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Sonntag, Oktober 25, 2020

Martin Sellner!


Als die meisten von uns aus der freiheitlichen Bloggosphäre vor über zehn Jahren das Bloggen einstellten und uns in die Facebook-Mausefalle locken ließen, waren wir schlechthin naiv. Heute, in Zeiten des NetzDG, des "Deplatformings" und der "Gemeinschaftsstandards" ist es Zeit, ganz stirneresk wieder auf seinen EIGENEN und EINZIGEN Standards zu beharren. Also eine Renaissance der privaten Blogs in die Wege zu leiten.

 Man muss rückblickend Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit beipflichten: 

"Die Ausschließungsmechanismen der analogen Medien werden spiegelbildlich auf die digitale Welt übertragen. Die Annahme einer Netzneutralität war von Anfang an illusorisch. Die großen digitalen Medien und Netzwerke sind keine neutralen Mittler, die die Datenpakete unabhängig von Herkunft, Inhalt und Eigeninteresse transportieren, und erst recht keine idealistischen Vorkämpfer der Meinungsfreiheit."

Pars pro toto steht der aus den sozialen Netzwerken sogar bis zur damnatio memoriae verbannte Martin Sellner. Seine Namensnennung, wie hier in der Headline, ist auf Twitter, Facebook, Youtube nicht mehr möglich, bzw. zieht die totalitäre Sanktion der eigenen Account-Auslöschung nach sich. 

Ich selbst bin Sellner bislang nur ein einziges mal bei einem privaten Abendessen vor vier Jahren begegnet und habe ihn als überaus klugen und zudem sehr charmanten Kopf kennengelernt. Aus Rücksicht auf meine bisherigen AfD-Jobs (zuletzt surrealerweise für AfD-Chef Meuthen in Brüssel) habe ich auch um diese Begegnung nie viel Aufhebens gemacht. Doch heute möchte ich meinen Lesern, die sich fragen, was denn aus dem einstmals so arg libertären DDH geworden ist (dazu folgt in Bälde eine längere Erklärung) zur Einstimmung schon einmal einen brillanten Zweiteiler aus Sellners Feder anempfehlen. Wäre ich ein verkommener Globalelitist, hätte ich vor so einem Brain wie dem eines Sellner auch Angst.

Sonntag, September 19, 2010

Freitag, September 17, 2010

Ein Klassiker kehrt zurück

Damals wie heute "ein erfrischendes Gegengewicht zu den diffus-staatstoleranten, kulturkonservativen Positionen des Neo – und Paläolibertarismus – und eine interessante Lektüre, egal ob mit oder ohne Joint"!

Montag, Juni 14, 2010

Alles hat seine Zeit

Und die Zeit des Bloggens ist im deutschsprachigen Raum definitiv vorbei. Eine echte libertäre Bloggosphäre hat sich hierzulande erst gar nicht etablieren können, weil die diese tragende "libertäre Szene" schlicht non-existent geblieben ist respektive durchaus erfolgversprechende Ansätze zu einer solchen anti-politischen Bewegung durch Verratshandlungen einiger maßgeblicher Exponenten zunichte gemacht wurden. Sei es wie es sei, dieses Blog schließt hiermit seine Pforten nach gut 5 Jahren und wünscht allen seinen bisherigen Lesern nur das Beste und im Hinblick auf die turbo-etatistischen sich im Zeitraffer verschärfenden Zustände in Deutschland und Europa mit den Worten von Karl Valentin: "Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es schon ist!".

Donnerstag, April 29, 2010

"Denn die Arroganz ist die Perücke geistiger Kahlheit"

Die Haßkampagne gegen den unerwarteten und wohl auch ungeplanten DSDS-Sieger Mehrzad Marashi nimmt inzwischen pogromartige Ausmaße an. Höchste Zeit also, daß mal jemand den Hammer kreisen läßt. Wenn dabei noch eine stilistisch so elegante und grazile Figur gemacht wird wie von Sherry, die dem schlechtesten DSDS-Verlierer aller Zeiten und seiner hyperventilierenden Entourage die Charaktermaske herunterreißt, ist das für mich doppelter Grund, eine dringende Lektüreempfehlung an meine geneigten Leser auszusprechen! Standing Ovations!


P.S.: Denjenigen, die es sich angelegen sein lassen, Mehrzad mit Strafanzeigen zu bombardieren sei in aller Freundschaft gesagt: auch falsche Verdächtigung ist ein Straftatbestand!

Freitag, April 16, 2010

Christopher Lesko: "Mehrzad Marashi ist eine Ausnahmeerscheinung!"

"Bei seinen Auftritten spürt man, Fröhlich will und wird kämpfen: Flackernde Augen, manchmal verbissene Mimik, Konzentration. Scheint es bei ihm so, als „kämpfe er gegen..“, wirkt Mehrzad Marashi so, als hätte in seinem Leben nie „gegen etwas“ gekämpft. Allenfalls „für…“: Singt Mehrzad Titel von Xavier Naidoo, so transportiert er, statt der manchmal mechanischen Betroffenheit des Originals, glaubwürdiges Gefühl. Es wirkt fast so, als hätte Naidoo den einen oder anderen Text speziell für Marashi geschrieben. Wo Menowin Fröhlich „mit dem Kopf durch die Wand“ will, findet Mehrzad Marashi „mit den Augen die Tür“.

Seine Interpretation von Lionel Ritchies „Hello“ in der letzten Motto-Show hatte nicht nur musikalische Perfektion, sondern derart viel Tiefgang, dass selbst dem gemäßigten Volker Neumüller als Jury Mitglied nur ein mehrmalig anerkennendes „Leck mich am Arsch!“ entwich. Das war Hochachtung pur, und im Grunde war mit diesem Satz in der Tat alles gesagt. Im TV gibt es selten Momente von Tiefgang, in denen keine Fragen mehr bleiben. Schon gar nicht in Casting-Shows.

Mehrzad Marashi hat Zuschauern genau diese Momente geschenkt: Minuten voller Antwort. Minuten, in welchen es still wird auf unserer
Seite des Fernsehers, weil Berührung entsteht: Weil wir wortlos meinen, irgendwie dieses Stückchen Wahrheit, Gefühl, diese lesie Spur von Liebe greifen zu können. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Hasso Menowin Fröhlich ist sicher ein hochbegabter Musiker, der musikalisch zurecht ins ganz große Finale von DSDS gehört. Glaubt man vielen, derzeitigen Einschätzungen, gewinnt er die Competition und ist – um diese paar Millimeter vorn – der aktuelle Bohlen-Favorit. Auch, wenn Bohlen sich innerhalb der Shows spürbar dazu zwingt, das Rennen offen zu lassen.

Ich bin parteiisch: Die warmherzige, erwachsene und liebevolle Art einer ehrlichen Haut, die im Leben „auf die Fresse bekommen“ hat und eben dies nicht durch „Kampf gegen…“ und Leistungsdruck beantworten muss, berührt mich tief. Sie ist so verdammt schwer hinzubekommen und: Sie ist immer die bessere Antwort. „Und, wenn ein Lied meine Lippen verlässt, dann nur, damit Du Liebe empfängst. Durch die Nacht und das dichteste Geäst, damit Du keine Ängste mehr kennst.“, singt Mehrzad Marashi allen, die zuhören und spricht dabei auch ein wenig mit sich selbst. Ihm glaube ich jedes Wort. Ich werde wohl anrufen."





Quelle: Meedia.de

Keine Skandale, keine traurige Geschichte, dafür außergewöhnliches Talent

"Auf einen Boxkampf übertragen würde ich sagen: 27 Kämpfe, 27 Siege, davon 26 Knockouts und einen klaren Sieg nach punkten

Nun…Doch was macht Mehrzad Marashi noch aus? Die Liste ist schon ziemlich lang – ich weiß…Aber bisher haben wir nur generelle Informationen zu ihm und seinem Gesang zusammengetragen – da fehlt doch was? Genau…Der Mensch an sich…Hierfür braucht man keine eigene Liste – ich kann nur sagen, dass ich persönlich ihn als sehr sympathisch und bodenständig halte. Er hat keine Skandale, er hat keine traurige Geschichte, er überzeugt einzig und allein durch sein außergewöhnliches Talent

Er hat es nicht nötig, mit sonstigen Dingen – die nichts mit der Musik
zu tun haben – zu glänzen, im Gegensatz zu Menowin.[...]


Ich persönlich nicht – und darum werde ich im Finale – sofern es denn dazu kommt, dass erste mal seit langer Zeit mal wieder selbst zum Hörer greifen, um Mehrzad zum Sieg zu pushen. Eigentlich bin ich auch jemand, der sogut wie nie anruft – das Geld ist einfach zu schade – aber für Mehrzad würde ich die paar Kröten doch gerne opfern Diese Staffel hat nur einen Sieger verdient – in diesem Sinne:

Mehrzad Marashi 4 Superstar!
"




Quelle: Hamstiwamsti.de

Grundsympathisch und hochtalentiert

"DSDS hat mit Mehrzad Marashi einen grundsympathischen und hochtalentierten Sänger unter den ersten sechs. Jetzt, wo die Luft immer dünner wird für die letzten Kandidaten und es nicht mehr allzu viele Mottoshows geben wird, scheinen sich die Talente noch deutlicher durchzusetzen. Mehrzad Marashi jedenfalls konnte bei der Lionel Richie Nummer „Hello“ bei der vierten Mottoshow mit unglaublich authentischem Gefühl auf der Bühne die Jury ein weiteres Mal überzeugen.


Seine Familie ist für Mehrzad das Wichtigste: Die kleinen Momente, die er während der aufregenden Zeit bei „Deutschland sucht den Superstar“ schmerzlich vermissen muss, sind das, woraus er seine Kraft für die Auftritte zieht. Im Gegensatz zu exaltierteren Kandidaten, [...] die das Publikum spalten und dabei für Diskussionsstoff sorgen, ist der noch neunundzwanzigjährige Familienvater geerdet und damit einer der sympathischsten Mitbewerber.

Das fühlt auch das Publikum, das an Mehrzad Marashis Liebe zu seiner Freundin und seinem Kind teilhaben darf: Am Ende seines genialen Auftritts am 13.03.2010 präsentierte er nicht ohne Stolz sein neues Tattoo mit dem Namen seines Sohnes, Shahin. Da der in Iran geborene Mehrzad nicht nur an der Hamburger Sängerakademie Gesang und Klavier studierte, sondern auch unter dem Namen „Marasco“ einige Erfahrungen bei öffentlichen Auftritten sammeln konnte, ist er auch bei DSDS mit seiner Stimmgewalt ganz vorne."



Quelle: TV.Germanblogs.de

Sonntag, April 04, 2010

Entkoppelung

Mülltv über einen besonders bizarren "Aufstand der Massen":



"... der Liebling der Massen, zumindest was die Gröhllautstärke seiner Fans angeht: Menowin Fröhlich stellt im Einspieler klar, dass es natürlich gar keinen richtigen Streit mit den anderen Kandidaten gab und er selbstverständlich auch Kritik vertrage. Allerdings gäbe es dazu kaum Anlass, denn die letzten Wochen hätten immer wieder bewiesen, dass Deutschland ihn “geil” fände. Offenbar hat er sich mental schon völlig auf den Titelgewinn eingestellt. Allerdings rechtfertigt sein heutiger erster Auftritt mit Milows “Ayo Technology” meines Erachtens keineswegs die Hoffnung auf den Titelgewinn und nährt sogar Zweifel, ob der Kandidat überhaupt zu Recht unter den Top 4 ist. Die Nummer wirkt tatsächlich völlig ungeprobt und Menowin brabbelt sich in den leiseren Passagen der ersten Hälfte kilometerweise unverständlichen Text in den Bart. Entweder ist das alles zu schnell und deswegen versteht man nichts oder er hat – mal wieder – den korrekten Text vergessen und improvisiert über weiter Strecken mit spontan erfundenen Vokabeln, was dann in sich schon eine bewundernswerte Leistung wäre.

Menowins Anhänger scheinen davon völlig unbeeindruckt und johlen und kreischen während der gesamten Nummer. Offenbar hat bei denen schon so eine Art Entkopplung stattgefunden, der Kandidat wird nicht wegen seiner musikalischen Leistung, sondern tatsächlich nur aufgrund seiner (von RTL aufgebauten) Persönlichkeit unterstützt. Der greifbare Triumph einer im Leben ansonsten eher gescheiterten Figur wie Menowin ist einfach eine tolle Geschichte, die vielleicht auch vielen anderen Losern Hoffnung macht. Das ist so ein bisschen wie damals bei der ersten Big-Brother-Staffel die unerklärliche kurzzeitige Idolisierung von Zlatko, einem Typen von derart überschaubarem Intellekt, dass man ihn nicht mal allein zum Einholen schicken würde. Der wurde zum Messias für alle, die noch beschränkter waren, als er selbst."





Quintessenz:


"Hauptsache, alle Menowin-Gegner halten dann zusammen und rufen für Mehrzad an."

Dienstag, März 09, 2010

Hörtipp

Nachdem kürzlich Christian Hoffmann auf der befreundeten Seite freilich.ch die Freiheitsfreunde mit einem Hörtipp erfreut hatte, ist es nun an mir, es ihm gleichzutun. Über Zusammenbruch und Wiederaufstieg des Sozialismus in Ostdeutschland im Laufe der vergangenen 20 Jahre referierte unlängst Kristian Niemietz bei einem Meeting der "Libertarian Alliance" in London.

Den Vortrag und die anschließende Diskussion gibt es als Podcast (via Nico Metten).

Donnerstag, Oktober 22, 2009

Bürgerliche Staatsfetischisten vs. pauperisierte Staatsopfer

Umverteilung findet im Staat von oben nach unten statt. In welchem Maße man das gut oder schlecht finden soll, darüber sind sich Sozialisten (bis in die CDU hinein) und Konservative (ebenfalls bis in die CDU hinein, die damit sowohl den linken als auch den rechten Flügel des Etatismus abdeckt und darum, ganz nebenbei bemerkt, doppelt so eklig ist wie jede andere Partei, mit Ausnahme der Grünen, die dreimal so eklig und damit Ekelpegel-Rekordhalter sind) uneinig. Doch stimmt diese Prämisse von der Umverteilung von stark zu schwach überhaupt? Tut der Staat zuviel für Unterschicht und "Kopftuchproletariat" (wie sich der "liberal"-konservative Mittelstandsprofessor Eberhard Hamer einmal auf einer Tagung auszudrücken pflegte)?

Umgekehrt (zu den Mythen der neoliberalen Bonzen-Idolatrie und ihrer verkürzten "Leistungsträger"-Rhetorik) wird ein Schuh daraus: Der Staat stärkt die Starken und schwächt die Schwachen. Das ist seine Funktion, darum existiert er. Drei von mir sehr geschätzte Autoren haben sich mal der Frage, wie das im Spätetatismus mit Ober- und Unterschichten denn wirklich aussieht, in den vergangenen Wochen mal aus unterschiedlichem Blickwinkel zugewandt. Zur Sarrazin-Debatte schrieb Chris Vigelius, seit langem mein Quantum Trost auf ef-online, einen sehr klugen Artikel, der die ökonomischen Fehlanreize, und nicht die Einwanderer als Ursache der Integrationsmisere erkennt, mit dem Titel: "Sozialhilfe: Die Scheinheiligkeit des Thilo Sarrazin", der es wert ist, zitiert zu werden:


" [...] die Fehlanreize wirken keineswegs nur auf Einwanderer, sie wirken genauso auf die autochthone Bevölkerung, mit den gleichen Folgen. Sie fällt bei ersteren nur deswegen stärker auf, weil aufgrund der massiven Fehlanreize praktisch nur noch Leistungsunwillige und -fähige einwandern, während alle anderen, vor allem gut ausgebildete und leistungswillige Fachkräfte, um Deutschland in der Regel einen großen Bogen machen.

Und die wenigen, die trotzdem kommen wollen, dürfen oft nicht. Denn die üppige Alimentierung ist beileibe nicht der einzige Fehlanreiz, mindestens genauso fatal wirkt ein Ausländerrecht, das immer noch von dem im Kern national-sozialistischen Gedanken der Abschottung des deutschen Arbeitsmarkts gegen "Fremdarbeiter" beseelt ist, das arbeitswillige Zuwanderer mit Willkür und bürokratischen Schikanen traktiert, und dessen völlige Absurdität sich am offensichtlichsten im Begriff der sogenannten "Arbeitserlaubnis" manifestiert, die jeder Ausländer braucht, wenn er sich an der Mehrung des allgemeinen Wohlstands und der Finanzierung des Staatswesens beteiligen möchte. Eine solche Arbeitserlaubnis bekommt, wenn überhaupt, höchstens derjenige, der sich auf ein nicht selten monatelanges Spießrutenlaufen bei zig Behörden und Institutionen einlässt. Selbst wer -mit Abitur und tadellosen Deutschkenntnissen- nur für ein paar Monate als Au Pair in Deutschland leben und arbeiten möchte, lernt als erstes: In Deutschland gibt es viele, viele Behörden, und die wollen alle irgendwie beschäftigt werden.

Weder Erlaubnis noch Einkommensnachweis braucht dagegen derjenige, der einen ausländischen Partner heiratet und anschließend samt Kindern von Sozialhilfe lebt. Vor allem dann nicht, wenn beide Partner aus dem nahen Osten stammen; bei "eingeborenen" Deutschen mit geregeltem Einkommen und Partnern aus Osteuropa oder Fernost soll es dem Vernehmen nach dagegen durchaus öfter zu Problemen mit Behörden kommen. Die Gründe dafür sind unklar, jedenfalls solange man nicht Verschwörungstheorien anhängt, Fakt ist aber: Diese Art der Einwanderungspolitik führt innerhalb der Gruppe der Einwanderer zu einer zusätzlichen Negativauslese, da ungebildete und einkommenslose Einwanderer natürlich vorzugweise innerhalb ihrer eigenen Bildungsschicht heiraten. Für die gut ausgebildete angehende Ärztin aus Istanbul stellt der -nicht selten noch mit archaischen Vorstellungen über die Rolle der Frau brillierende- deutsch-türkische, arbeitslose Analphabetenproll aus Neukölln sicher nicht gerade den Traumprinzen dar, auf den sie ihr Leben lang gewartet hat.

Hauptleidtragende dieser Negativauslese sind neben der Volkswirtschaft nicht zuletzt die Einwanderer, auf die die genannten Kriterien nicht zutreffen, denn das Klischee des arbeitsscheuen Krawallmachers und Gewalttäters wird in der öffentlichen Wahrnehmung letzten Endes auf alle Angehörigen des jeweiligen Kulturkreises angewandt, auch wenn es in vielen Fällen überhaupt nicht zutrifft. Um es bewusst platt zu sagen: Nicht "die Türken" oder "die Araber" sind dumm und faul, sondern die deutsche Politik begünstigt im Effekt die Zuwanderung dummer und fauler Türken und Araber. Dafür können aber weder Türken noch Araber etwas."


Auch Buchpreisträger Christian Hoffmann befaßt sich in seinem Beitrag "Ungleichheit, soziale Kälte und Ausschliessung - dank Sozialstaat" den er ursprünglich für die Schweizer Monatshefte schrieb, mit den besonders sozialschädlichen und damit besonders Unterschicht und Randgruppen treffenden Folgen wirtschaftlicher Interventionspolitik:

"Ein zentraler Treiber sozialer Ausschliessung sind Steuern und Abgaben: Damit sich die Beschäftigung einer Arbeitskraft lohnt, muss diese einen Mehrwert schaffen, der über den verursachten Kosten liegt. Schon einfache manuelle Arbeiten können im Verbund einer arbeitsteiligen Fabrik rentabel sein, wenn sie nicht künstlich verteuert werden. Angenommen, auf die tatsächlichen Lohnkosten eines Mitarbeiters, der bisher profitabel eine bestimmte Menge eines Produkts pro Stunde fertigte, entfallen nun plötzlich zusätzliche 50 Prozent Steuern und Abgaben — auf einen Schlag wird dieser Mitarbeiter unprofitabel und muss entlassen werden. Profitabel ist nun nur noch jener höher qualifizierte Mitarbeiter, der in der Lage ist, eine Maschine zu bedienen, die eine deutlich höhere Anzahl Produkteinheiten je Stunde fertigt. Steuern und Abgaben führen zwangsläufig dazu, dass Arbeitsplätze kapitalintensiver werden. Gering qualifizierte Arbeitskräfte werden so aus dem Arbeitsprozess herausgefiltert. Sie werden ausgeschlossen.

Ein zweiter zentraler Treiber sozialer Ausschliessung sind staatlich erzwungene Lohnkartelle (ob nun gewerkschaftlich getragen oder durch Mindestlöhne). In einer Marktwirtschaft sind Preis, Menge und Qualität der Arbeit ein Resultat aus Angebot und Nachfrage. Die Beteiligten können sich entscheiden, wie viel Arbeit sie zu einem bestimmten Preis anbieten oder nachfragen wollen. Das heisst aber auch: unfreiwillige Arbeitslosigkeit kann es auf freien Arbeitsmärkten nicht geben. Wenn aber durch staatlichen Zwang der Arbeitspreis über den Marktpreis getrieben wird, werden jene Arbeitskräfte aus dem Arbeitsprozess gedrängt, deren Beitrag nun nicht mehr profitabel ist. Dabei handelt es sich naturgemäss um geringqualifizierte Arbeitskräfte — erneut werden diese also durch staatlichen Zwang dauerhaft ausgeschlossen.

Ein dritter zentraler Treiber sozialer Ausschliessung sind bürokratische Hürden wie Auflagen und Bewilligungen. Die Erfahrungen der Schwellenländer zeigen: nicht die Lohnabhängigkeit führt zu einem dauerhaften sozialen Aufstieg, sondern selbständiges Unternehmertum. Je schwieriger daher der Weg in die Selbständigkeit ist, desto eiserner werden sozial Ausgeschlossene in die Armut verbannt. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Jeder Fahrzeugbesitzer mit einem Mindestmass an Fahrkenntnissen ist in der Lage, Taxi-Dienstleistungen anzubieten. Staatliche Auflagen in Hinblick auf die Kenntnisse und Qualifikation des Chauffeurs oder die Beschaffenheit des Fahrzeugs, im schlimmsten Fall gar die Ausgabe von Lizenzen, erschweren den Markzugang. Nicht selten werden derartige Hürden von etablierten Anbietern unterstützt — Marktzutrittshürden sind immer auch eine Protektion gegenwärtiger Marktteilnehmer. Potentielle soziale Aufsteiger werden so durch bürokratische Hürden am Aufstieg gehindert."


Auf der anderen, gewissermaßen der Nutznießer-Seite dieser Bilanz stehen jene, die in jedem Staat zu den Gewinnern gehören und die die eigentlichen Nettostaatsprofiteure sind: die Wohlhabenden und (Einfluß-)Reichen, in unserem Falle also die Angehörigen der staatstragenden Bourgeoisie. Matt Jenny beschreibt die in seinem ebenfalls in den Schweizer Monatsheften erscheinenen Artikel als die "enthusiastischen Bürgerlichen":


"Bürgerliche können grob in zwei Typen eingeteilt werden: in die widerwilligen Liberalen und in die enthusiastischen Bürgerlichen.

Widerwillige Liberale findet man unter den Vertretern des Anarchismus, des Nachtwächterstaats wie auch des Neoliberalismus. Sie sind Liberale aus Verlegenheit. Für sie ist der Liberalismus die schlechteste Ideologie, mit Ausnahme all jener anderen, die es sonst noch gibt. Eigentlich würden sie gerne auf eine politische Ideologie verzichten, würden sich am liebsten gar nicht mit Politik beschäftigen müssen. In einer unvollkommenen Welt kommen die widerwilligen Liberalen aber leider nicht darum herum, eine politische Position zu vertreten. Diejenigen, die dabei dem Staat Legitimität zusprechen, tun dies ohne Enthusiasmus und mit dem Wissen, dass jeder noch so beschränkte Staat stets die Saat seines exzessiven Wachstums in sich trägt.

Ganz anders die enthusiastischen Bürgerlichen. Sie haben im Liberalismus, welcher Couleur auch immer, und im liberalen Staat Identifikationsobjekte gefunden. Sie sind überzeugt, dass beim Regieren nichts schiefgehen kann, wenn nur die richtigen Politiker am Drücker sind. Sie sehen es als Pflicht, gar als Ehre an, sich am politischen Prozess zu beteiligen. Sie glauben, dass immer Liberales herauskommen muss, wenn Bürgerliche am Werke sind. Manche sehen im Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft sogar eine Erweiterung der marktwirtschaftlichen Arbeitsteilung, quasi eine riesige public private partnership. Ihre Traumkarriere ist eine dreifache in Wirtschaft, Politik und Militär. Sie sind bürgerliche Staatsfetischisten.

Inwiefern sich die widerwilligen Liberalen von den enthusiastischen Bürgerlichen konkret unterscheiden, zeigt sich derzeit wohl am besten in ihrer jeweiligen Reaktion auf den aktuellen führungsschwachen Bundesrat. Während beide dem Bankkundengeheimnis nachtrauern, schöpfen widerwillige Liberale Trost aus der Tatsache, dass Politiker, die ausländischem Druck nicht standhalten können, wohl auch innenpolitisch nicht allzuviel Schaden anrichten. Eine führungsstarke und effiziente Regierung ist nicht ihr Wunsch; denn sie wissen, dass im politischen Kontext Stärke und Effizienz stets grosse Gefahren bergen.

Damit sind die widerwilligen Liberalen freilich in der Minderzahl. Sie werden übertönt von den enthusiastischen Bürgerlichen, die wieder starke Männer (und, wenn es heutzutage nicht anders geht, auch Frauen) nach Bundesbern schicken wollen. Sie sollen auf Biegen und Brechen erreichen, was der Bankenplatz allein nicht schafft. So ist womöglich auch die AHV entstanden, die den Arbeitgebern vermeintlich Lasten abnimmt, wenn die Arbeitnehmer eine bessere Altersvorsorge fordern.

Die Forderung nach mehr Politikern nennt man in der Argumentationstheorie ein non sequitur. Aus der Tatsache, dass im zivilen Bereich ein Problem auftritt, folgt nicht, dass der Staat angerufen werden muss. Dieser Fehlschluss passiert nur, wenn man — uneingestanden oder unbewusst — an die Allmacht des Staats glaubt. Wenn schon Kooperation nötig ist, wieso dann nicht versuchen, diese ohne Staat durchzuführen? 1947 hätte man private und auf dem Kapitaldeckungsverfahren beruhende Vorsorgefonds gründen oder stärken können. Und heute könnten die Banken sich schlichtweg weigern, die Informationen ausländischer Kunden an deren Regierungen herauszurücken.

Gewiss, dies wäre ein steiniger Weg, vielleicht sogar ein hoffnungsloser. Mehr Hoffnung in private Initiative zu setzen als in den Staat mit seiner Bilanz an Fehlschlägen, ist immerhin eine Tugend der widerwilligen Liberalen. Während ihr Glaube an den Staat enge Grenzen hat, so glauben sie mit viel Enthusiasmus an die Fähigkeit des Menschen, zu kooperieren und auf freiwilliger Basis Richtiges zu tun."



All diese Erkenntnisse sind nicht neu, aber sie verdienen es, immer und immer wieder verbreitet zu werden, da sie gerade in unserer Zeit leider auch von vielen die sich für "liberal" oder gar "libertär" erklären nur allzugern vergessen werden. Stefan Blankertz schrieb bereits vor 11 Jahren in "Die Therapie der Gesellschaft":


157.

Opfer oder Täter? – Manche Liberale meinen, die „Besserverdienenden“ bräuchten Schutz vor der Ausbeutung durch den Umverteilungsstaat. Es gibt dagegen soziologisch gesehen keinen Zweifel, daß die Mächtigen im Staat darum „mächtig“ heißen, weil sie es vermögen, einen großen Anteil an den finanziellen und politischen Ressourcen des Landes auf sich zu vereinigen. Egal, wie die Mächtigen z.B. den Spitzensteuersatz gestalten, sie werden in der Endabrechnung ihren Schnitt machen. Naiv wäre es, etwas anderes anzunehmen. Wer sollte glauben, daß man dadurch reich und mächtig wird, indem man alles, was man hat, freizügig weggibt?

158.

Cry for me, Argentinia. – Nein, die Opfer des Sozialstaates sind nicht die vielzitierten Besserverdienenden. Geschichtlich gesehen haben die Besserverdienenden den Sozialstaat geschaffen, und heute verteidigen sie ihn, aus einem ganz einfachen Grund: Der Sozialstaat ist ein Instrument der herrschenden Klasse, um sich auf Kosten der weniger einflußreichen Mitmenschen zu bereichern und gleichzeitig das Mäntelchen der Nächstenliebe umzuhängen.

Die Besserverdienenden haben öffentliche Schulen eingerichtet, um die Ausbildung ihrer Kinder von den weniger Bemittelten via Steuern finanzieren zu lassen; haben Zwangsversicherungen eingeführt, um ihre höheren Ansprüche von den Bescheideneren absichern zu lassen; haben Sozialhilfe eingeführt, um ein Heer von Wohlfahrtsbürokraten zu schaffen, die loyale Wähler sind.

Die Besserverdienenden streiten für Subventionen, um sich selbst gegen Marktrisiken abzuschotten; propagieren „Resozialisierung bzw. Psychiatrisierung anstatt Strafe“, um Arbeitsplätze für Psychologen zu schaffen; polemisieren gegen die Privatisierung der Polizei, um nicht für ihre eigenen erhöhten Sicherheitsinteressen aufkommen zu müssen.

Für jede einzelne Maßnahme des Sozialstaates läßt sich angeben, wer in Wahrheit der Nutznießer ist. Die Opfer sind die Enteigneten, die Entmündigten, die Schwachen, die Übervorteilten, die Armen und die Menschen, die mit Zukunftsideen auf eine offene, veränderbare Gesellschaft hoffen.


[...]


168.

Repressive Entstaatlichung: ein Beispiel. – Konservative Regierungen, bisweilen sogar progressive Regierungen wie die Clinton-Administration, kürzen Sozialleistungen auf eine Art und Weise, die die Armen tatsächlich ärmer werden läßt. Letztlich festigt das dann wieder das Vertrauen in die Notwendigkeit des Wohlfahrtsstaates.

Es ist naheliegend, daß Menschen, denen die staatlichen Interventionen in die Wirtschaft die Möglichkeit zur Arbeit genommen haben, auf Unterstützung angewiesen sind. Sie könnten sich selbst erhalten, wenn man sie nur ließe. Sie sollten für die Unterstützung, die sie erhalten, alles andere als dankbar sein. Sie sollten erzürnt sein. Aber was bleibt ihnen übrig? Sie nehmen die Unterstützung und ballen die Faust in der Tasche. Nun verkündet der schlaue konservative Politiker, es handle sich doch um arbeitsfähige Menschen, denen darum keine Unterstützung zukomme. Die Unterstützung wird gestrichen, die wirtschaftlichen Möglichkeiten verbessern sich jedoch nicht. Was soll ein Mensch in einer solchen Situation anderes tun, als Vertreter des Wohlfahrtsstaates zu wählen?

Mittwoch, Oktober 21, 2009

Politik macht dumm und prinzipienlos.

Das gilt gerade auch für Libertäre, die in elektoralistischem Aktivismus sinnlos Energien verschwenden. Brad Spangler warnt vor genau diesen Abirrungen:



"One of the problems with anarchist activism in electoral politics is that it deforms the perspective, attitudes and rhetoric of members of the movement generally — decreasing the effectiveness of their advocacy. Sometimes that’s the case with particular people even if they themselves aren’t active in electoral politics. The stupidity just kind of soaks into them osmotically from their social surroundings, but it can be analytically traced back to electoral politics. It’s rather easy to see that anarchists active in the Libertarian Party are pretty much operatively minarchists with regard to their electoral political activism. What I’m going to describe, though, is how an anarchist who may have escaped from the trap that is a political party may still wind up thinking like a minarchist.

Libertarianism can be understood as an ethical doctrine rather than a political ideology — the non-aggression principle. It’s consistent application has anarchism as its political consequence, but it can also be applied inconsistently by those who embrace Thomas Paine’s characterization of government as a “necessary evil” (often while neglecting that Paine said that was the case at best) — advocates of so-called “minimal government” or minarchists.

All that background aside, though, the key point to remember is that the non-aggression principle is simply the apex of a discourse on when violence is and isn’t legitimate.

Now, most people aren’t original thinkers. I would even venture to say that most original thinkers aren’t even thinking originally most of the time. Actual innovation is a rare and scattered phenomenon. That may sound terribly pedestrian, but it’s not at all a completely bad thing. Communication, for instance, would be impossible if we invented a completely new language every time we said something. We re-use patterns of behavior and thinking when we find them useful, re-applying them in new ways on an as-needed (and as capable of producing) basis. When we notice something works for someone else, we often but not always copy them, adopting it ourselves. That means we have the potential, at least, to rapidly adopt useful behavior and tjhinking while rapidly discarding less useful behavior and thinking. Unfortunately, it also means we can hang on to sub-optimal behavior and thinking if it’s merely “good enough”. Hairless monkey see, hairless monkey do. That’s the human race for you.

If that sounds a bit like object-oriented programming to you, give yourself a pat on the back.

What the above has to do with the non-aggression principle and electoral politics is that electoral politics ingrains a communications habit that’s subtly at odds with the advocacy of anarchy. More specifically, by applying the non-aggression principle on a piecemeal basis in an attempt to shape state policy as a libertarian reformist, one gets used to thinking of things only in terms of the non-aggression principle.

Now, don’t misunderstand me. I’m not soft-pedaling the non-aggression principle or attempting to water it down. I advocate the non-aggression principle as the fundamental basis of law in a stateless society. In terms of building up a body of rhetoric we can share and apply as a movement, though, the focus on criticizing only a particular statist issue at a time without also explicitly calling for the abolition of the state leads to thinking solely in terms of state violence or the lack of it. We don’t give ourselves the opportunity to advocate, talk about and think about the non-violent socially normative mechanisms that would arise in the spontaneous order of a stateless society. When we fail to understand the tendency toward mutually-reinforcing social structures that would develop in a free society, we can be said to (unfortunately) still be thinking like a minarchist."

Dienstag, Oktober 20, 2009

Blogroll-Erweiterung

Immer mal wieder schließen liberal-libertäre Blogs, weil ihre Macher es sich plötzlich gestatten, von jetzt auf gleich entgegen ihren einmal gewonnenen Erkenntnissen und Grundsätzen handeln zu dürfen. Pars pro toto sei hier ein anarcho-libertärer Blogger aus der Schweiz genannt, der seine Blogs ohne Ankündigung dichtmachte und kurz darauf bei der Partei "Die Grünliberalen" auftauchte. Zum Glück gibt es aber auch immer wieder neue hervorragende Online-Medien zu entdecken, allem voran das sich zu einem echten Magazin mausernde Opponent.de, das jetzt als Onlinemagazin für Freiheit, Markt und Frieden firmiert. Zu den erfreulichen neuentdeckten Blogs, die ab sofort auf meiner Blogroll zu finden sein werden, gehören Voluntarist.de, ars libertatis, Die Logik, Ich und der Staat, sowie Freiheit und Optimismus. Letzterer ist mir noch positiv als Stammleser- und Kommentator aus guten alten Paxx.tv-Zeiten in Erinnerung. Sein männerrechtlicher Ansatz geht mir stellenweise zu weit, sein minarchistischer dafür nicht weit genug, aber lesenswert ist er allemal!

Wünsche allen meinen Lesern mit den Neuzugängen genausoviel Freude wie ich sie habe!

By the way: Hat man mal wieder irgendwo was von Dr. Chaos gelesen? Vermisse seine würzigen Beiträge!

Freitag, September 25, 2009

Wahlempfehlung eines libertären Realos

Die Fundie-Position ist klar: Wählen ist unmoralisch, wählen ist Gewalt, wählen ist ein Akt kollektiver Verantwortungslosigkeit. Wählen gehört sich für einen Libertären einfach nicht.

Abgesehen davon, daß Rothbard mit seiner "Wählen ist als Notwehr-Akt legitim"-Position ein ziemlich großes Hintertürchen sperrangelweit aufgemacht hat, kann es unter Umständen durchaus gerechtfertigt sein, von diesem puristischen Standpunkt, dieser "Alles oder nichts"-Haltung, die freilich gewichtige Argumente gegen das ganze unwürdige Demokratie-Spielchen vorzubringen hat, abzuweichen um sukzessive Verbesserungen in Richtung auf mehr Freiheit zu ermöglichen. Die theoretische Option, die der politische Betrieb bietet, virtuos zu nutzen, um die Idee der Freiheit zu verbreiten, sollte nicht per se der Verdammung anheimfallen. In den USA wird dieser durchaus auch seine Fährnisse bereithaltende Weg unter anderem von Ron Paul und auch von der Libertarian Party beschritten.

Die akademische Frage nach der prinzipiellen Legitimität dieses amerikanischen libertären Weges möchte ich, in der Hoffnung, nicht sträflicher Ignoranz geziehen zu werden, gerne mal ausblenden und mich stattdessen der Frage zuwenden, ob er sich analog auch auf deutsche Verhältnisse übertragen läßt. Dabei eines vorweg: Wer im Wahlkreis des FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler - der "deutsche Ron Paul", wie der konsequent liberale Ordnungspolitiker und Geld-Experte oft genannt wird - seinen Wohnsitz hat, sollte, sofern er keine fundamentalen Gewissensnöte mit "Wählen an sich" hat, sein Wahlrecht demgemäß ausüben und Schäffler natürlich beide Stimmen geben. Ein starker Schäffler wäre ein Signal, das verstanden wird, in den blau-gelben Kommandohöhen und darüber hinaus. Es würde Aufmerksamkeit lenken auf einen radikalen Gegenentwurf zur etatistischen Konsenssoße aller anderen.

Für alle anderen ist die Frage etwas komplizierter. Natürlich kommt auch da, nach Würdigung des erschreckend staatsgläubigen Programmes der Piraten, nur noch die FDP infrage. Der Fairness halber sei der FDP bei unserer Analyse also zugestanden, daß sie in einer Koalitionsregierung, die zudem nicht unter ihrer Führung zustande käme, sondern in der ihr der Part des Juniorpartners zufiele, weniger als die Hälfte ihres Programmes umsetzen könnte. Sie unterläge zudem allen möglichen Sach- und Machtzwängen, konstitutionellen wie extrakonstitutionellen und auch welchen, über die mich zu verbreiten inopportun erscheint, wenn dieses Blog nicht unter "Verschwörungstheoretiker" rubriziert werden soll.

Ich möchte die FDP auch nicht an den Taten früherer von ihr mitgetragener Regierungen messen, auch wenn mir da vieles einfiele, was als Verrat an liberalem Menschenbild und mangelnder Grundsatztreue gedeutet werden könnte (von der Zwangs-Pflegeversicherung über die SBZ-enteignungsfortsetzende Staatshehlerei auf dem Gebiet der Ex-DDR, über den ein Grundrecht aushebelnden Asylkompromiß, über die Beseitigung des Währungswettbewerbes in Europa via Maastricht bis hin zur Verschärfung des Volksverhetzungsparagraphen, der einem Rückfall in mittelalterliches Gesinnungsstrafrecht gleichkommt).

Die Frage, die ich mir also stelle, ist folgende: Wie häufig bzw. wie intensiv stünde ich in Opposition zu einer Regierung, die nur aus einer FDP gebildet würde, welche am Sonntag - es ist klar, daß ich im Konjunktiv irrealis spreche - die absolute Mehrheit im Bundestag bekäme und die (um gleich auch dieses Hintertürchen noch zu schließen), im folgenden bei allen Landtagswahlen jeweils die absolute Mehrheit bekäme um so auch im Bundesrat "durchregieren" zu können. Würde ich diese Regierung innerlich mittragen, würde ich ihr zwar distanziert gegenüberstehen, sie aber dennoch für gerade eben noch erträglich halten oder würde ich sie bekämpfen?


Was würde diese FDP-Regierung ausweislich ihres Programmes und ihres Personals tun, womit ich mich, wenn schon nicht "identifizierte", so doch zumindest zufriedengäbe. Wohl gemerkt, wir sprechen von einer Regierung, nicht von einer anarcho-kapitalistischen Maximalposition der sofortigen Staatsauflösung im Sinne von Leonard Read's oder Murray Rothbard's "Push the button"!

Beim Personal betrachte ich auch nicht illiberale Minderheitenpositionen, wie etwa die eines Wolfgang Gerhardt, der kürzlich im hr bekundete, unter der Voraussetzung von Wehrgerechtigkeit wäre er ein Befürworter dieser Art von Zwangsdienst. Ich nehme zur Kenntnis, daß im Falle einer FDP-Alleinregierung die Wehrpflicht zumindest de facto abgeschafft würde, da der innerparteiliche Willensbildungsprozeß an dieser Stelle abgeschlossen ist. Immerhin.


Aber nehmen wir das Thema "Kinderverstaatlichung". Gegen diesen etatistischen Angriff auf die Familie gibt es in großformatige Anzeigenkampagnen - nur leider nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz, nicht vom Freisinn, sondern von Blochers SVP. Wie stehen führende FDP-Protagonistinnen wie Cornelia Pieper, Ina Lenke oder Silvana Koch-Mehrin zur Forderung "Mehr Familie - weniger Staat"?

Welche Position zum deutschen Bildungszentralismus, der etwa dem Schweizer Wettbewerbsföderalismus diametral entgegensteht, bezieht die Bundestagsfraktion, beziehen FDP-Bildungspolitiker, spiegelt die Beschlußlage der JuLis wieder?

Welche Haltung nimmt die FDP zur Abschaffung sämtlicher Kultursubventionen ein?

Würde die asozialste, weil in ihrer Wirkung reggressivste und somit parasitärste Steuer, nämlich die Mehrwertsteuer, abgeschafft? Sogenannt "wirtschaftsliberale" Politikberater gaben derweil im Sommerloch straubhaarige Empfehlungen zur Anhebung derselben.

Wie steht die FDP zur Abschaffung jedweden zwangsfinanzierten Rundfunks oder Fernsehens, ganz gleich, ob das Zwangsmodell nun "GEZ" oder "steuerfinanziert" heißt?

Wo bezieht die FDP entschieden Stellung gegen eine persönliche wie wirtschaftliche Freiheitsrechte aggressiv verletzende "Verbraucherschutzpolitik", die von Rauch- bis Glühbirnenverboten das Feld des Paternalismus immer weiter ausdehnt?

Wie sieht die FDP-Haltung zur Gewerbefreiheit und zum Freihandel aus, wenn man sie etwa mal vergleicht mit der als "doktrinär" verschrieenen Standortbeziehung durch die Freisinnigen von Eugen Richter vor mehr als hundert Jahren? Würde die FDP wirklich alle Einfuhrzölle und Kontingente und sonstigen Handelsbarrieren niederreißen (und dafür im Gegenzug die Entwicklingshilfe, die das Geld der Armen aus den reichen Ländern an die Reichen in den armen Ländern verteilt, streichen)? Und wie sähe es mit dem Freihandel im Innern aus? Wäre endlich Schluß mit dem Berechtigungswesen, den ganzen staatlichen Zulassungen und Zertifizierungen für jedermann und jede Frau, die ein Gewerbe ausüben möchten und darüber, ob sie in der Lage sind, das zu bewerkstelligen, nur einen Schiedsrichter dulden möchten, nämlich den Markt, also ihre freiwillig zahlenden Kunden? Verschwände der Meisterzwang endlich wie die Leibeigenschaft in schaurig-schönen Zünfte-Museen und dafür aus dem wirtschaflichen Alltagsleben? Würde die FDP-Regierung allen dankbarkeitsmäßigen Verfreundungen der Pfisters und Brüderles zu den Kammernfunktionären zum Trotz die Zwangsmitgliedschaften in Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Berufsgenossenschaften beseitigen? Den das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung verletzenden Schornsteinfegerzwang? Gäbe es freien Internethandel auch für Medikamente oder blieben die Privilegien der Apotheker? By the way: fielen auch die vielfachen wettbewerbsbeschränkenden gesetzlich verankerten Privilegien für Ärzte, Anwälte und Architekten - also die Stammwählerklientel? Aber vielleicht müßte man als Mehrheitspartei ja sogar umdenken und lieber die Neuwählerschichten an sich binden und dafür inkauf nehmen, die alte Stammkundschaft zu verärgern?

Würde die Meinungsäußerungsfreiheit in Deutschland vollumfänglich - und damit zum ersten Mal in der deutschen Geschichte - hergestellt?


Würde die FDP augenblicklich den planwirtschaftlichen und mit liberaler Geisteshaltung unverträglichen Klimarettungsmurks und den untauglichen Versuch, den CO2-Ausstoß zu kontrollieren, beenden? Einschließlich Streichung aller Subventionen für die stark auch in die FDP hineinlobbyierende Solar- und Windenergie-Branche?

Wie sieht es mit einer echten Föderalismus-Reform im Geiste des Wilhelm Röpkeschen Nonzentralismus aus, die diesen Namen verdient? Einer Stärkung der Souveränität und Autonomie der deutschen Einzelstaaten, etwa nach dem Vorbild der USA oder der auch die Finanz- und Steuerhoheit innehabenden Kantone?

Würde die FDP-Regierung Frank Schäffler zum Bundesfinanzminister berufen, der gemeinsam mit einem aus Guido Hülsmann, Roland Baader und anderen prominenten Geldtheoretikern der "Österreichischen Schule" bestehenden Beraterstab das Ruder in der Geldpolitik entschieden herumreißen würde? Golddeckung statt Inflationswährung, erforderlichenfalls durch Austritt aus dem Euro und der EWWU?

Und da wir gerade bei Europa angelangt sind: Kündigte die FDP-Bundesregierung mal eben frech-frivol die Verträge von Maastricht, Amsterdam und Lissabon? Letzteres hat zumindest der britische Tory-Führer Cameron angekündigt: im Falle seiner Wahl annuliert er die Ratifizierung von Lissabon!

Kippte eine FDP-Bildungsministerin, bevor sie ihr Bundesministerium auflöste (da Bildung den Bund eh nichts anginge nach der echten Föderalismus-Reform) die in der heutigen verschärften Form seit Hitler bestehende Schulpflicht? Damit entzöge sie, hübscher Nebeneffekt, auch christlichen Staatskirchen (und neuerdings auch islamischen Trittbrettfahrern unseres kuriosen Kirchenrechts) den Zugriff auf Kinder anderer Leute qua "Religionsunterricht", und da diese "Aufgabe" entfiele wäre um eine Abschaffung der Kirchensteuer auch nicht mehr viel Aufhebens zu machen.

Wäre endlich Schluß mit allen Formen von Überwachung, nicht nur den biometrischen "seit Otto", sondern auch der seit Anbeginn bestehenden Einwohnermeldepflicht, über die Engländer nur den Kopf schütteln?

Gäbe es eine eine Legalisierung aktiver wie passiver Sterbehilfe, wie in den Niederlanden? Gäbe es endlich ein liberales Waffenrecht, wie es freie Bürger in den USA und der Schweiz und auch Kanada heute noch genießen? Gäbe es endlich das Recht, sein Hab und Gut auch mit Waffen-Gewalt zu verteidigen, wie es in einigen Südstaaten die "Stay your ground laws" sicherstellen?

Käme es wenigstens näherungsweise zu einer Politik, die vom klassisch liberalen Geist des Höchberger Manifestes beseelt ist? Einschließlich einer großen Wahlrechtsreform (Mehrheitswahlrecht oder Aufbrechen starrer Listen durch Kumulieren und Panaschieren), Abschaffung der 5-Prozent-Hürde, Wegfall des Fraktionszwanges, zudem Entfernung aller Gesinnungstatbestände und des Parteienverbots zwecks Herstellung der Chancengleichheit? Würden endlich Volksabstimmungen auf allen Ebenen für zulässig erklärt (das Grundgesetz tut es längst!)? Führe die FDP endlich die Durchdringungen sämtlicher vom Staat okkupierter Bereiche der Gesellschaft (Medien, Bildung) mit Parteibuchwirtschaft auf Null zurück, indem sie auch sämtliche dieser angesprochenen Bereiche konsequent entstaatlichte?


Würde diese FDP-Regierung die Umgestaltung dieses Staatswesens zu einem klassisch liberalen Minimalstaat mutig und entschlossen vorantreiben? Würde sie sämtliche im Ausland stationierte Truppen abziehen, weil sie sich einem strikten Non-Interventionismus verpflichtet fühlte, der seine geistigen Wurzeln nicht bei Marx und Engels (die waren für jeden Kanonendonner zu haben, hatten für den Pazifismus ihrer Zeit nur Hohn und Spott übrig und waren voll der Sympathie für den Blut&Eisen-Kanzler Bismarck!) hat sondern bei Cobden, Bright und Bastiat, den heute vom Heer der historisch Unbeleckten vielgeschmähten Manchesterliberalen?

Nur ein nach außen nicht sich aktiv in "fremde Händel" einmischender Staat kann überhaupt im Innern der Spur nach liberal sein! Siehe Schweiz! Siehe auch die innere Staats-Expansion in den USA durch Kriegsetatismus infolge der Aufgabe des non-interventionistischen Erbes der Gründerväter! Diese Wechselwirkung zu bedenken heißt nicht ipso facto ein anarcho-libertärer Sektierer zu sein. Bei den Jungs von Mehr Freiheit.de findet sich ein glasklares Bekenntnis zum außenpolitischen Non-Interventionismus, und die sind nun wirklich anarchoider Neigungen unverdächtig. War Mises Anarchist? Ist Blocher, der die Schweiz aus NATO und EU um alles in der Welt heraushalten möchte, ein Anarchist? Ich bin Anarchist, aber ich müßte keiner sein, um von einer FDP-Regierung den sofortigen Abzug aus Afghanistan zu fordern! Es genügte, liberal zu sein.

Aber ein außenpolitisch non-interventionistischer Kurs ist schon die conditio sine qua non, wenn man das Label "liberal" für sich beanspruchen möchte.


Die Frage an die vielen Freunde aus der "Libersphäre", die mir die Stimmabgabe für die blau-gelbe Guido-Truppe anempfehlen, lautet also:

Würde ich mit denen können wenn sie könnten wie sie wollen?



Ich wäre sogar bereit, einen Großteil meiner eigenen grundsätzlichen und wohlbegründeten Bedenken, nämlich daß 1.) jede Form von Herrschaft schon aus naturrechtlichen Gründen abzulehnen ist und 2.) zudem Minimalstaaten, das zeigt wiederum die Empirie, eben nie harmlose Nachtwächterstaaten bleiben, zurückzustellen und bereitwillig die Hand zu reichen um mit der FDP zu einem Kompromiß zu gelangen wenn diese, nachdem ich mich einen großen Schritt auf sie zubewegt habe, dafür mir einen kleinen im Gegenzug entgegenkäme, indem sie 50 Prozent ihres Programmes (die grob illiberalen Bestandteile) über die Wupper kippte und zudem 50 Prozent ihres Führungspersonals (die grob illiberalen Bestandteile) rausschmeißen würde und von mir aus zwangseinweisen würde in Knast, Klapse oder CDU. Letzteres ist die Höchststrafe.

Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß dieses in etwa eintritt?

All diese Fragen stellen heißt sie beantworten. Der libertäre Realo wird also, ohne daß es dazu eines fundamentalistischen Credos à la Samuel Konkin III. bedürfe, am Sonntag den letzten Spätsommertag genießen und Wahllokale tunlichst meiden.

Freitag, September 11, 2009

Lektüre-Empfehlungen des Tages

Robert Michel fragt sich auf seinem Blog "Freiheit und Optimismus" angesichts des von den Eliten mit der Brechstange durchgepeitschten "Lissabon-Prozesses", ob wir einem neuen Europa-Chauvinismus entgegengehen (und sei an dieser Stelle auf Roland Vaubel verwiesen!), Brad Taylor sieht den Grundirrtum aller Etatisten in deren "nirvana fallacy", einer Methode, stets reale Märkte mit idealisierten, aber in der Wirklichkeit nicht vorkommenden staatlichen Institutionen zu vergleichen und dadurch zu einer völlig schrägen Betrachtungsweise zu gelangen, Jacob G. Hornberger führt die intellektuelle Kargheit öffentlicher Debatten und das Abschotten dieser vor libertären Argumenten darauf zurück, daß die geistig erlahmten Staazis diesen ohnehin nicht gewachsen sind und Stefan Molyneux zeigt sehr eindrücklich warum diese Diskussionsverweigerung der Staazis durchaus auch ihr Gutes hat: so verplempern wir unsere kostbare Lebenszeit wenigstens nicht in fruchtlosen Debatten mit hirnfreien Vollhonks!

Dienstag, August 11, 2009

Erkenntnisse des Tages

1.) Das Grundgesetz taugt nicht mehr als die Weimarer Reichsverfassung.

2.) Die Monarchie taugt nicht mehr als die Demokratie.

Statt ihre Zeit mit Konstitutionalismus und fruchtlosen Staatsformendebatten zu verplämpern, sollten Liberale also endlich die Idee der Freiheit zum Nullstaat (=Anarchie) konsequent zuende denken!

Freitag, Juli 31, 2009

"Unsere Jungs"

"Der angeblich harmlose Nationalismus, der regelmäßig zur Fußballturnierzeit über dieses Land schwappt, hat erste Erfolge gezeitigt. Spielend führt man Kinder an die Ernsthaftigkeit des Lebens heran; spielend leitet man ein Volk zurück auf die ernsten Pfade des Nationalismus. Fragte man vor drei Jahren noch, ob Klinsi unsere Jungs zum Erfolg führen könne, so stellen wir einige kurze Jahre später die Frage, ob wohl Minister Jung unsere Jungs noch erfolgreicher, sprich: präsenter in der Welt, machen könne. Wer kann bei der Übernahme scheinbar harmloser Begrifflichkeiten, die zunächst in der banalen Welt des Sports zuhause waren, nun aber an die Front verfrachtet wurden, noch so naiv tun, als sei der feucht-fröhliche Sportplatz-Nationalismus als harmlose Erscheinung zu werten?"



"Unverkrampfter" Patriotismus als Durchlauferhitzer für eine wiedererstehende Krieger-Nation? Zwanzig Jahre nach der Herstellung eines zwar weniger marktwirtschaftlichen und auch weniger zivilgesellschaftlich liberalen, aber dafür umso mehr außenpolitisch "aktiven" Deutschlands als die 1990 verblichene Alt-BRD muß man leider feststellen: Der Schoß hat nach einer Schamfrist seine Fruchtbarkeit zurückerlangt! Den Anfängen hat keiner gewehrt, wir sind mitten drin in der Remilitarisierungs-Spirale, die auch von sogenannten "(Neo-)Liberalen" kräftig mit angestoßen wird, die mich des libertären Dogmatismus zeihen, weil ich ihrer kulturalistisch verbrämten Mordlust nichts abgewinnen kann.

Ich jedenfalls unterschreibe jedes Wort von Roberto De Lapuente! Lesebefehl!

Donnerstag, Februar 12, 2009

Kollege Habibi

Ich selbst habe mir ja zum Jahreswechsel geschworen, nie wieder über DSDS zu schreiben, (mit dem politischen Bloggen kürzer treten will ich in diesem Jahr ja ohnedies, zum einen aus zeitlichen Gründen, aber auch, da man in einem "Superwahljahr" sonst Gefahr läuft, sich in den Niederungen der Parteipolitik zu verlieren und sowohl an Verstand als auch Charakter Schaden zu nehmen).

Umso erfreuter bin ich, daß mir jetzt Fady Maalouf mit seinem eigenen DSDS-Blog die Arbeit abnimmt. Für diejenigen unter meinen geschätzten Lesern, die sich durch meinen Ausflug ins Boulevard im Jahre 2008 hierher verirrt haben, nun diese Weiterleitung zu einem echten Insider (und ganz wenigen musikalischen Glanzlichter) dieser ansonsten immer neue Tiefpunkte auf der nach unten hin offenen RTL-Trash-Skala setzenden Fernsehsendung.

Dienstag, Dezember 23, 2008

Die irrationale Utopie der Staatsgläubigen

Mit der scharfsinnigen Dekonstruktion der Rechtfertigungstheorie für den Staat gehört Francois Tremblay für mich zu meinen ganz persönlichen Bloggern des Jahres 2008. Hier noch einmal seine glänzende Widerlegung der etatistischen Utopie:


Statism is utopian.

A common objection used against Anarchy is that it is a utopian ideology. To be more specific, the argument is that Anarchy cannot “work” because it would require people to be “perfectly good and altruistic.” Since this is quite impossible, we must conclude that Anarchy is a utopian ideology which relies on a false view of human nature.

While popular, this objection is hard to understand on its face. Why do they believe an Anarchy requires particularly moral individuals? Is it because there is no authority to mediate between individuals, righting wrongs? While it is true that a society cannot survive long without a mediation process, and it would be very silly for anyone to fight against that process, it is unclear why we need a centralized authority in order to effect it. Anarchy is not the position that mediation should be eliminated: rather, it is the position that mediation should be decentralized. It is not order that we don’t believe in, but centralized authoritarian order relying on hierarchies of power. That’s what we’re fighting against.

Unfortunately, we have been so conditioned to believe that centralized authorities are necessary that often Anarchy is confused with political nihilism. Yet nothing is farther from the truth. Absolutism and totalitarianism are close to nihilism: once we accept the validity of centralized control, then “anything goes.” Whatever the government does becomes ipso facto justified by the need for centralized control as a check on individual values. Anarchists completely reject this reasoning and uphold individual values as the only possible foundation for a functional society.

In fact, we precisely oppose the State because we believe that it exhibits all too human vices: aggression, greed, dishonesty, ignorance. The State exhibits these vices because it is composed of human beings who also have these vices, like all human beings possessing control and power over others. It is not that we need to have “the right people” in power or “the right class” in power: human nature itself is what is preventing statism from “working.”

The Anarchist argument is simple. If people are good, then we don’t need a government to enforce morality. If people are evil, then the people composing government are also evil, and being in government have the power to exploit others much more fully than a private individual could. If some people are good, and some people are evil, then we should desire very much to remove any concentration of power, since such a concentration would attract people who wish to control others- evil people- and give them that control.

People believe that Anarchy is utopian because they believe that Anarchy is a nihilistic ideology- that Anarchists are against all organization. As I pointed out, this is simple ignorance. Anarchists want to remove centralized authority and hierarchies of power: in short, those processes that evil people can use to exploit others most easily, those processes that create war, generalized crime, chaos and oppression.

Furthermore, we must point out a major origin problem in the notion that Anarchy is utopian. If Anarchy cannot “work,” then government itself, which must obviously have been created from a state of Anarchy, also cannot “work.” How can an unworkable system produce a workable system? The reverse can happen, of course. A skilled carpenter can create a botched piece, but an unskilled carpenter cannot create a masterpiece. If the initial Anarchist state of affairs was “unworkable,” then where was the potential in this “unworkable” society to create the “order” of government? This destroys neatly the argument that Anarchy is utopian while statism is not.

If we are to state the case clearly, we can say this. Statism is the belief that a group of people, who possess all the guns and all the legitimacy, able to make all the rules for itself, will not want to exploit its subjects. Instead, they will act completely altruistically and help fulfill the values of their subjects.

And we know from reality that it ain’t so. This is a Big Lie. Statism is utopian to the extreme, and we need to hammer that on every opportunity we get.