die Rechte nicht unbeachtlich. 

Während „der Boomer“ für die linksgrüne Bürgijugend durch „unethisches Konsumieren“ das Klima ruiniert und dem progressiven Ideal des liberalen Universalismus nicht gerecht geworden ist, ist für junge Patrioten die Frage zu stellen, was genau die Nachkriegsgenerationen geschaffen oder von der Überlieferung der Vorfahren bewahrt haben, das sich heute überhaupt noch konservieren ließe. Die Amerikanisierung Deutschlands, der Eintausch eigener Hochkultur für Konsumgüter und die Selbstentfaltung auf Kosten sozialer Stabilität lassen junge Rechte nur mit Projektionen einer fragmentierten Vergangenheit zurück. 

Es bleiben die heroischen Postkartenbilder und Statuen eines idealisierten preußisch-deutschen Kaiserreiches, Geschichtsbücher über das Mittelalter, kitschige Heimatfilme, Schlager und Opas verstaubtes Wehrmachtsabzeichen auf dem Dachboden. Dass junge Rechte, denen es ernsthaft um ihr Volk, ihre Heimat und ihr Erbe geht, für impotenten Unionskonservatismus wenig übrighaben und einen förmlich aus der Not geborenen, ungeduldigen Gestaltungsdrang verspüren, ist nicht überraschend. Und dass sie dafür mit bundesdeutschen Konventionen brechen, den antikapitalistischen, revolutionären, heroischen Ideen der Konservativen Revolution näher stehen als der Kohl-CDU und auch mit postmodernen, marxistischen, aber auch anarchistischen, reaktionären und libertären Theorien und Ideen arbeiten, ebenso. 

Es geht ihnen nicht bloß um Form und Konvention, sondern darum, das Fundament, das höhere Ziel, eine alternative Zukunft für Deutschland aufzuzeigen. Hierin liegt das tatsächlich Alternative in der AfD, das einen Ausweg aus inneren Dauerkämpfen und Lösungsansätze für die Zukunft bietet. 



In dem Potenzial ihrer Jugend, die um die nahe Zukunft als Minorität im eigenen Land ohne institutionelle Vertretung und um die Gründe für das Scheitern des Konservatismus weiß und in einer Welt aufwuchs, in der die AfD bereits als Option existierte. Wenig verwunderlich, dass hohe Parteifunktionäre der AfD, deren bürgerlicher Statusdrang offenbar das politische Handeln diktiert, gerade hier „den Stecker ziehen“ wollen.





Das ganze September-Heft mit vielen weiteren hervorragenden Beiträgen gibt es hier

Seine Conclusio ließe sich unter das Motto Gottfried Benns stellen: „Erkenne die Lage! Rechne mit deinen Defekten, gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen.“




Sonntag, Oktober 25, 2020

Martin Sellner!


Als die meisten von uns aus der freiheitlichen Bloggosphäre vor über zehn Jahren das Bloggen einstellten und uns in die Facebook-Mausefalle locken ließen, waren wir schlechthin naiv. Heute, in Zeiten des NetzDG, des "Deplatformings" und der "Gemeinschaftsstandards" ist es Zeit, ganz stirneresk wieder auf seinen EIGENEN und EINZIGEN Standards zu beharren. Also eine Renaissance der privaten Blogs in die Wege zu leiten.

 Man muss rückblickend Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit beipflichten: 

"Die Ausschließungsmechanismen der analogen Medien werden spiegelbildlich auf die digitale Welt übertragen. Die Annahme einer Netzneutralität war von Anfang an illusorisch. Die großen digitalen Medien und Netzwerke sind keine neutralen Mittler, die die Datenpakete unabhängig von Herkunft, Inhalt und Eigeninteresse transportieren, und erst recht keine idealistischen Vorkämpfer der Meinungsfreiheit."

Pars pro toto steht der aus den sozialen Netzwerken sogar bis zur damnatio memoriae verbannte Martin Sellner. Seine Namensnennung, wie hier in der Headline, ist auf Twitter, Facebook, Youtube nicht mehr möglich, bzw. zieht die totalitäre Sanktion der eigenen Account-Auslöschung nach sich. 

Ich selbst bin Sellner bislang nur ein einziges mal bei einem privaten Abendessen vor vier Jahren begegnet und habe ihn als überaus klugen und zudem sehr charmanten Kopf kennengelernt. Aus Rücksicht auf meine bisherigen AfD-Jobs (zuletzt surrealerweise für AfD-Chef Meuthen in Brüssel) habe ich auch um diese Begegnung nie viel Aufhebens gemacht. Doch heute möchte ich meinen Lesern, die sich fragen, was denn aus dem einstmals so arg libertären DDH geworden ist (dazu folgt in Bälde eine längere Erklärung) zur Einstimmung schon einmal einen brillanten Zweiteiler aus Sellners Feder anempfehlen. Wäre ich ein verkommener Globalelitist, hätte ich vor so einem Brain wie dem eines Sellner auch Angst.

Sonntag, September 19, 2010

Freitag, September 17, 2010

Ein Klassiker kehrt zurück

Damals wie heute "ein erfrischendes Gegengewicht zu den diffus-staatstoleranten, kulturkonservativen Positionen des Neo – und Paläolibertarismus – und eine interessante Lektüre, egal ob mit oder ohne Joint"!

Mittwoch, August 12, 2009

Der - einzige - Weg aus der Krise: freies Marktgeld statt staatlichem Zwangsgeld!

Wir haben es immer schon gesagt, und nun sagen es auch andere:


Stimmen für eine "Privatisierung" des Geldes

Viele realisieren mittlerweile das Grundphänomen des modernen Wirtschaftens; wir handeln und bezahlen mit leicht reproduzierbarem Papiergeld. Die akute Geldpolitik - insbesondere der USA und Westeuropas - lehrt uns, dass die im Umlauf befindliche Papiergeldmenge praktische keine Grenzen mehr kennt. Dies führt zu immer neuen, gefährlichen "Blasen". Nur mit steigenden Geldmengen können aber bankrotte Banken überhaupt am Leben erhalten werden.

Die zu stellende Frage ist klar: Was können wir gegen diese "Blasenwirtschaft" tun? Es ist in einer "freien Gesellschaft" beinahe logisch, dass nun endlich die staatlichen Geldmonopole hinterfragt werden. In einem wegweisenden Aufsatz in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 12. Juni 2009 fragen die Autoren Thorsten Polleit, Michael von Prollius und der liberale Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler offen und ohne ideologische Scheuklappen: Was wäre, wenn Geld ein "privates Gut" wäre, das sich im Wettbewerb bewähren müsste wie andere Waren auch?

"Die erste Finanzkrise des 21. Jahrhunderts ist durch schlechtes Geld" verursacht worden. Allerdings seien die "Methoden der heutigen Falschmünzerei jedoch um ein Vielfaches ausgefeilter als im 14. Jahrhundert". Erschwerend komme hinzu, dass auch Geschäftsbanken diese "Falschmünzerei in Form von Geld- und Kreditschöpfung" betreiben dürften und, so die Autoren Polleit, Von Prollius, Schäffler und Tofall, dies "zum Zwecke der vom Staat gewollten Förderung von Konjunktur und Wachstum auch betreiben sollen". Die Folgen all dessen seien eindeutig: "Das geschwundene Vertrauen in das Tauschmittel Geld und die Zerstörung des globalen Preissystems durch schlechtes Geld führen zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Kooperation, zu einem Rückgang der individuellen Tauschhandlungen, sodass weltweit der gesellschaftliche Wohlstand sinkt."

Die Lösung heißt: Privatisierung des Geldes. "Den Zentralbanken als auch den Geschäftsbanken müsse die Möglichkeit genommen werden, Geld- und Kreditschöpfung zu verschlechtern." Im Rahmen solcher Erwägung sei ebenfalls zu prüfen, ob Gold bei der Überwindung der Krise und der Schaffung von "gutem Geld" hilfreich sein könnte. Die deutschen Autoren fordern ein System des "Free Banking", bei dem ein "freies Marktgeld" einen Ersatz bieten soll zu jenen Zahlungsmitteln, die durch das staatliche Geldmonopol mittels Zwang verbreitet würden und die "ankerlos" und "ungedeckt" seien. Niemand würde freiwillig schlechtes Geld verwenden, wenn er auf dem Markt gutes erhalten könnte.

Im ersten Schritt solle, in Anlehnung an den Ökonomen Murray N. Rothbard, die Verbindlichkeiten der Banken in einem festen Umtauschverhältnis an das Geld gebunden werden. Gleichzeitig - und dies würde die Menschen ganz direkt betreffen, sollten die Bankguthaben in eine entsprechende Menge Gold umgetauscht werden können.

Im zweiten "und entscheidenden Schritt" könnte dass Geldsystem, so die Autoren des FAZ-Artikels, dann privatisiert werden. Teilnehmer am Markt hätten demnach "die freie Wahl des Zahlungsmittel". Neben Gold sei es aber denkbar, dass andere Güter (Silber, Kupfer, Platin, Weizen, Immobilienanteile) einen Status als "Geld" erlangen könnten. In diesem System, so die hellsichtige Analyse, könnten die Geschäftsbanken zwar immer Kredite in Relation zu ihren Einlagen vergeben, ihnen wäre die Möglichkeit zur Geld- und Kreditschöpfung genommen.

"'Free Banking' verspricht nicht nur besseres Geld als das staatliche und auf Zwang beruhende Papiergeld, sondern es sorgte auch dafür, dass Konjunkturverläufe weniger schwankungsanfällig sein, weil freies Marktgeld Fehlinvestitionen und damit Wirtschaftskrisen entgegenwirkt. (...) Auf dem freien Markt wird sich gutes Geld durchsetzen."


Vor uns liegt allerdings noch ein gewaltiges Stück Überzeugungsarbeit:


“Was zunächst und in erster Linie nottut, ist die Abkehr von allen inflationistischen Irrlehren. Doch diese Abkehr kann nicht von Dauer sein, wenn sie nicht durch vollständige Loslösung des Denkens von allen imperialistischen, militaristischen, protektionistischen, etatistischen und sozialistischen Ideen fest begründet wird.”
- Ludwig von Mises




Weiterführende Literatur: Franz Klein/Ludwig von Mises: Die geldtheoretische und geldrechtliche Seite des Stabilisierungsproblems. Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 164. Band, 2. Teil. Duncker & Humblot, München und Leipzig 1923.

Donnerstag, April 09, 2009

Privatisiert die Geldproduktion!

"Hülsmann ist Vertreter der Österreichischen Schule, einer seit Jahrzehnten öffentlich kaum beachteten ökonomischen Denkrichtung. Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises und Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich von Hajek sind die bekanntesten Vertreter dieser staatskritischen Lehre. Das Grundproblem auch dieser Krise sei die Existenz der Zentralbanken, die das Geld viel zu billig auf den Markt werfen, um andere Banken zu retten. "Es gibt eine Vollkasko-Mentalität in der Finanzwelt, wir haben eine Planwirtschaft in der Geldversorgung", sagt Hülsmann. Er will die Zentralbanken abschaffen und die Geldproduktion privatisieren. Mit solchen Vorschlägen erzeugt Hülsmann eine Abwehrhaltung, was fast schon verständlich ist, denn all das klingt sehr radikal. Doch öffentlich debattiert sollten diese Vorschläge schon werden, meint er, was jedoch nur selten geschieht."


Prof. Dr. Guido Hülsmann in der Süddeutschen vom 4.April.

Mittwoch, November 19, 2008

Jenseits von Napf und Kette

Zu Sowjetzeiten gab es einen Witz: Treffen sich zwei Hunde: Eine englische Dogge und ein russischer Hund. Und die Dogge fragt: "Sagen sie mal, sie haben jetzt Perestroika, wie sieht das aus?". Und der russische Hund antwortet: "Man hat die Kette um zwei Meter verlängert. Und den Napf drei Meter weiter gestellt."

Bringt dieser Witz nicht die reale Erfahrung ALLER Menschen in ALLEN Staazi-Systemen, und nicht nur in der historischen Umbruch-Periode des Ostblocks, auf den Punkt, die bei halbherzig-technokratischen "Reformen" (ob diese Agenda nun zu Recht oder zu Unrecht unter der Chiffre "neoliberal" verfolgt wird, sei dahingestellt) von einem bestimmten "ineffizienten" hin zu einem anderen "effizienteren" Etatismus unter die Räder kommen? Genau diese Kombination aus "Weniger im Napf" bzw. "Napf weiter weg" und "Kette etwas länger" (oder nur weniger spürbar?) ist es, die den ganzen Liberalisierungsansatz in den Augen der Menschen diskreditiert. Weil sich am Grundsätzlichen nichts ändert. Man bleibt Kettenhund, der nicht wirklich frei ist, dessen Existenzbedingungen als Kettenhund aber sich verschärfen (und eben nicht nur irrigerweise als sich verschärfend imaginär wahrgenommen werden, wie die "wirtschaftsliberalen""Reformer" des Etatismus behaupten). Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Ist man denn frei, wenn man als Niedrigqualifizierter aufgrund des "liberalisierten" Kündigungsschutzes leichter "freigesetzt" werden kann, aber wegen des nach wie vor unfreien Arbeitsmarktes, dessen Zutritts-Barrieren oftmals im sozialen Wohlfahrtsstaat unüberwindlich sind (Flächentarifverträge, Gesetze, Mindestlöhne, Zwangsversicherungen, Kammernzwänge, Berechtigungswesen, Zunft(un)wesen, Protektionismus, Kriminalisierung bestimmter Tätigkeiten/Gewerbe sog. "victimless crimes" etc. pp.) faktisch an der Kette der Sozialbürokratie bleibt: entmündigt und entwürdigt? Ist in Deutschland in den letzten Jahren nicht parallel zu den zaghaften wirtschaftsliberalen Reformen auch der Zwang verschärft worden im "war on terror", im Kampf um sog. "Innere Sicherheit", durch Re-Militarisierung auch der zivilgesellschaftlichen Sphäre? Bewegen wir uns nicht seit Jahren in Riesenschritten mit Schily und Schäuble auf den totalen Überwachungsstaat zu? Ist es nicht makabre Ironie, wenn bspw. im sächsischen Landtag NSDAP und SED (die jetzt beide anders heißen) gegen ein die Befugnisse des BKA geheimdienstlich ausweitendes Gesetz Sturm laufen und sich damit objektiv im Recht befinden, obwohl jeder geschichtsbewußte Mensch weiß, daß beiden, wenn sie erst am Ruder wären, die Befugnisse solcher Behörden gar nicht weit genug gehen könnten?

Ist es nicht an der Zeit, über eine echte Alternative zum konservativ-reaktionären Programm der Liberalisierungen nachzudenken? Könnte diese Alternative nicht schlicht Liberalismus heißen? Also niemand mehr an Ketten, der darauf warten/hoffen muß, daß ihm einer was in den Napf tut? Wenn die sozialistische "Verhausschweinung" (Röpke) des Menschen aus ökonomischen UND ethischen Gründen abzulehnen ist, dann ist es die (neo)konservative "Verhofhundung" erst recht!

Dienstag, Oktober 28, 2008

Wer die Eisberge des Etatismus zum Schmelzen bringen will, muß innerlich für die Freiheit brennen

Vor einiger Zeit verschickte das Ludwig-von-Mises-Institute in Auburn/Alabama per Newsletter einen Essay von Murray Newton Rothbard, der sehr schön auch das Credo dieses Blogs wiedergibt. Ich habe mich daher entschlossen, diesen Grundlagentext hier im Original und in voller Länge noch einmal für meine Leser zur Verfügung zu stellen und wünsche viel Freude beim Vermehren gewonnener Einsichten! Vor allem "GutäXler", "Antibürokraten", "bissige Liberale" und "Freunde der offenen Gesellschaft" täten sehr gut daran, gerade auch im Angesicht der neuen turbo-etatistischen Aktivitäten, welche die "classe politique" unter dem Vorwand der Heilung der von Ihr selbst verschuldeten Weltfinanzkrise entfaltet, sich diesen Einsichten nicht länger zu verschließen!


Why Be Libertarian?

by Murray N. Rothbard

[This essay is chapter 15 of the book Egalitarianism As a Revolt Against Nature.]

Why be libertarian, anyway? By this we mean, what's the point of the whole thing? Why engage in a deep and lifelong commitment to the principle and the goal of individual liberty? For such a commitment, in our largely unfree world, means inevitably a radical disagreement with, and alienation from, the status quo, an alienation which equally inevitably imposes many sacrifices in money and prestige. When life is short and the moment of victory far in the future, why go through all this?


Incredibly, we have found among the increasing number of libertarians in this country many people who come to a libertarian commitment from one or another extremely narrow and personal point of view. Many are irresistibly attracted to liberty as an intellectual system or as an aesthetic goal, but liberty remains for them a purely intellectual parlor game, totally divorced from what they consider the "real" activities of their daily lives. Others are motivated to remain libertarians solely from their anticipation of their own personal financial profit. Realizing that a free market would provide far greater opportunities for able, independent men to reap entrepreneurial profits, they become and remain libertarians solely to find larger opportunities for business profit. While it is true that opportunities for profit will be far greater and more widespread in a free market and a free society, placing one's primary emphasis on this motivation for being a libertarian can only be considered grotesque. For in the often tortuous, difficult and grueling path that must be trod before liberty can be achieved, the libertarian's opportunities for personal profit will far more often be negative than abundant.



The consequence of the narrow and myopic vision of both the gamester and the would-be profit maker is that neither group has the slightest interest in the work of building a libertarian movement. And yet it is only through building such a movement that liberty may ultimately be achieved. Ideas, and especially radical ideas, do not advance in the world in and by themselves, as it were in a vacuum; they can only be advanced by people and, therefore, the development and advancement of such people — and therefore of a "movement" — becomes a prime task for the libertarian who is really serious about advancing his goals.



Turning from these men of narrow vision, we must also see that utilitarianism — the common ground of free-market economists — is unsatisfactory for developing a flourishing libertarian movement. While it is true and valuable to know that a free market would bring far greater abundance and a healthier economy to everyone, rich and poor alike, a critical problem is whether this knowledge is enough to bring many people to a lifelong dedication to liberty.
In short, how many people will man the barricades and endure the many sacrifices that a consistent devotion to liberty entails, merely so that umpteen percent more people will have better bathtubs? Will they not rather set up for an easy life and forget the umpteen percent bathtubs? Ultimately, then, utilitarian economics, while indispensable in the developed structure of libertarian thought and action, is almost as unsatisfactory a basic ground work for the movement as those opportunists who simply seek a short-range profit.



It is our view that a flourishing libertarian movement, a lifelong dedication to liberty can only be grounded on a passion for justice. Here must be the mainspring of our drive, the armor that will sustain us in all the storms ahead, not the search for a quick buck, the playing of intellectual games or the cool calculation of general economic gains. And, to have a passion for justice, one must have a theory of what justice and injustice are — in short, a set of ethical principles of justice and injustice, which cannot be provided by utilitarian economics.




"A flourishing libertarian movement, a lifelong dedication to liberty can only be grounded on a passion for justice."



It is because we see the world reeking with injustices piled one on another to the very heavens that we are impelled to do all that we can to seek a world in which these and other injustices will be eradicated. Other traditional radical goals — such as the "abolition of poverty" — are, in contrast to this one, truly utopian, for man, simply by exerting his will, cannot abolish poverty.


Poverty can only be abolished through the operation of certain economic factors — notably the investment of savings in capital — which can only operate by transforming nature over a long period of time. In short, man's will is here severely limited by the workings of — to use an old-fashioned but still valid term — natural law. But injustices are deeds that are inflicted by one set of men on another; they are precisely the actions of men, and, hence, they and their elimination are subject to man's instantaneous will.



Let us take an example: England's centuries-long occupation and brutal oppression of the Irish people. Now if, in 1900, we had looked at the state of Ireland, and we had considered the poverty of the Irish people, we would have had to say: poverty could be improved by the English getting out and removing their land monopolies, but the ultimate elimination of poverty in Ireland, under the best of conditions, would take time and be subject to the workings of economic law. But the goal of ending English oppression — that could have been done by the instantaneous action of men's will: by the English simply deciding to pull out of the country.



The fact that of course such decisions do not take place instantaneously is not the point; the point is that the very failure is an injustice that has been decided upon and imposed by the perpetrators of injustice — in this case, the English government. In the field of justice, man's will is all; men can move mountains, if only men so decide. A passion for instantaneous justice — in short, a radical passion — is therefore not utopian, as would be a desire for the instant elimination of poverty or the instant transformation of everyone into a concert pianist. For instant justice could be achieved if enough people so willed.



A true passion for justice, then, must be radical — in short, it must at least wish to attain its goals radically and instantaneously. Leonard E. Read, founding president of the Foundation for Economic Education, expressed this radical spirit very aptly when he wrote a pamphlet I'd Push the Button. The problem was what to do about the network of price and wage controls then being imposed on the economy by the Office of Price Administration. Most economic liberals were timidly or "realistically" advocating one or another form of gradual or staggered decontrols; at that point, Mr. Read took an unequivocal and radical stand on principle: "if there were a button on this rostrum," he began his address, "the pressing of which would release all wage and price controls instantaneously, I would put my finger on it and push!"[1]



The true test, then, of the radical spirit, is the button-pushing test: if we could push the button for instantaneous abolition of unjust invasions of liberty, would we do it? If we would not do it, we could scarcely call ourselves libertarians, and most of us would only do it if primarily guided by a passion for justice.




"To have a passion for justice, one must have a theory of what justice and injustice are."



The genuine libertarian, then, is, in all senses of the word, an "abolitionist"; he would, if he could, abolish instantaneously all invasions of liberty, whether it be, in the original coining of the term, slavery, or whether it be the manifold other instances of State oppression. He would, in the words of another libertarian in a similar connection, "blister my thumb pushing that button!"



The libertarian must perforce be a "button pusher" and an "abolitionist." Powered by justice, he cannot be moved by amoral utilitarian pleas that justice not come about until the criminals are "compensated." Thus, when in the early 19th century, the great abolitionist movement arose, voices of moderation promptly appeared counseling that it would only be fair to abolish slavery if the slave masters were financially compensated for their loss. In short, after centuries of oppression and exploitation, the slave masters were supposed to be further rewarded by a handsome sum mulcted by force from the mass of innocent taxpayers! The most apt comment on this proposal was made by the English philosophical radical Benjamin Pearson, who remarked that "he had thought it was the slaves who should have been compensated"; clearly, such compensation could only justly have come from the slaveholders themselves.[2]



Antilibertarians, and antiradicals generally, characteristically make the point that such "abolitionism" is "unrealistic;" by making such a charge they are hopelessly confusing the desired goal with a strategic estimate of the probable outcome.



In framing principle, it is of the utmost importance not to mix in strategic estimates with the forging of desired goals. First, goals must be formulated, which, in this case, would be the instant abolition of slavery or whatever other statist oppression we are considering. And we must first frame these goals without considering the probability of attaining them. The libertarian goals are "realistic" in the sense that they could be achieved if enough people agreed on their desirability, and that, if achieved, they would bring about a far better world. The "realism" of the goal can only be challenged by a critique of the goal itself, not in the problem of how to attain it. Then, after we have decided on the goal, we face the entirely separate strategic question of how to attain that goal as rapidly as possible, how to build a movement to attain it, etc.



Thus, William Lloyd Garrison was not being "unrealistic" when, in the 1830s, he raised the glorious standard of immediate emancipation of the slaves. His goal was the proper one, and his strategic realism came in the fact that he did not expect his goal to be quickly reached. Or, as Garrison himself distinguished:



Urge immediate abolition as earnestly as we may, it will, alas! be gradual abolition in the end. We have never said that slavery would be overthrown by a single blow; that it ought to be, we shall always contend.[3]

"Actually, in the realm of the strategic, raising the banner of pure and radical principle is generally the fastest way of arriving at radical goals."
Actually, in the realm of the strategic, raising the banner of pure and radical principle is generally the fastest way of arriving at radical goals. For if the pure goal is never brought to the fore, there will never be any momentum developed for driving toward it. Slavery would never have been abolished at all if the abolitionists had not raised the hue and cry thirty years earlier; and, as things came to pass, the abolition was at virtually a single blow rather than gradual or compensated.[4]



But above and beyond the requirements of strategy lie the commands of justice. In his famous editorial that launched The Liberator at the beginning of 1831, William Lloyd Garrison repented his previous adoption of the doctrine of gradual abolition:




I seize this opportunity to make a full and unequivocal recantation, and thus publicly to ask pardon of my God, of my country, and of my brethren, the poor slaves, for having uttered a sentiment so full of timidity, injustice and absurdity.



Upon being reproached for the habitual severity and heat of his language, Garrison retorted: "I have need to be all on fire, for I have mountains of ice about me to melt." It is this spirit that must mark the man truly dedicated to the cause of liberty.[5]



Murray N. Rothbard (1926–1995) was dean of the Austrian School.




Notes

[1] Leonard E. Read, I'd Push the Button (New York: Joseph D. McGuire, 1946), p. 3.
[2] William D. Grampp, The Manchester School of Economics (Stanford, Calif.: Stanford University Press, 1960), p. 59.
[3] Quoted in William H. and Jane H. Pease, eds., The Antislavery Argument (Indianapolis: Robbs-Merrill, 1965), p. xxxv.
[4] At the conclusion of a brilliant philosophical critique of the charge of "unrealism" and its confusion of the good and the currently probable, Professor Philbrook declares:
Only one type of serious defense of a policy is open to an economist or anyone else: he must maintain that the policy is good. True 'realism' is the same thing men have always meant by wisdom: to decide the immediate in the light of the ultimate.
Clarence Philbrook, "'Realism' in Policy Espousal," American Economic Review (December, 1953): 859.
[5] For the quotes from Garrison, see Louis Ruchames, ed., The Abolitionists (New York: Capricorn Books, 1964), p. 31, and Fawn M. Brodie, "Who Defends the Abolitionist?" in Martin Duberman, ed., The Antislavery Vanguard (Princeton, N.J.: Princeton University Press, 1965), p. 67. The Duberman work is a storehouse of valuable material, including refutations of the common effort by those committed to the status quo to engage in psychological smearing of radicals in general and abolitionists in particular. See especially Martin Duberman, "The Northern Response to Slavery," in ibid., pp. 406–13

Dienstag, April 15, 2008

Disgusting!

Bildblog.de: "Bild" dokumentiert die eigene Skrupellosigkeit."

In meinen Augen ist dieser Vorgang ein Fall für eine geharnischte Mißbilligung durch den "Deutschen Presserat"!

Freitag, April 11, 2008

Der-Markt.com ist da!

Eine gute Nachricht für alle Freiheitsfreunde: Die erste Testausgabe des neuen und einzigen deutschsprachigen Magazins des Liberalismus kann man hier kostenlos downloaden.

Dienstag, März 25, 2008

Obamas libertäre Fankurve

ist seit meinem Endorsement vom 30. Januar definitiv nicht kleiner geworden. Jetzt gibt es auch auf Blogspot "Libertarians for Obama". DDH - RIGHT FROM START!

Besonders empfehlenswert in diesem Zusammenhang erscheint mir die kluge Analyse von Jason Kuznicki zum Medienspektakel um Obamas Pfarrer, der ein paar schräge, idiotische (aber auch manche zutreffende jedoch wenig mainstream-konforme) Äußerungen getätigt hat, aus denen man jetzt Obama einen Strick drehen will. Kuznicki ist auch in diesem Punkt Recht zu geben:

"The importance of the enduring faith community, regardless of its nominal leader, is also why I am inclined to cut Obama much more slack here than I did Ron Paul about those racist newsletters: The costs to Paul of firing an obnoxious subordinate would have been minimal. The costs of leaving a beloved church are to my mind considerably greater."


Hoffen wir, daß der libertäre Obama-Fanblock am Ende noch so stark wird, daß er vielleicht die Initialzündung geben könnte für ein neues Projekt: die Liberaltarians!

Freitag, Februar 15, 2008

Gedanken zu Obama

Von David D. Friedman:


"Two years ago, I suggested that the Democrats ought to be trying to pull libertarian voters, broadly defined, out of the Republican party--which hasn't provided much for them in recent years. I don't know whether Barack Obama is thinking in those terms or not, but it does look as though he is trying to change the current coalition structure that defines the parties, which could be interesting. How might he do it?

My original suggestion was for the Democrats to come out in favor of medical marijuana, at least to the extent of making it clear that federal law enforcement would be instructed not to target people who were using marijuana in conformity with state law. That not only sends a signal to voters unhappy with the current war on drugs, it also suggests a greater willingness than either party has shown to respect state sovereignty, at least on that issue.

A second possibility that occurs to me is to take advantage of the budgetary implications of Obama's opposition to the Iraq War. If the U.S. pulls out, we will get a "peace dividend"--a whole lot of money now being spent on the war will be available for other purposes. No doubt lots of people, in both parties, will have ideas for ways of spending it.

Suppose Obama commits himself not to let the peace dividend be spent on new projects, or at least not all of it. Suppose, for instance, that he promises that at least half of the saving will be used to reduce the budget deficit. That puts him in the position of the fiscally responsible candidate, which should appeal to conservatives as well as libertarians. And it is a pledge that McCain cannot match, since he supports the war and so is not going to have any peace dividend to allocate.

What other things can he do along these lines? He can't come out for school vouchers without alienating the teachers' unions, which are a major power in his party--although I can barely imagine his doing it when running for a second term, if his position then is strong enough. What about coming out against overreaching by the criminal justice system--no knock raids on the homes of defenseless grandmothers, rogue prosecutors, and the like? Is there some way he could do that without opening himself up to the "soft on crime" charge?

How about property rights? Kelo seems to have been massively unpopular, resulting in a lot of state laws purporting to restrict seizures of private property by eminent domain. Is there some way he could get on that bandwagon? It would pull in libertarians--whom would it offend?

Suggestions?"

Mittwoch, Januar 30, 2008

America Needs Change!

Ist Amerika nach der 20jährigen Doppeldynastie zweier Familien reif für einen Präsidenten, der jung, intelligent, charismatisch - und schwarz ist?

Die dem US-Establishment verbundene Springer-Presse scheint genau das zu fürchten und übt sich deshalb schon seit Wochen in Obama-Bashing, genauso wie der medial-gouvernementale Komplex in seiner rattenhaften Wut vor keiner Diffamierungsmasche mehr zurückschreckt.

Der verschwörungstheoretisch gestimmte Blogger Schall und Rauch liegt ja leider nicht ganz falsch, wenn er schreibt:

"Es wäre ein Wunder, wenn sich die Kriegsgegner Barack Obama bei den Demokraten und Ron Paul bei den Republikanern, durchsetzen würden."

Wenn jedoch einer ein solches Wunder möglich machen kann, dann ist es in der Tat dieser Mann mit dieser außergewöhnlichen Vita und dieser imponierenden Persönlichkeit, der nicht nur über Entertainer-Qualitäten verfügt, wie man sie in der sauertöpfisch-krähwinkeligen deutschen Politik vergeblich sucht, sondern der auch wie kein zweiter den "American Dream" wirklich verkörpert.

Doch Obama sieht sich einer beispiellosen Schmutzkampagne aus dem Lager der "Falken", das von Neocon-think tanks bis zur einflußreichen Clinton-Familie reicht, ausgesetzt. Letztere scheinen aber den Bogen überspannt zu haben, wovon sowohl die Obama-Unterstützung durch Polit-Schwergewicht Senator Ted Kennedy, eine Art moralische Instanz in der Partei, als auch die zunehmend kritischen Reaktionen der Presse sprechen. So kommentiert etwa Albert R. Hunt in der "International Herald Tribune" den seltsame Blüten treibenden Schmuddel-Wahlkampf der Clintons:

"It gets nasty at times. On "Meet the Press," she contended it was the other side that was engaged in mudslinging. Obama's chief strategist, David Axelrod, she said, "accuses me of playing a role in Benazir Bhutto's assassination."

I was in the small group of reporters in Des Moines, Iowa, on Dec. 27, when Axelrod was asked if the Bhutto assassination would help the more-experienced Clinton politically. He disagreed and said the war in Iraq has "diverted" attention and resources from Afghanistan and Pakistan, bolstering radical elements, who may have played a role in the assassination.

That "diversion" argument is made by many Democratic politicians and foreign-policy experts, including Clinton advisers.

Whatever the merits of that argument, it isn't accusing Clinton of complicity in an assassination. Both Clintons had a professional relationship with Axelrod. Hillary Clinton and her husband, who leveled the same charge, know full well he wouldn't accuse her of playing a role in a murder."


In Wahlkämpfen sind anscheinend nicht nur in Hessen sämtliche Schränke tassenfrei.


Daß Obama Format und Größe beweist, dürfte ihm vor allem in bürgerlichen Schichten, wo Manieren, nicht anders als bei uns, immer mehr geschätzt werden als Inhalte, zusätzlich Pluspunkte verschaffen. Als Hillary in einer der unzähligen Fernsehdebatten versuchte, Obama mit dem zwielichtigen Immobilien-Geschäftsmann Rezko aus Illinois in Verbindung zu bringen, vermied er es, mit gleicher Münze zurückzuzahlen und das Whitewater-Faß aufzumachen. Unter ein gewisses Niveau geht er nicht - und geht dennoch immer als strahlender Sieger aus dem Ring, ohne die Glacéhandschuhe ausziehen zu müssen.


Amerikas Image in der Welt ist, das schleckt die Geis nicht weg, auf einem historischen Tiefpunkt. Es gehört zu den Bizarrerien, an die man sich offenbar gewöhnen muß, daß man als libertärer Non-Interventionist vom Heer der Ungebildeten und geistesgeschichtlich Unbedarften leicht das Etikett "Isolationist" angeklebt bekommt, selbst wenn man strikt für free change, free trade, open minds und open borders eintritt. Dabei haben Amerikas Isolation in der Weltmeinung, nicht zuletzt sein extrem schlechtes Standing bei den Europäern, am wenigsten die "Isolationisten", sondern vielmehr die neokonservativen, auf Unilateralismus setzenden "Isolierer" zu verantworten.

Wer die Brücke über den Atlantik wiedererrichten will, die Bush und alt-europäische Anti-Amerikaner mutwillig eingerissen haben, für den gibt es jetzt nur eine Hoffnung: einen neuen John F. Kennedy - Barack Obama!

Bleibt die Frage, die derzeit szeneintern heftig diskutiert wird: Darf man als Libertärer Obama unterstützen? Eingedenk des abolitionistischen Erbes unserer Bewegung, für das Namen wie Thoreau, Spooner und Tucker stehen, lautet meine Antwort, mit der ich nicht ganz alleine stehe, ganz klar: JA!

Yes, We Can!





Noch ein TV-Tip: heute um 23:30 Uhr in der ARD
Hillary gegen Obama - Die Schlacht ums Weiße Haus

Mittwoch, Januar 23, 2008

Linkslibertärer Think Tank?

Wie Dr. House gestern schon sagte, ist es immer besser, intelligente Fragen zu stellen, als wie ein Idiot auszusehen, weil man keine Antworten weiß. Eine sehr gute Frage stellte derweil Brad Spangler:

"If we assume a need to build the Molinari Institute into a left libertarian / left market anarchist alternative to the Mises Institute & LewRockwell.com, yet comparable in scale of operations & resources, how do you think the best way to go about doing that would be?"

Wer also gute Vorschläge und innovative Ideen hat - immer her damit!

Dienstag, Dezember 11, 2007

Ideenwettbewerb 2.0

Ein neues Projekt entschiedener Liberaler befindet sich gerade in der Entstehungsphase. Der-Markt.com - ein Marktplatz für libertäre, kapitalistische und individualistische Ideen.

Initiator Michael Kastner schreibt dazu:

Ich möchte ...

... endlich einmal wieder eine liberale Zeitschrift lesen. Eine Zeitschrift, die bis auf die Knochen und noch tiefer, bis ins Mark, liberal ist. Eine Zeitschrift, die eine klare Linie für Eigentum und Menschenwürde vertritt. Eine Zeitschrift, die Liberalen aller Richtungen eine Plattform zur Debatte bietet. Eine Zeitschrift, die Toleranz verteidigt und Intoleranz bekämpft. Eine Zeitschrift, die Mut zur Freiheit macht.

Ich möchte aber auch eine Zeitschrift lesen, die trotz aller Offenheit selbst auch immer klar Position bezieht. Eine Zeitschrift, die Interventionismus und Krieg eine Absage erteilt, auch wenn sie Interventionisten und Kriegsapologeten eine Plattform bietet. Eine Zeitschrift, die den Staat ablehnt, auch wenn die Autoren eine andere Position haben. Eine Zeitschrift, die vollkommen apolitisch ist und bei der solche abgedroschenen Kategorien wie rechts, links, konservativ oder progressiv keine Bedeutung haben.

Liberalismus ist keine Beliebigkeitsidee und dies sollte auch eine Zeitschrift reflektieren, die ich gerne lesen würde. Die Toleranz einer Publikation kann nur gewahrt bleiben, wenn diese Publikation auch Position bezieht. Toleranz ohne das Vertreten eines eigenen Standpunktes ist eine Leeformel. Tolaranz kann nur funktionieren, wenn man das Eigene und das Andere benennen kann.

Ich möchte eine Zeitschrift lesen, in der nicht über den Staat gejammert wird, sondern eine Zeitschrift, die bessere Alternativen bietet, als das was die Politik liefert. Aber auch eine Zeitschrift, die sich nicht nur auf den alltäglichen Staatswahnsinn konzentriert, sondern auch gezielt auf andere Quellen von Elend und Ungerechtigkeit hinweist.

Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack und mein Verständnis von Liberalismus wird sicherlich auch nicht von jedem geteilt, aber genau darum geht es: Position beziehen!



Jeder Freiheitsfreund, der Interesse hat, kann sich in die Mailingliste eintragen, selbst etwas veröffentlichen und gerne auch mitdiskutieren.

Laßt tausend Blumen blühen!

Freitag, Oktober 12, 2007

Aus dem Archiv: Ralph Raico über die Geschichte des Liberalismus

Nachdem Herr Lichtschlag schon seit längerem meint, er müsse sein Magazin auf "JF light" trimmen, die wie immer verhuscht-leisetreterischen Hayekianer nicht nur einen übertrieben elitären Habitus pflegen und zudem ihre Schriften immer so unerschwinglich machen, als enthielten sie Geheimwissen, auf daß sie möglichst keine junge und breite Leserschaft erreichen mögen, die Jungs von Liberty.li sich auch nicht mehr der Pflege des Liberalismus widmen wollen und nur durch meine Intervention Blankertz' Libertäres Manifest (ein ganz wichtiger Grundlagentext! Die von Rothbard sind ja außerdem weitgehend vergriffen, aber auch das juckt niemanden, dafür befassen wir uns ja in Liberalistan mit Eva Herman und Ellen Kositza!) von den Freiheitsfabrikanten wieder online gestellt wurde, und zu allem Unglück das Antibuerokratieteam mit den ausgewiesenen "chicken hawks" Statler & Waldorf fusioniert hat und dadurch das linksetatistische Feindbild (Neocons = Neoliberale = Bonzenschweine) zu bestätigen sich alle Mühe gibt, scheint es so, als ob mein Blog und kongenial Paxx.tv die letzten Mohikaner sind, die sich einen radikalen, ja revolutionären Liberalismus zu verbreiten und weiterzuentwickeln, ja, überhaupt erst wiederzuentdecken, zur Aufgabe gemacht haben. Alle anderen wenden sich ihren Hobbys zu, den Kampf um die Freiheit hat man in der "Szene" weitgehend aufgegeben. Die einen (rechtsreaktionäre Kulturkämpfer, siehe neueste Entgleisungen auf ef-online) wollen um jeden Preis anecken, die anderen (gradualismusbesoffene technokratiehörige Reform-Etatisten) um jeden Preis zum Establishment dazugehören. Auf Grundsätze ist hier wie da geschissen. Die kulturkonservative Attitüde ist beiden Varianten der Fahnenflucht vor dem Kampf gegen die antiliberalen Fortschrittsfeinde gemeinsam. Will mich aber zwischen zwei Chauvi-Varianten, ob ich lieber was gegen "Neger" (die ich diskriminieren muß) oder gegen "Musels" (die ich bombardieren muß) habe, nicht entscheiden müssen. Sorry, Leute! Mich könnt's Ihr alle mal kreuzweise! Mir reicht's nämlich!

Auf diesem Blog werden auch in Zukunft freiheitliche Texte veröffentlicht. Heute: Ein Aufsatz von Prof. Dr. Ralph Raico über den klassischen Liberalismus.


Die Geschichte des Liberalismus*

Von Ralph Raico

Klassischer Liberalismus - oder einfach Liberalismus, wie er bis etwa zur Jahrhundertwende genannt wurde - ist die kennzeichnende politische Philosophie der westlichen Zivilisation. Hinweise auf die liberale Idee werden auch in anderen bedeutenden Kulturen gefunden. Aber es war die besondere Gesellschaft, die sich in Europa - und seinen Außenposten, vor allem Amerika - entwickelte, welche als Nährboden des Liberalismus diente. Umgekehrt wurde diese Gesellschaft entscheidend durch die liberale Bewegung geprägt.

Dezentralisierung und Gewaltentrennung sind die Kennzeichen der europäischen Geschichte. Nach dem Fall Roms gelang es keinem Imperium mehr, den Kontinent zu beherrschen. Statt dessen wurde Europa zu einem komplexen Mosaik miteinander wetteifernder Nationen, Fürstentümer und Stadtstaaten. Die verschiedenen Herrscher fanden sich im Wettbewerb miteinander wieder. Wenn einer von ihnen wagte, räuberisch hohe Steuern zu verlangen oder Eigentum willkürlich zu konfiszieren, so musste er damit rechnen, seine produktivsten Bürger zu verlieren, welche zusammen mit ihrem Kapital "austreten" konnten. Die Könige fanden auch mächtige Rivalen in ehrgeizigen Baronen und in, von einer internationalen Kirche gestützten, religiösen Autoritäten. Es entstanden Parlamente, welche die Steuergewalt des König begrenzten, sowie freie Städte mit speziellen Privilegien, welche die Leitung der Händlerelite überließen.

Im Mittelalter hatten viele Teile Europas, vor allem im Westen, eine Kultur entwickelt, die Besitzrechten und Handel freundlich gesinnt war. Auf philosophischer Ebene lehrte die Doktrin des Naturrechts - die von den stoischen Philosophen des alten Griechenland und Roms abgeleitet war -, dass das Naturrecht unabhängig von den Entwürfen der Menschen existierte und dass die Herrscher den ewigen Gesetzen der Gerechtigkeit unterworfen waren. Die Doktrin des Naturrechts wurde von der Kirche hoch gehalten und an den großen Universitäten verkündet, von Oxford und Salamanca bis nach Prag und Krakau.

Am Anfang der Moderne begannen die Herrscher, sich der uralten, traditionellen Einschränkungen ihrer Macht zu entledigen. Königlicher Absolutismus wurde zur wesentlichen Tendenz dieser Zeit. Die Könige Europas behaupteten nun, dass Gott sie auserwählt habe, um die Quelle allen gesellschaftlichen Lebens und aller Aktivitäten zu sein. In Folge dessen versuchten sie, die Religion, Kultur, Politik und vor allem das wirtschaftliche Leben der Menschen zu steuern. Um ihre blühende Bürokratien und die ständigen Kriege zu finanzieren, wurden immer höhere Steuersätze nötig, und sie versuchten, diese auf bisher ungekannte Wege aus ihren Untertanen herauszupressen.

Das erste Volk, das sich gegen dieses System erhob, waren die Niederländer. Nach einem jahrzehntelangen Kampf errangen sie ihre Unabhängigkeit von Spanien und gründeten ein einzigartiges politisches Gemeinwesen. Die Vereinigten Provinzen, wie der radikal dezentralisierte Staat genannt wurde, hatten weder König noch allzu viel Macht auf Bundesebene. Geld verdienen war die Leidenschaft dieser geschäftigen Handwerker und Händler: Sie hatten keine Zeit, Ketzer zu jagen oder neue Ideen zu unterdrücken. Dadurch kam es de facto zu religiöser Toleranz und einer weit reichenden Pressefreiheit. Die Niederländer schufen ein Rechtssystem, welches auf der Herrschaft des Rechts sowie der Heiligkeit von Besitz und Verträgen basierte. Die Steuern waren niedrig, und jeder arbeitete. Das niederländische "Wirtschaftswunder" war das Wunder des damaligen Zeitalters. Aufmerksame Beobachter in ganz Europa nahmen den niederländischen Erfolg mit großem Interesse zur Kenntnis.

Eine Gesellschaft, die in vielerlei Hinsicht der Hollands ähnlich war, hatte sich jenseits der Nordsee entwickelt. Im 17. Jahrhundert war auch England durch das Haus der Stuarts vom Absolutismus bedroht. Die Reaktion darauf war Revolution, Bürgerkrieg, ein König wurde geköpft, ein weiterer aus dem Amt gejagt. Im Laufe dieses tumulthaften Jahrhunderts erschienen die ersten Bewegungen und Denker, die eindeutig als liberal bezeichnet werden können.

Nachdem der König gegangen war, entstand eine neue radikale Gruppe aus der Mittelschicht, die Leveller. Sie vertraten die Meinung, dass nicht einmal das Parlament das Recht besäße, die natürlichen, von Gott gegebenen Rechte der Menschen widerrechtlich an sich zu reißen. Religion, behaupteten sie, sei eine Sache individuellen Gewissens: Sie sollte in keiner Beziehung zum Staat stehen. Vom Staat garantierte Monopole seien gleichermaßen eine Verletzung natürlicher Freiheit. Eine Generation später entwickelte John Locke, basierend auf der Tradition des Naturrechts, welches von den Theologen der Scholastik am Leben erhalten und weiter ausgefeilt worden war, ein mächtiges liberales Modell des Menschen, der Gesellschaft und des Staates. Jeder Mensch, meinte er, sei von Geburt an mit bestimmten natürlichen Rechten ausgestattet. Dazu gehört sein Grundrecht auf "property" (Eigentum) - das bedeutet: sein Leben, Freiheit und materielle Güter. Die Aufgabe der Regierung sei es einfach, sein Recht auf Eigentum zu schützen. Sobald eine Regierung Krieg gegen die natürlichen Rechte der Menschen führt, anstatt sie zu beschützen, dürfen die Menschen die Regierung ändern oder abschaffen. Die Lockesche Philosophie war viele Generationen lang in England einflussreich. Zur rechten Zeit sollte sie ihre größten Wirkung schließlich in den englischsprachigen Kolonien in Nordamerika entfalten.

Die Gesellschaft, die in England nach dem Sieg über den Absolutismus entstand, erzielte erstaunliche Erfolge im wirtschaftlichen und im kulturellen Leben. Denker aus Kontinentaleuropa, vor allem aus Frankreich, begannen, sich dafür zu interessieren. Einige von ihnen, wie etwa Voltaire und Montesquieu, besuchten England, um sich selbst ein Bild zu machen. Genau so wie einst Holland als Modell gedient hatte, begann nun das Beispiel Englands ausländische Philosophen und Staatsmänner zu beeinflussen. Die Dezentralisierung, welche immer ein Kennzeichen Europas gewesen war, gestattete es dem englischen "Experiment", stattzufinden, und sein Erfolg spornte andere Nationen an.

Im 18. Jahrhundert entdeckten Denker eine bemerkenswerte Tatsache über das gesellschaftliche Leben: Unter der Voraussetzung, dass den Menschen ihre natürlichen Rechte garantiert sind, regiert sich die Gesellschaft mehr oder weniger selbst. In Schottland entwarfen einige brillante Autoren wie etwa David Hume und Adam Smith die Theorie einer spontanen Evolution gesellschaftlicher Einrichtungen. Sie zeigten, wie immens komplexe und lebenswichtige Institutionen - Sprache, Moral, das allgemeine Gesetz und vor allem der Markt - sich nicht nur als Produkt der Planung von "Sozial-Ingenieuren" entwickeln, sondern als Resultat der Interaktionen aller Mitglieder der Gesellschaft, welche ihre individuell unterschiedlichen Ziele verfolgen, entstehen.

In Frankreich kamen Ökonomen zu ähnlichen Schlüssen. Der größte von ihnen, Turgot, postulierte die logische Grundlage des freien Markts mit folgenden Worten: "Der richtige Weg ist es daher, dem Lauf der Natur zu folgen, ohne vorzugeben, ihn zu steuern. Um Handel und Kommerz zu steuern, wäre es notwendig, über solch detailliertes Wissen über all die verschiedenen Bedürfnisse, Interessen und menschlichen Tätigkeiten zu verfügen, dass es selbst für die fähigste, aktivste und detaillierteste Regierung schlichtweg unmöglich wäre, ein solches zu erwerben. Und selbst wenn eine Regierung über eine solche Vielfalt an detailliertem Wissen verfügte, würde sie zu dem Schluss kommen, die Dinge so laufen zu lassen, wie sie es von selbst tun, einzig durch die im freien Wettbewerb hervorgerufenen Handlungen von Menschen, die ihrem Interesse folgen."

Die französischen Ökonomen prägten einen Begriff für die Politik der Freiheit im wirtschaftlichen Leben: Sie nannten ihn laissez-faire. Inzwischen hatten seit dem 17. Jahrhundert Kolonisten, die vor allem aus England gekommen waren, an der Ostküste Nordamerikas eine neue Gesellschaft begründet. Unter dem Einfluss der Ideen, welche die Kolonisten mit sich gebracht hatten, und der Institutionen, welche sie entwickelt hatten, entstand ein einzigartiger Lebensstil. Es gab keinen Adel und kaum eine Regierung. Anstatt politische Macht anzustreben, arbeiteten die Kolonisten, um eine anständige Existenz für sich selbst und ihre Familien aufzubauen.

Äußerst unabhängig, widmeten sie sich auch dem friedlichen - und profitablen - Austausch von Gütern. Ein komplexes Handelsnetzwerk formte sich, und in der Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Kolonisten bereits wohlhabender als alle anderen einfachen Bürger der Welt. Selbsthilfe war auch das Leitmotiv, was spirituelle Werte betraf. Kirchen, Colleges, Büchereien, Zeitungen, Vortragsinstitute und kulturelle Vereinigungen blühten dank der freiwilligen Zusammenarbeit der Bürger.

Als der Unabhängigkeitskrieg ausbrach, war die vorherrschende Ansicht über die Gesellschaft, dass sie sich im Prinzip selbst regierte. Mit den Worten Tom Paines: "Formelle Regierung macht höchstens einen kleinen Teil des zivilisierten Lebens aus. Diese großartigen und fundamentalen Prinzipien der Gesellschaft und der Zivilisation - der nie endende Kreislauf von Interessen, welcher durch seine Millionen Kanäle die gesamte Masse der zivilisierten Menschheit belebt - diese Dinge sind es unendlich mehr als jede Maßnahme, die auch die beste Regierung ergreifen kann, von denen die Sicherheit und das Wohlergehen sowohl des Individuums als auch der Gesamtheit abhängen. Die Gesellschaft leistet selbst beinahe alles, was der Regierung zugeschrieben wird. Die Regierung ist nur notwendig, um die wenigen Aufgaben zu übernehmen, zu welchen Gesellschaft und Zivilisation nicht unmittelbar kompetent genug sind."

Mit der Zeit würde diese neue Gesellschaft, welche auf der Philosophie natürlicher Rechte gegründet war, der Welt als ein noch leuchtenderes Beispiel für Liberalismus dienen, als es vor ihr Holland und England getan hatten.

Triumphe und Herausforderungen
Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der klassische Liberalismus - oder kurz Liberalismus, wie die Philosophie der Freiheit damals genannt wurde - das Gespenst, welches Europa heimsuchte - und die Welt. In jedem entwickelten Land war die liberale Bewegung aktiv.

Vorwiegend aus der Mittelschicht stammend, umfasste sie Menschen verschiedener Religionen und philosophischer Hintergründe. Christen, Juden, Deisten, Agnostiker, Anhänger des Utilitarismus oder des Naturrechts, Freidenker und Traditionalisten, sie alle hielten es für möglich, für ein fundamentales Ziel zu arbeiten: den Freiraum der Gesellschaft zu erweitern und den Raum von Zwang und Staat zu verkleinern.

Die Schwerpunkte variierten in den verschiedenen Ländern. In einigen, etwa den mittel- und osteuropäischen Ländern, forderten die Liberalen den Rückzug des absolutistischen Staates und sogar der Überbleibsel des Feudalismus. Dieser Zielsetzung gemäß konzentrierte sich der Kampf auf das Recht auf Privateigentum an Land, Religionsfreiheit und die Abschaffung der Leibeigenschaft. In Westeuropa hatten die Liberalen oft für Freihandel, Pressefreiheit und die Herrschaft des Rechts als Souverän über die Funktionäre des Staates zu kämpfen.

In Amerika, dem Musterbeispiel eines liberalen Landes, bestand das wichtigste Ziel darin, das Eindringen der Regierungsgewalt abzuwehren, wie es durch Alexander Hamilton und seine auf Zentralisierung bedachten Nachfolgern vorangetrieben wurde, und schließlich etwas gegen den größten Schandfleck zu unternehmen - die Sklaverei.

Vom Standpunkt des Liberalismus hatten die Vereinigten Staaten von Beginn an bemerkenswert viel Glück. Ihr Gründungsdokument, die Unabhängigkeitserklärung, war von Thomas Jefferson geschrieben worden, einem der führenden liberalen Denker seiner Zeit. Diese Deklaration versprühte die Vision einer Gesellschaft, die aus Individuen bestand, welche über ihre natürlichen Rechte verfügten und ihre selbstgewählten Ziele verfolgten. In der Verfassung und der Bill of Rights schufen die Gründer ein System, in welchem die Macht durch verschiedene Einschränkungen geteilt, begrenzt und eingeschlossen sein würde, während sich die Individuen durch Arbeit, Familie, Freunde, Weiterbildung und ein dichtes Netzwerk freiwilliger Verbindungen auf ihre Suche nach Erfüllung begeben würden. Wie europäische Reisende mit Ehrfurcht bemerkten, konnte man sagen, dass in diesem neuen Land so etwas wie Regierung kaum existent war. Dies war das Amerika, welches ein Modell für die Welt wurde.

Einer, der Jeffersons Tradition im frühen 19. Jahrhundert fortsetzte, war William Leggett, ein in New York ansässiger Journalist und Parteigänger Andrew Jacksons, der gegen die Sklaverei entrat. Leggett erklärte:

"Alle Regierungen sind zum Schutz von Person und Eigentum eingesetzt; die Menschen delegieren an ihre Herrscher nur jene Befugnisse, welche hierfür unbedingt notwendig sind. Das Volk will nicht, dass die Regierung ihre Privatsachen reguliert oder ihnen vorschreibt, wie ihre Unternehmungen abzulaufen haben und wie viel Profit dabei herauskommen soll. Schützt Personen und ihr Eigentum, und der Rest ist ihre eigene Angelegenheit."

Diese Laissez-faire-Philosophie wurde die felsenfeste Überzeugung unzähliger Amerikaner aller Schichten. In den nachfolgenden Generationen fand sie ein Echo in den Werken liberaler Autoren wie R. L. Godkin, Albert Jay Nock, H. L. Mencken, Frank Chodorov und Leonard Read. Für den Rest der Welt war dies die besondere, charakteristische amerikanische Perspektive.

Mittlerweile machte der wirtschaftliche Fortschritt, der in der westlichen Welt langsam ins Rollen gekommen war, einen großen Sprung vorwärts. Zuerst in Großbritannien, dann in Amerika und Westeuropa veränderte die Industrielle Revolution das Leben der Menschen wie kein anderes Ereignis seit der Jungsteinzeit. Nun war es der großen Mehrheit der Menschheit möglich, dem undenklichen Elend zu entgehen, welches sie im Laufe der Zeit als ihr unabänderliches Schicksal akzeptieren gelernt hatten. Jetzt war es vielen Millionen, die in der ineffizienten Wirtschaft der alten Ordnung zu Grunde gegangen wären, möglich zu überleben. Während die Bevölkerung Europas und Amerikas auf bisher unerreichtes Niveau anwuchs, erreichten die neuen Massen Schritt für Schritt einen Lebensstandard, wie er früher für Angehörige der Arbeiterklasse unvorstellbar gewesen war.

Die Geburtsstunde der industriellen Ordnung wurde von wirtschaftlichen Verschiebungen begleitet. Wie hätte es sonst sein sollen? Die Ökonomen, die dem freien Markt anhingen, predigten die Lösung: Sicherung von Eigentum und Hartgeld, um die Formierung von Kapital zu begünstigen, Freihandel, um die Effizienz der Produktion zu maximieren, und ein klares Feld für Unternehmer, die bereit waren, Innovationen zu erbringen. Aber Konservative, welche sich in ihrem uralten Status bedroht fühlten, initiierten einen Angriff auf das neue System und verursachten damit den schlechten Ruf der Industriellen Revolution, welchen sie niemals überwand. Bald wurde der Angriff hämisch von Gruppen sozialistischer Intellektueller aufgenommen.

Dennoch eilten die Liberalen in der Mitte des Jahrhunderts von Sieg zu Sieg. Verfassungen, welche Grundrechte garantierten, wurden angenommen, Rechtssysteme, welche die Herrschaft des Rechts und Eigentumsrechte fest verankerten, wurden eingeführt, und der Freihandel blühte. Es entstand eine Weltwirtschaft auf der Basis des Goldstandards.

Es gab auch auf der intellektuellen Front Fortschritte. Nachdem er die Kampagne zur Abschaffung der englischen Getreidegesetze angeführt hatten, entwickelte Richard Cobden die Theorie der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Länder als Fundament des Friedens. Frédéric Bastiat brachte die Situation von Freihandel, Nichtintervention und Frieden in eine klassische Form. Liberale Historiker wie Thomas Macaulay und Augustin Thierry zeigten die Wurzeln der Freiheit im Westen auf. Später im Laufe des Jahrhunderts wurde mit der von Carl Menger begründeten Österreichischen Schule der Nationalökonomie die ökonomische Theorie des freien Marktes auf ein sicheres wissenschaftliches Fundament gestellt.

Die Beziehung des Liberalismus zur Religion stellte ein besonderes Problem dar. In Kontinentaleuropa und Lateinamerika benutzten frei denkende Liberale manchmal die Macht des Staates, um den Einfluss der katholischen Kirche zu beschneiden, während einige katholische Führer überkommenen Ideen theokratischer Kontrolle nachhingen. Aber liberale Denker wie Benjamin Constant, Alexis de Tocqueville und Lord Acton dachten über solche sinnlosen Dispute hinaus. Sie betonten die eminente Rolle, welche die Religion, von Regierungsgewalt getrennt, beim Eindämmen des Wachstums des zentralisierten Staates spielen könnte. Auf diese Weise legten sie den Grundstein für die Versöhnung von Freiheit und religiösem Glauben.

Aus noch unbekannten Gründen wandte sich das Blatt dann gegen die Liberalen. Zum Teil liegt dies sicher an der neuen Klasse von Intellektuellen, die sich überall ausbreitete. Dass sie ihre eigene Existenz dem Wohlstand verdankten, der erst durch das kapitalistische System möglich geworden war, hielt die meisten von ihnen nicht davon ab, unaufhörlich am Kapitalismus zu nagen und ihn für jedes Problem verantwortlich zu machen, welches sie in der modernen Gesellschaft ausfindig machen konnten.

Gleichzeitig wurde freiwilligen Lösungen für diese Probleme durch Staatsfunktionäre zuvorgekommen, welche ihren Einfluss vergrößern wollten. Das Erstarken der Demokratie mag ebenfalls zur Abnahme des Liberalismus beigetragen haben, weil sie ein uraltes Merkmal der Politik noch verstärkte: den Wettlauf um besondere Privilegien. Unternehmen, Gewerkschaften, Bauern, Bürokraten und andere Interessensgruppen wetteiferten um staatliche Privilegien - und fanden intellektuelle Demagogen, die ihre Plünderungen ideologisch begründeten. Die staatliche Kontrolle nahm zu, auf Kosten des "vergessenen Mannes", wie William Graham Sumner bemerkte - des stillen, produktiven Individuums, der von der Regierung nichts verlangt und durch seine Arbeit das System am Leben erhält.

Am Ende des Jahrhunderts wurde der Liberalismus von allen Seiten attackiert. Nationalisten und Imperialisten verdammten ihn, weil er zu einem langweiligen Frieden zwischen den Nationen anstelle von männlicher und belebender Kriegslust führte. Sozialisten griffen ihn an, weil er das "anarchische" System des freien Marktes anstelle "wissenschaftlicher" zentraler Planung propagierte. Sogar religiöse Führer brachten den Liberalismus wegen seines angeblichen Egoismus und Materialismus in Verruf. In Amerika und Großbritannien entwickelten Sozialreformer am Ende des Jahrhunderts einen besonders schlauen Schachzug. Anderswo wären diese Befürworter staatlicher Interventionen und Zwangsmitgliedschaft in Gewerkschaften "Sozialisten" oder "Sozialdemokraten" genannt worden. Aber da die anglophonen Völker aus irgend einem Grund eine Aversion gegen diese Begriffe zu haben schienen, rissen sie sich die Bezeichnung "liberal" unter den Nagel.

Obgleich sie bis zum Ende kämpften, herrschte bei den letzten der großen authentischen Liberalen eine Stimmung der Niedergeschlagenheit vor. Als Herbert Spencer in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts zu schreiben begann, erwartete er ein Zeitalter universellen Fortschritts, in welchem der Zwangs-Staatsapparat praktisch verschwinden würde. 1884 verfasste Spencer schließlich einen Aufsatz mit dem Titel "The Coming Slavery" ("Die kommende Sklaverei"). 1898 war William Graham Sumner, ein amerikanischer Anhänger Spencers, Freihändler und Befürworter des Gold-Standards, bestürzt, dass Amerika mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg den Weg des Imperialismus und der globalen Verstrickung einschlug. Erbittert, betitelte er seine Antwort auf diesen Krieg "The Conquest of the United States by Spain" ("Die Eroberung der Vereinigten Staaten durch Spanien").

Überall in Europa kehrte man zur Politik des Absolutismus zurück und die staatlichen Bürokratien wuchsen. Zur selben Zeit führten eifersüchtige Rivalitäten unter den Großmächten zu einem rasenden Wettrüsten, und die Kriegsgefahr nahm immer deutlichere Züge an. 1914 entzündete sich der Funke an einem serbischen Attentäter, die aufgeheizten Animositäten und Verdächtigungen explodierten, und es kam zum bis zu diesem Zeitpunkt zerstörerischsten Krieg der Geschichte. 1917 führte ein amerikanischer Präsident, der gerne eine Neue Weltordnung errichten wollte, sein Land in den mörderischen Konflikt. "Krieg ist die Gesundheit des Staates", warnte der radikale Autor Randolph Bourne. Es zeigte sich, dass er recht hatte. Zum Zeitpunkt, als das Schlachten ein Ende hatte, glaubten viele, dass der Liberalismus im klassischen Sinne ausgedient hätte.

Das 20. Jahrhundert
Der Erste Weltkrieg war der Wendepunkt des zwanzigsten Jahrhunderts. Als Produkt anti-liberaler Ideen und anti-liberaler Politik, wie Militarismus und Protektionismus, förderte der Krieg Etatismus in jeder Form. In Europa und Amerika beschleunigte sich der Trend zu staatlicher Intervention, indem die Regierungen zum Militär einzogen, zensierten, Schuldenberge anhäuften, Unternehmen und Arbeiterschaft vereinnahmten und die Kontrolle über die Wirtschaft übernahmen. Überall sahen "progressive" Intellektuelle ihre Träume wahr werden. Der alte Laissez-faire-Liberalismus erklärten sie hämisch für tot; die Zukunft gehörte dem Kollektivismus. Die einzige Frage schien zu sein: Welche Art von Kollektivismus?

In Russland ermöglichten die Kriegswirren einer kleinen Gruppe von marxistischen Revolutionären, die Macht zu ergreifen und ein Hauptquartier für die Weltrevolution aufzubauen. Im 19. Jahrhundert heckte Karl Marx eine sekuläre Religion mit starker Anziehungskraft aus. Sie versprach die endgültige Befreiung der Menschheit durch Ersetzen der komplexen, oft unverständlichen Welt der Marktwirtschaft durch gewissenhafte, "wissenschaftliche" Kontrolle. Die Umsetzung des marxistischen Wirtschaftsexperiments durch Lenin und Trotzki in Russland endete in einer Katastrophe. In den nächsten 70 Jahren torkelten rote Regenten von einer unausgegorenen Lösung zur nächsten. Aber Terror hielt sie fest im Sattel, und die kolossalste Propagandamaschinerie der Geschichte überzeugte sowohl Intellektuelle im Westen als auch in der aufkommenden Dritten Welt, dass der Kommunismus tatsächlich "die strahlende Zukunft der gesamten Menschheit" war.

Die Friedensverträge, die von Präsident Woodrow Wilson und den anderen Führern der Alliierten zusammengebastelt worden waren, machten Europa zu einem von Ressentiments und Hass schäumenden Kessel. Verleitet durch nationalistische Demagogen und in Furcht vor der kommunistischen Bedrohung wandten sich Millionen Europäer den Formen der Staatsverehrung zu, die man Faschismus und National-Sozialismus oder Nazismus nennt. Obwohl von wirtschaftlichen Fehlern durchlöchert, versprachen diese Doktrinen Wohlstand und nationale Macht durch vollkommene staatliche Kontrolle der Gesellschaft, während sie mehr und größere Kriege vorbereiteten.

In den demokratischen Ländern waren mildere Formen des Etatismus die Regel. Die heimtückischste war die Form, die in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Deutschland erfunden worden war. Dort schuf Otto von Bismarck, der Eiserne Kanzler, eine Reihe von Versicherungsanstalten für hohes Alter, Behinderung, Unfälle und Krankheiten, die vom Staat betrieben wurden. Die deutschen Liberalen dieser Zeit argumentierten, dass solche Vorhaben schlicht und einfach eine Rückkehr zum Paternalismus absolutistischer Monarchien darstellten. Bismarck behielt jedoch die Oberhand, und seine Erfindung - der Wohlfahrtsstaat - wurde schließlich überall in Europa kopiert, auch in den totalitären Staaten. Mit dem New Deal kam das Konzept des Wohlfahrtsstaates nach Amerika.

Dennoch blieben Privateigentum und freier Austausch die grundlegenden Organisationsprinzipien der westlichen Volkswirtschaften. Wettbewerb, Profit, die Akkumulation von Kapital (einschließlich Humankapitals), Freihandel, die Perfektionierung der Märkte, zunehmende Spezialisierung - all dies trug zur Effizienz, zum technischen Fortschritt und damit zum höheren Lebensstandard der Bevölkerung bei. Diese kapitalistische Produktivitätsmaschine erwies sich als derart kraftvoll und widerstandsfähig, dass die weit verbreiteten staatlichen Interventionen, Zwangsmitgliedschaft in Gewerkschaften und sogar durch die Regierungen verursachte Wirtschaftskrisen und Kriege das wirtschaftliche Wachstum auf lange Sicht nicht beeinträchtigen.

Die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts stellten den Tiefpunkt der klassisch-liberalen Bewegung dieses Jahrhunderts dar. Besonders nach Eingriffen der Regierung in das monetäre System, welche zum Crash von 1929 und zur Weltwirtschaftskrise führten, herrschte die Meinung vor, dass der kompetitive Kapitalismus und mit ihm die liberale Philosophie am Ende waren.

Man könnte sagen, dass der klassische Liberalismus im Jahre 1922 wiedergeboren wurde, als der österreichische Ökonom Ludwig von Mises das Buch "Sozialismus" veröffentlichte. Mises war nicht nur einer der bedeutendsten Denker des Jahrhunderts, sondern auch ein Mann von unbeirrbarem Mut. In "Sozialismus" warf er den Feinden des Kapitalismus den Fehdehandschuh vor die Füße. Im Großen und Ganzen sagte er: "Man kann das System des Privateigentums beschuldigen, alle sozialen Übel zu verursachen, welche nur der Sozialismus heilen kann. Gut. Aber könnten Sie nun etwas tun, was Sie bisher noch nie zu tun gedacht haben: Könnten Sie bitte erklären, wie ein komplexes wirtschaftliches System ohne Märkte und damit ohne Preise für Kapitalgüter funktionieren sollte?" Mises zeigte, dass wirtschaftliche Rechnung ohne Privateigentum unmöglich war und entblößte Sozialismus als leidenschaftliche Illusion.

Indem Mises die vorherrschende Orthodoxie herausforderte, öffnete er vielen Denkern in Europa und Amerika die Augen. F. A. Hayek, Wilhelm Röpke und Lionel Ribbons waren unter denen, welche Mises zum freien Markt bekehrte. Und während seiner äußerst langen Karriere verfeinerte und erneuerte Mises seine ökonomische Theorie und soziale Philosophie, wodurch er als führender klassisch-liberaler Denker des zwanzigsten Jahrhunderts Anerkennung fand.

In Europa und besonders in den Vereinigten Staaten hielten verstreute Einzelpersonen und Gruppen etwas vom alten Liberalismus am Leben. An der London School of Economics und der University of Chicago konnte man sogar in den 1930er und 40er Jahren Akademiker antreffen, die zumindest die grundsätzliche Gültigkeit der Idee des freien Unternehmertums verteidigten. In Amerika überlebte eine bekämpfte Brigade brillanter Schreiber, vor allem Journalisten. Unter ihnen, die nun als "Old Right" bekannt sind, waren Albert Jay Nock, Frank Chodorov, H. L. Mencken, Felix Morley und John T. Flynn. Durch die totalitären Implikationen des New Deal von Franklin Roosevelt aufgeschreckt, brachten diese Autoren wieder den traditionellen amerikanischen Glauben an die Freiheit des Individuums und das spöttische Misstrauen gegenüber der Regierung zum Ausdruck. Sie waren auch gegen Roosevelts Politik der globalen Einmischung, weil es die amerikanische Republik untergrub. Unterstützt von einigen wenigen mutigen Herausgebern und Geschäftsleuten, nährten die "Old Right" die Flamme der Jeffersonschen Ideale während der dunkelsten Tage des New Deal und des Zweiten Weltkriegs.

Am Ende dieses Krieges entstand eine Art Bewegung. Sie war zunächst klein, wuchs dann aber durch Aufnahme verschiedener Strömungen. Hayeks Buch "Road to Serfdom" ("Weg zur Knechtschaft") aus dem Jahre 1944 machte viele Tausende darauf aufmerksam, dass der Westen, indem er sozialistische Politik umsetzte, den Verlust seiner traditionellen freien Zivilisation riskierte. 1946 gründete Leonard Read die Foundation for Economic Education in Irvington, New York, und veröffentlichte die Werke von Henry Hazlitt und anderen Verfechtern des freien Marktes. Mises und Hayek, die nun beide in den Vereinigten Staaten lebten, setzten ihre Arbeit fort. Mises, der als Lehrer unübertroffen war, gründete ein Seminar an der New York University, zu dem es solche Studenten wie Murray Rothbard und Israel Kirzner zog. Rothbard vermählte die Erkenntnisse der österreichischen Ökonomie mit den Lehren des Naturrechts, um eine mächtige Synthese zu erzeugen, die viele junge Menschen ansprach. An der University of Chicago leiteten Milton Friedman, George Stigler und Aaron Director eine Gruppe klassisch-liberaler Ökonomen, deren Spezialgebiet es war, die Mängel der Handlungen der Regierung aufzuzeigen. Die hoch begabte Autorin Ayn Rand brachte betont libertäre Thematiken in ihre gut geschriebene Bestseller ein und begründete sogar eine philosophische Schule.

Die Reaktion auf die Erneuerung des authentischen Liberalismus war auf Seiten des linken - "liberalen" oder, besser gesagt, sozialdemokratischen - Establishment erwartungsgemäß heftig. 1954 gab Hayek beispielsweise einen Band mit dem Titel "Capitalism and the Historians" ("Kapitalismus und die Historiker") heraus, eine Sammlung von Aufsätzen von ausgezeichneten Gelehrten, die gegen die vorherrschende sozialistische Interpretation der Industriellen Revolution argumentierten. Ein wissenschaftliches Journal erlaubte es Arthur Schlesiger Jr., seines Zeichens Harvard-Professor und New-Deal-Fanatiker, das Buch mit folgenden Worten zu verreißen: "Amerikaner haben schon genug Ärger mit einheimischen McCarthys. Sie brauchen keine Wiener Professoren zu importieren, um diesem Prozess akademischen Glanz zu verleihen." Andere Werke versuchte das Establishment durch Totschweigen zu vernichten. Selbst 1962 hatte noch keine einzige prominente Zeitschrift oder Zeitung Friedmans Buch "Capitalism and Freedom" ("Kapitalismus und Freiheit") besprochen. Dennoch stießen die Autoren und Aktivisten, welche die Wiederbelebung des klassischen Liberalismus anführten, in der Öffentlichkeit auf zunehmende Resonanz. Millionen Amerikaner aus allen Schichten hatten im Stillen die Werte des freien Marktes und des Privateigentums in Ehren gehalten. Die zunehmende Präsenz eines soliden Corps intellektueller Vorreiter ermutigte viele dieser Bürger, offen für die Ideen einzutreten, die sie seit langem hegten.

In den 1970er und 80er Jahren, als klar wurde, dass die sozialistischen Planungs- und Interventions-Programme fehlgeschlagen waren, wurde der klassische Liberalismus zur weltweiten Bewegung. In den westlichen Ländern und schließlich erstaunlicherweise auch in den Nationen des ehemaligen Warschauer Paktes bekannten sich politische Führer als Schüler von Hayek und Friedman. Gegen Ende des Jahrhunderts war der alte, authentische Liberalismus wieder am Leben und sogar stärker als noch vor hundert Jahren.

Dennoch expandiert der Staat in den westlichen Ländern ungehemmt und erobert einen Bereich des gesellschaftlichen Lebens nach dem anderen. In Amerika gerät die Republik in Vergessenheit, weil zentralstaatliche Bürokraten und globale Planer mehr und mehr Macht ans Zentrum reißen. Daher geht der Kampf weiter, und so muss es auch sein. Vor zwei Jahrhunderten, als der Liberalismus jung war, hatte Jefferson uns bereits über den Preis der Freiheit informiert: ewige Wachsamkeit.

* Quelle: Liberty.li

Samstag, September 29, 2007

Wider die verfolgende Unschuld!

"Ich weiß wie die Menschen in Mügeln sich fühlen, es gab nämlich keine Hetzjagd in Mügeln sondern eine Hetzjagd auf Mügeln und die Mügelner."

Georg Milbradt, CDU-Ministerpräsident des Freistaates Sachsen


In recht(slibertär)en und vulgär-neokonservativen Kreisen gehören solcherlei wehleidige Jeremiaden über die vermeintlichen Pressionen der Political Correctness und die demagogische Vertauschung von Opfern und Tätern, wie es Milbradt hier in geradezu exemplarischer Rabulistik vorexerziert, längst zum verpflichtend guten Ton. Auch Doofstellen ist eine beliebte Strategie im spießbürgerlichen Milieu der "kulturellen Mehrheit", wenn man es beim handfesten und nicht selten handgreiflichen Minderheitenbashing (wie in Mügeln) mal wieder gar zu dolle getrieben hat, dabei erwischt wurde und nun in Erklärungsnöte gerät.

Darum ist es überaus verdienstvoll von Christian Hoffmann und Matt Jenny, es auf paxx.zine in ihrem brillanten Essay "Ein Lob der Political Correctness" unternommen zu haben, einmal aus konsequent freiheitlicher Perspektive gegen den Strich zu bürsten. Das kompromißlose Eintreten für die Rechte und die Würde von Minderheiten steht veritablen Liberalen allemal besser zu Gesicht, als sich hinter Vorurteilen zu verschanzen und in Schmoll- und Schmuddelecken heimisch einzurichten. Es ist wirklich an der Zeit, der Political Correctness als einer vielschichtigen und primär zivilgesellschaftlichen kulturellen Bewegung mit intellektueller Redlichkeit zu begegnen und letztlich ihre im Kern liberalen Intentionen zu beleuchten, wie das die beiden Autoren getan haben. Denn was sich hinter dem Signet "PC" verbirgt, das sind schlicht jene unverzichtbaren Konventionen und Regeln für ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben in einer Gesellschaft freier Bürger, wie sie der klassische Liberalismus immer ausdrücklich bejaht hat. Das enthebt uns freilich nicht von der Verpflichtung, staatliche Interventionen in den Meinungsmarkt mit aller gebotenen Deutlichkeit und Schärfe zurückzuweisen.

Um es mit Lord Acton zu sagen: "Der verläßlichste Prüfstein der Freiheit eines Landes ist das Maß an Sicherheit, dessen sich Minderheiten erfreuen."

Diese Freiheit der Minderheiten und damit die Freiheit aller zu verteidigen ist das Gebot eines progressiven, aufgeklärten und, wenn man so will, "antipolitisch korrekten" Liberalismus für das 21. Jahrhundert!

Mittwoch, September 12, 2007

"Freiheit ist Zwang"

"Rundfunkfreiheit" nennen es deutsche Gerichte, wenn Rundfunkzwang unbeschränkt möglich ist. So gesehen gibt es im Prinzip keine rechtliche Schranke mehr, gleich das gesamte Volksvermögen für die GEZ zu konfiszieren. Orwell in roter Robe! Die geballte Empörung der liberal-libertären Bloggosphäre gegen diese Unverfrorenheit, diese dreiste Fratze des "Ihr könnt mir nix, denn ich habe das System auf meiner Seite" ist so verständlich wie folgenlos. Es gibt einen Punkt im Geschichtsverlauf, ab dem Protest nichts weiter darstellt als betuliche Geschwätzigkeit und der Weg des Widerstandes beschritten werden muß. Die Frage lautet nur noch: Quousque tandem ... ?

Dienstag, August 14, 2007

Was heißt eigentlich "links-libertär"?

Diese Frage wurde mir nach diesem Beitrag desöfteren gestellt. Matt Jenny erläutert den schillernden Begriff und seine Entstehungsgeschichte in einem zwischenzeitlich von den Wichsipedia-Zensoren gelöschten Beitrag. Damit das libertäre Spektrum nicht nur die Wahl zwischen Skylla (altrechts-katholisch-paläokonservativ) und Charybdis (evangelikal-chauvinistisch-neokonservativ) hat, sondern der Idee der Freiheit, des Friedens und der Fortschritts treu bleibt! Danke Matt!