Thursday, May 31, 2007

Der Liberale hört auf liberal zu sein, sobald er aufhört radikal zu sein!

Danke an Matt Jenny, der hier und hier eine scharfsinnige Beobachtung der Diskussion vom Liberalen Gesprächskreis, den wir beide letzte Woche in Zürich besucht haben, extrahiert und das Imageproblem des Liberalismus damit auf den Punkt bringt!

Saturday, May 19, 2007

Aus gegebenem Anlaß

Nein, meine Söhne geb' ich nicht!

Von Reinhard Mey

Ich denk‘, ich schreib‘ euch besser schon beizeiten
Und sag‘ euch heute schon endgültig ab.
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten,
Um zu sehen, daß ich auch zwei Söhne hab‘.
Ich lieb‘ die beiden, das will ich euch sagen,
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht,
Und die, die werden keine Waffen tragen,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ich habe sie die Achtung vor dem Leben,
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert,
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und wo immer es ging, lieben gelehrt.
Nun werdet ihr sie nicht mit Haß verderben,
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind‘s wert, dafür zu töten und zu sterben,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
Sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht.
Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter.
Nicht für euch hab‘ ich manche Fiebernacht
Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden,
Und kühlt‘ ein kleines glühendes Gesicht,
Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Sie werden nicht in Reih‘ und Glied marschieren
Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt,
Auf einem gottverlass‘nen Feld erfrieren,
Während ihr euch in weiche Kissen setzt.
Die Kinder schützen vor allen Gefahren
Ist doch meine verdammte Vaterpflicht,
Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ich werde sie den Ungehorsam lehren,
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit,
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit.
Ich werd‘ sie lehr‘n, den eig‘nen Weg zu gehen,
Vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
Vor keinem als sich selber g‘radzustehen,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Und eher werde ich mit ihnen fliehen,
Als daß ihr sie zu euren Knechten macht,
Eher mit ihnen in die Fremde ziehen,
In Armut und wie Diebe in der Nacht.
Wir haben nur dies eine kurze Leben,
Ich schwör‘s und sag‘s euch g‘rade ins Gesicht,
Sie werden es für euren Wahn nicht geben,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Wednesday, May 16, 2007

Libertär-konservativen Fusionismus ad acta legen!

Bei der Landtagswahl von Bremen manifestiert sich, neben der für Libertäre erfreulich niedrigen Wahlbeteiligung, ein schon seit längerem feststellbarer Trend, aus dem die richtigen Schlüsse für die weitere Strategiedebatte gezogen werden sollten: der organisierte europäische Rechtspopulismus liegt, anders als der (zumindest in Ostdeutschland) fröhliche Urständ feiernde, genuine National-Sozialismus, offenbar im Koma; zugleich wächst dort, wo er noch über für das Überleben ausreichende, aus den 80er und 90er Jahren (den Zeiten seiner Hausse, die uns unter anderem eine bleibende Vielzahl staatlicher Programme „gegen rechts“ und eine von entsprechenden Fördertöpfen alimentierte Subkultur bescherte) stammende Fettreserven verfügt, spürbar seine Distanz zu allem, was auch nur im entferntesten seiner sozial deklassierten Anhängerschaft aus Nettostaatsprofiteuren den „neoliberalen“ Schrecken einjagen könnte.

So ist beispielsweise in Österreich die noch in der vorangegangenen Dekade für radikalen institutionellen Umbau, umfassende Privatisierungen (auch des Staatsfunkmonopolisten ORF!) und Flat tax stehende FPÖ (für die etwa ein erklärter Thatcherist wie Lothar Höbelt als Mastermind intellektuelle Zuarbeit leistete) zu einem diffus-degoutanten Sammelbecken für ebenso vulgäre wie chauvinistische „Schmiß-Peppis“ und militante Sozial-Protektionisten mutiert, die unter der Parole „Sozialstaat statt Zuwanderung“ ihre Wahlkämpfe bestreitet.

Es war der radikalliberale FDP-Vordenker Fritz Goergen der schon im Jahre 2003 in eifrei nach dem Möllemann-Debakel der Blaugelben (sowie der Ermordung Pim Fortuyns, der am ehesten das Zeug gehabt hätte, Symbolfigur eines europaweiten postmodern-populistischen Aufbruchs gegen das Establishment zu werden) und damit dem Scheitern eines freiheitlich-emanzipatorischen Befreiungsbewegungsansatzes der (rechten) Mitte prognostizierte, daß wohl auf lange Sicht ein linker Populismus der einzige sein werde, dem Erfolg beschieden sein dürfte. Das mag manch einem nicht gefallen, aber Faktenresistenz ist nun mal wenig hilfreich bei der Analyse politischer und soziokultureller Prozesse.

Wer die Periodika der „Fundamentalopposition ohne Fundament“ treibenden traditionalistischen Rechten (von den systemkonform versozialdemokratisierten „C“-Parteien und ihrem - schon seit Kohl, nicht erst seit Merkel! - intellektuell wie moralisch bankrotten publizistisch-institutionellen Milieu gar nicht zu reden) aufmerksam liest, stellt allerorten eine unübersehbare und sich zudem stetig verfestigende antikapitalistische Feindbildbestimmung fest, die für etwaige „libertär-konservative“ Bündnisse keinerlei Anknüpfungspunkte mehr übrigläßt. Vieldiskutierte „Paläo“-Blaupausen der „Auburnianer“ aus dem Umfeld des Mises-Institutes taugen, selbst wenn sie in den Vereinigten Staaten punktuell durchaus ihre tagespolitische Berechtigung (etwa im Abwehrkampf gegen eine interventionistische Außenpolitik) sowie ihre ideengeschichtliche Verankerung (Stichwort „Old Right“) haben mögen, keinesfalls als übertragbare Vorlagen auf deutsche bzw. kontinentaleuropäische Verhältnisse.

Der elektorale Niedergang der nationalpopulistischen Rechten ist nun nichts, was man als Libertärer bedauern muß, wenn man etwa an den sich zumeist rüpelhaft gebärdenden zentralistisch-fremdenfeindlichen Lumpensammler Jean-Marie Le Pen in Frankreich denkt. Zugleich zeigt der Auftrieb der ebenso „linken“ wie sezessionistischen Schottischen Nationalpartei (mit Sean Connery als Aushängeschild), daß es durchaus lohnenswert sein könnte, ähnlich wie es vordem Hoppe-Auftritte vor dem Vlaams-Belang und Habermann-Gastreden vor der AUNS waren, auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums zu eruieren, inwieweit „links-sezessionistische“ Strömungen zumindest in Teilen liberalismus-/libertarismus-offen sind. Dafür sind Brückenköpfe gefragt, die über die nötige kulturelle Aufgeschlossenheit und ein hinreichendes psychologisches Einfühlungsvermögen für die vorhandenen Befindlichkeiten verfügen. Die einseitige Verengung der libertären Perspektive und Dialogbereitschaft auf die „rechte“ Seite (die diese selten adäquat beantwortete) in den letzten Jahren muß überwunden werden, der Markt der Möglichkeiten aufgefächert werden, wenn Chancen zur Verbreitung freiheitlicher Gedanken nicht weiter ungenutzt bleiben sollen.

Selbst in Ländern des dem klassischen Liberalismus viel näherstehenderen Konservatismus wie England und der Schweiz sind in jüngster Zeit wenig erfreuliche Entwicklungen zu verzeichnen, so etwa David Camerons sukzessives Aufweichen des klassischen (ebenso euroskeptischen wie adjektivlos marktwirtschaftlichen) Toryism oder auch das leise Abrücken der Schweizerischen Volkspartei (SVP) von ihrem bislang hochgehaltenen ordo-liberalen Profil, wie es sich etwa in der Posse um die von der Funktionärsnomenklatura verhinderte Ständeratskandidatur des renommierten liberalen Wirtschaftswissenschaftlers Hans Geiger in Zürich bereits andeutet.

Von dem konservativen französischen Staatspräsidenten Sarkozy erhofft sich ohnehin niemand tiefgreifende liberale Reform-Impulse, von ein paar auf dessen verbal herumkärchernde Kraftmeiereien anspringenden Superwestlern aus der Blogosphäre, für die aber wohl andere als liberale Beweggründe ausschlaggebend sind, einmal abgesehen.

Würden sich Libertäre jetzt im Lichte dieser neueren Entwicklungen einseitig auf einen „libertär-konservativen“ Kurs versteifen, der an den realpolitischen Eisbergen antiglobalistischer Diskurse bei den Rechten aller Schattierungen und Aggregatszustände – von „gemäßigt-staatstragend“ bis „extremistisch-nochmehrstaatverlangend“ – ohnehin eher früher als später zerschellen müßte, wäre dies ausgesprochen töricht. Erstens wäre aufgrund der extrem ungleichen Zahlenverhältnisse klar, wer in einem solchen Zusammenschluß am Steuer und auf der Kommandobrücke steht und wer günstigstenfalls den Platz auf im Maschinendeck zugewiesen bekäme. Und vor allem: wem beim Crash dieser fragwürdigen Unternehmung die undankbare Funktion der „Knautschzone“ obliegen würde. Und zum zweiten – und dieses Argument wiegt wesentlich schwerer – wäre dieser Kurs auch mit einer moralischen Selbstaufgabe verbunden und dem wohl vollständigen Verlust von Credibility vor allem in den Augen junger Menschen, die am stärksten für eine radikal neue und kompromißlose Idee der Freiheit begeisterungsfähig sind, aber eben nicht, wenn diese in muffig-spießbürgerlicher Manier und irgendwie in bräsig-dünkelhaftem oder gar hausmeisterfaschistischem (Master Hoppe’s Voice: „Lebensstilalternativler werden physisch entfernt“) Habitus daherkommt.

Wer also profitierte, wenn überhaupt, von dieser ungleichen Partnerschaft? Nützten libertär-konservative Allianzen nicht eher den Konservativen? Parfümieren wir nicht damit jeden reaktionären Misthaufen auf einem x-beliebigen Rittergut mit dem Aroma der Freiheit – und fangen dabei irgendwann selber an zu stinken? Deutscher Konservatismus im speziellen (und hierin unterscheidet er sich sogar signifikant auch von sich aus ganz anderen Traditionen speisenden angelsächsischen und helvetischen Konservatismus-Varianten) war, ist und bleibt wohl auch in Zukunft bestimmt und gekennzeichnet durch „Zucht und Ordnung“, Servilismus, Sklavenmoral, Staatsfrömmelei („Der Staat als sittliche Idee“) und Kasernenhofgeist. Ein paar oberflächlich aufgesprühte liberal-libertäre Duftstoffe vermögen kaum, die Zusammensetzung dieses Amalgams wesentlich zu verändern.

Ein „rechtsgedrehter“ Libertarismus liefe zudem Gefahr, die historischen Kardinalfehler der vergangenen zwei Jahrhunderte zu wiederholen:

„Aber das Schlimmste am Aufkommen der sozialistischen Bewegung war, daß sie es geschafft hat, die klassischen Liberalen „links“ zu überholen, das heißt, als Partei der Hoffnung, des Radikalismus und der Revolution in der westlichen Welt. Während der französischen Revolution hatten die Verteidiger des ancien régime ihren Platz auf der rechten Seite des Parlaments und die Liberalen und Radikalen saßen links; von da an bis zum Aufkommen des Sozialismus waren die klassischen Liberalen „die Linken“, sogar die „extremen Linken“ im ideologischen Spektrum. … Es war ein schlimmer strategischer Fehler…den Sozialisten zu erlauben, als „linke Partei“ zu posieren und damit zu erlauben, daß die Liberalen falscherweise in eine unklare Position in der Mitte zwischen Sozialismus und Konservativismus als den sich gegenüberstehenden Polen gelangten.
[Anstatt darauf hinzuweisen]… daß der Sozialismus eine verworrene, selbstwidersprüchliche, quasi-konservative Bewegung war…

…begannen die klassischen Liberalen, ihre Leidenschaft für die Veränderung und für die Reinheit des Prinzips zu verlieren … und wurden so selbst von einer radikalen zu einer konservativen Bewegung… Eine derartige Strategie ist dumm und unhaltbar in einer sich verändernden Welt.“
Murray N. Rothbard, Eine neue Freiheit, S. 25f.


Wir Libertären müßten bei einer Fortsetzung dieser „dummen und unhaltbaren“ Strategie fürchten, unsere Seele zu verkaufen. Den „rechts-libertären“ Fusionisten sei ein Zitat aus der Feder von Robert Nef ins Stammbuch geschrieben:


«Ich vertrete die Auffassung, dass sich ein mittel- und langfristig zukunftstauglicher Liberalismus von allen xenophoben Tendenzen (selbst wenn sie bei sogenannten Rechtsliberalen und zunehmend auch bei Jungen populär sind), aber auch von den wohlfahrtsstaatlich-interventionistischen Tendenzen (selbst wenn sie bei den sogenannten Linksliberalen und den Linken populär sind), aktiv und klar distanzieren sollte…

Die Frage ist also nicht «Wie links oder wie rechts soll der Liberalismus taktieren oder lavieren, um bei Jungen attraktiv zu sein?» sondern: «Welche traditionell als «links» bzw. als «rechts» bezeichneten Tendenzen sind in grundsätzlicher Hinsicht «Liberalismus-verträglich»?

Die bei Liberalen stets – oft im Übermass – vorhandene Koalitions- und Kooperationsbereitschaft darf nicht zu jener Grundsatzlosigkeit und zu jenem wahltaktischen Opportunismus führen, welcher letztlich einen totalen Profilverlust zur Folge hat, und der die ihrem Wesen nach radikalen liberalen Ideen verwässert und – vor allem bei den Jungen – diskreditiert.»


Robert Nef in «Reflexion», Nr. 37, August 1996




Einer Kooperation mit „rechtspopulistischen“ Kräften stünden, jenseits aller ideologischen Unvereinbarkeiten, aber auch schon ganz banale praktische Hindernisse und vor allem personelle Konstellationen im Wege, die ich als langjähriger Insasse dieses freilaufenden Irrenhauses „rechte Szene“ aus eigener Erfahrung bezeugen kann: Die marginalisierte und zersplitterte deutsche Rechte (siehe eben gerade Landtagswahl in Bremen!) ist nicht nur nicht politikfähig (dafür umso mehr politikgläubig), sie ist nicht einmal meinungsfähig, wie soll sie da überhaupt paktfähig sein? Was sich in diesem Biotop tummelt, kann man selbst bei bestem Willen nicht anders denn als „Pathologie der Gesellschaft“ klassifizieren. Daß dies auch zu einem nicht unerheblichen Teil, wenn nicht sogar hauptsächlich, auf Infiltration durch den Staat und seine von einer obskuren, skandalgestählten Ideologiekontrollbehörde mit der in den westlichen Demokratien ihresgleichen suchenden Lizenz zur Steuerung des „Meinungsklimas“ abgestellten „agents provocateurs“ zurückzuführen ist, ändert im Ergebnis nichts am traurigen sozialpsychologischen Befund.

Die radikalen Liberalen/Libertären sollten nicht vergessen, daß sie dann in der Geschichte am stärksten und wirksamsten waren, wenn sie selbst eine progressive und sozialrevolutionäre Volksbewegung mit Massenbasis gerade in der Arbeiterschaft, also bei den kleinen Leute, waren, wie etwa in der Anti-Schutzzoll-Bewegung der „Manchestermänner“ um Richard Cobden und Richard Bright. Bekanntermaßen hatten die „unrühmlichen Gestalten“ (Wilhelm Röpke) der korporatistischen und etatistischen „Sozial“- und „National“-„Liberalen“ nie auch nur einen vergleichbaren Rückhalt in der Bevölkerung, nicht in England und auch nicht in Deutschland. Der deutsche „Manchestermann“, der „puristische“ Linksliberale Eugen Richter war zeit seiner politischen und publizistischen vita activa von einer stetigen Popularität getragen, von der der für „fusionistische“ (nationalistische, sozialistische und militaristische) Ideen seiner Zeit über alle Maßen aufgeschlossene und alle möglichen und unmöglichen Koalitionsüberlegungen („von Bassermann bis Bebel“) anstellende Friedrich Naumann und seine krypto-liberalen Epigonen niemals zu träumen wagen durfte.

Als entschiedene Liberale sollten wir nicht in die alte Naumannsche Bündnis-Falle tappen und durch Allianzen ausgerechnet mit den Kräften der Beharrung dem gegnerischen Prinzip dienen. Unserer eigenen Identität und unseren Zielen dienen wir am besten, indem wir das seit über hundert Jahren vernachlässigte Erbe der wahren Kräfte des Wandels, der für Veränderung, individuelle Selbstbestimmung, Friede und Freihandel kämpfenden Parteien des originär linksliberalen Fortschritts und Freisinns endlich antreten anstatt libertär-konservative Chimären in die Luft zu malen.

Die gemäßigten (und für meine Begriffe noch viel zu staatstoleranten) linkslibertären Autoren Dirk Maxeiner und Michael Miersch (letzterer apostrophierte sich selbst sympathischerweise als „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“-Libertärer – „Peace“ hat er in der Aufzählung leider vergessen) haben vor einiger Zeit in einer Broschüre des Liberalen Instituts die Frage aufgeworfen, ob die Linke noch links sei. Die Antwort: Natürlich nicht, da die Linke heute als intellektuelle Prätorianergarde des Leviathans fungiert und dessen Zugriff auf jeden weiteren Lebensbereich der Menschen weiter vorantreibt, anstatt den Staat als das „Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse[n]“ (Karl Marx) zu begreifen – und zu bekämpfen. Ein weites, bis dato noch brachliegendes Feld also, das es durch einen radikalen, linken Anarcho-Libertarismus zu beackern gilt!

Friday, May 11, 2007

Abspecken? Ja, den Staat!

Die neueste Fettleibigkeitshysterie ist ein weiteres untrügliches Anzeichen für meine deklinologische Diagnose, daß Deutschland gerade mit Höllentempo eine totalitäre Metarmophose durchmacht. Dabei läßt sich der Staat seinen wahnwitzigen Aktionismus auch nicht von der Wissenschaft ausreden. Wer dick ist, das bestimmt der Zeitgeist und dessen Exekutor gegen Abweichler ist, wie zu allen Zeiten, der Staat.

Wie dem auch sei, das einzig gute an einer drastischen Verschärfung der Situation ist immer, daß die Lauen gezwungen werden, sich zu entscheiden. Entweder die Bürger dieses Landes specken ihren Staat ab - oder es läuft eben umgekehrt.

Christian Geyer hat in der FAZ vom 10.05. zum "Nationalen Aktionsplan" (das klingt in durch ein antitotalitäres Frühwarnsystem sensibilisierten Ohren schon ein wenig wie eine Mischung aus "Subotnik" und "Eintopfessen mit dem Führer") gegen die Dicken schon mal ein paar Überlegungen zur möglichen praktischen Umsetzung dieser staatlich verordneten Schlankheitskur angestellt, die dem, der ahnt, wohin die Reise gehen soll, keineswegs übertrieben erscheinen mögen:

„Hier sind, solange man noch nicht die Ausführungsbestimmungen der Eckpunkte kennt, der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wird es Hausbesuche von staatlichen „Fit statt fett“-Inspekteuren geben, die in der Küche nach dem Rechten sehen, im Kühlschrank Palmin, Pommes und Schlag-fit aufstöbern, in den Babyspeck der Kinder kneifen und auf dem Dachboden das Trimmrad checken? Wird nicht auf jeden, der da auf die Unversehrbarkeit seiner Wohnung verweist und etwas von Hausfriedensbruch murmelt, sogleich ein schrecklicher Verdacht fallen: der Verdacht, beim Nationalen Aktionsplan abseits stehen zu wollen und sich hinter verschlossenen Türen lieber weiter den Bauch vollzuschlagen? Was werden die Nachbarn sagen, wenn sie sehen, dass wir die „Fit statt fett“-Inspekteure nicht hineinlassen? Werden sie mit dem Finger auf uns zeigen und sagen: Die da haben etwas zu verbergen?“

Thursday, May 10, 2007

Nazi-Kollaborateur erfand die EU

Im Spectator vom 5. Mai enthüllt John Laughland, daß der später als NS-Kollaborateur hingerichtete Norweger Vidkun Quisling noch vor den deutschen Nazis (deren Konzept eines "Vereinten Europas" auf 1941 datierte) sich bereits im Jahre 1939 für diese Idee der Vereinigten Staaten von Europa erwärmte. Bei seinen Recherchen für ein Buch über politische Strafprozesse stieß er auf ein bemerkenswertes Zeugnis: ein Telegramm Quislings vom 11. Oktober 1939 an den damaligen britischen Premierminister Neville Chamberlain (den das beschränkte mainstream-Geschichtsbild hierzulande gerne als "Appeaser" einordnet) mit dem dringenden Anliegen, einen Krieg zwischen Deutschland und Großbritannien zu verhindern. Der einzige Weg, den unmittelbar bevorstehenden Waffengang zwischen den beiden Mächten doch noch abzuwenden sei, so zitiert Laughland Quisling:

„to fuse British, French and German interests into a European Confederation on the initiative of Great Britain, in order to create a community of interests and co-operation, beneficent to all parties. Under these circumstances … I deferentially appeal to your immense authority and responsibility to suggest that the British government – in accordance with the method of federalisation in America, South Africa and Australia – invite every European State to choose ten representatives to a congress charged with the task of preparing a constitution for an empire of European nations, to be submitted to a plebiscite in each country for acceptance or rejection.”

Laughland resümiert über das Schicksal dieser obskuren historischen Figur und seiner Ideen:

„Quisling died before his ideas could come to fruition. Being on the losing side of history, his career did not culminate in him becoming a European commissioner or the chairman of a UN committee. Instead he fell under a hail of bullets on 24 October 1945 in the same Akerhus Fortress in which he had sat a Minister-President of Norway. But the idea to which Quisling gave his name – that it is better to collaborate than to sit carping on the sidelines – has had a better fate.”

Wednesday, May 09, 2007

Zweierlei Freiheit

Zur moralphilosophischen Begründung des liberalen Verständnisses der Freiheit ruft Karen Horn im "Sonntagsökonom" in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 6. Mai unter der Überschrift "Freiheit, die wir meinen" den Politologen und Sozialphilosophen Isaiah Berlin (1909 – 1997) mit seinen "Two Concepts of Liberty" in den Zeugenstand, dessen grundlegende Unterscheidung zwischen "negativer" und "positiver" Freiheit sie kursorisch erläutert:


„Um „negative Freiheit“ geht es nach Isaiah Berlin im Zusammenhang mit der Frage, auf welchem Gebiet ein Mensch frei sein soll, das zu tun oder zu sein, was er tun oder sein kann, ohne von anderen Menschen daran gehindert zu werden. Negative Freiheit ist in diesem Sinne negativ, weil der Begriff eine Abwehr formuliert: Es geht um die Abwesenheit von Zwang. Bei Zwang handelt es sich nicht um schlichte – beispielsweise – ökonomische Sachzwänge, sondern um eine bewusste Willensunterwerfung. […] Der Begriff der negativen Freiheit führt somit zu politischen Theorien, in denen es vor allem um die Eingrenzung der Sphäre geht, in der eine Regierung in das Leben des einzelnen Menschen eingreifen darf. Der Begriff der positiven Freiheit ist nicht so zurückhaltend. […] Vor allem mündet er in eine Theorie der politischen Teilhabe – aber ohne die Abgrenzung
von Sphären, in denen das Individuum auch durch eine Mehrheit nicht bevormundet werden darf. Dann aber stehen den Sozialingenieuren, die aktiv die Gesellschaft nach ihrer Wunschvorstellung formen wollen, alle Wege offen.“



Berlins Dichotomie gehört also fraglos zum Kernbestand stringenten und unverwässerten Liberalismus und ist insoweit sicherlich verdienstvoll. Dennoch ist eben auch seine Definition der "negativen Freiheit" wenn man sie etwas genauer unter die Lupe nimmt, zu schwammig und unpräzise um ihn gegenüber Angriffen von den allein durch geschichtliche Tatsachen kaum zu widerlegenden Evangelisten der "positiven Freiheit" (den "Sozialisten in allen Parteien", wie Hayek gesagt hätte) mit der nötigen Robustheit auszustatten. Die begriffliche Unschärfe bei Berlin führt dazu, daß er in sein Gegenteil verkehrt werden kann und damit nicht mehr der Sache der Freiheit dient sondern den Feinden derselben als Kampfinstrument in die Hände fällt. Berlins Definition der Freiheit als das "Fehlen von Hindernissen, die nicht nur meinen aktuellen, sondern auch meinen potentiellen Wahlentscheidungen im Wege wären" (und zwar von Hindernissen, die durch "veränderbares menschliches Handeln" hervorgerufen werden) kommt der gefährlichen Gleichsetzung von "Freiheit" und "Handlungsmöglichkeit" bedenklich nahe, zumal sich sein Begriff von der Freiheit im Verlaufe seiner Argumentation in Richtung "Chancenmaximierung" und "Chance zum Handeln" verschiebt.

Für Murray N. Rothbard (1926 – 1995, siehe Bild), der sich in seiner Ethik der Freiheit (S. 217 ff.) eingehender mit Berlins Theorie der negativen Freiheit auseinandergesetzt hat, besteht dessen grundlegender Fehler darin, "negative Freiheit nicht als Abwesenheit physischer Eingriffe in Person und Eigentum – die weitgefaßten gerechten Eigentumsrechte – eines Individuums zu definieren."

Rothbard gibt ein anschauliches Beispiel für die notwendige Unterscheidung von Freiheit und Handlungsmöglichkeit:


„Nehmen wir etwa an, daß X sich weigert, Y einzustellen, weil Y ein Rotschopf ist und X keine Rothaarigen mag. X verringert damit sicherlich Y’s Möglichkeitsbereich, aber man kann wohl kaum von ihm sagen, daß er Y’s „Freiheit“ verletze.“


Und in einer Fußnote fügt er hinzu:


„Wenn man zudem X verbieten sollte, sich zu weigern, Y wegen seiner roten Haare anzustellen, so hätte man die Handlung von X durch veränderbares menschliches Handeln behindert. Das Aufheben von Hindernissen kann daher nach Berlins Freiheitsdefinition die Freiheit nicht erhöhen. Es kann lediglich die Freiheit einiger Leute zu Lasten anderer erhöhen.“


Rothbards Kritik zielt vor allem auf die fatalen wirtschaftstheoretischen Konsequenzen dieser begrifflichen Unschärfe und mangelnden Stringenz, die er bei Berlin feststellt:


„Da er nicht auf diese Definition kam, verfiel Berlin in Irrtümer und endete damit, gerade jene negative Freiheit, die er zu begründen versucht hatte, praktisch aufzugeben und wohl oder übel ins Lager der „positiven Freiheit“ zu wechseln. Mehr noch: Da ihn seine Kritiker mit der Beschuldigung geißelten, er unterstütze Laissez-faire, sah sich Berlin zu ausgelassenen und widersprüchlichen Angriffen auf Laissez-faire als etwas, das irgendwie der negativen Freiheit schadete, veranlaßt. Zum Beispiel schreibt er, daß die „Übel des ungehinderten laissez-faire […] zu brutalsten Verstößen gegen die ‚negative Freiheit’ führten […] auch gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit […]“. Da Laissez-faire nichts anderes bedeutet als die vollkommene Freiheit von Person und Eigentum, natürlich einschließlich der Ausdrucks- und Versammlungsfreiheit als Untergruppe privater Eigentumsrechte, ist Berlin hier dem Unsinn verfallen. Ähnlich falsch schreibt Berlin „über das Schicksal der individuellen Freiheit unter der Vorherrschaft des ungehemmten ökonomischen Individualismus […] – über das Elend der großen Mehrheit vor allem in den Städten, deren Kinder in Gruben und Fabriken zugrundegerichtet wurden, während die Eltern in Armut, Krankheit und Unwissenheit lebten, in einer Lage, in der es bloßer Hohn war, wenn ihnen versichert wurde […], die sie hätten das Recht, ihr Geld nach eigenem Gutdünken auszugeben und sich nach Belieben zu bilden.“ Es überrascht nicht, daß Berlin dann solche reinen und folgerichtigen Laissez-faire-Liberalen wie Cobden und Spencer für die Irrtümer und Widersprüche von klassischen Liberalen wie Mill und de Tocqueville angreift.

Es gibt einige schwerwiegende und grundlegende Probleme in Berlins Herumwettern. Eines ist die vollkommene Unkenntnis der modernen Historiker der industriellen Revolution wie Ashton, Hayek, Hutt und Hartwell, die gezeigt haben, daß die neue Industrie die vorherige Armut und Hungersnot der Arbeiter – einschließlich der arbeitenden Kinder – eher linderte als das Gegenteil zu bewirken. Doch auch auf einer begrifflichen Ebene gibt es schwere Probleme. Erstens ist es unsinnig und widersprüchlich, zu behaupten, daß Laissez-faire bzw. wirtschaftlicher Individualismus der persönlichen Freiheit geschadet haben könnte; und zweitens gibt Berlin in der Tat den Begriff der „negativen“ Freiheit zugunsten von Begriffen positiver Macht bzw. positiven Reichtums ausdrücklich auf.

Berlin erreicht den Höhepunkt (oder auch Tiefpunkt) dieses Ansatzes, wenn er die negative Freiheit unmittelbar dafür angreift, daß sie dazu diente, „den starken, den Brutalen, Skrupellosen die Oberhand über die Menschenfreundlichen und Schwachen [zu geben] […] Freiheit der Wölfe bedeutet oft genug den Tod der Schafe. Daß die Geschichte des ökonomischen Individualismus und der schrankenlosen kapitalistischen Konkurrenz eine blutige war, muß […] heute nicht eigens betont werden.“ Berlins entscheidender Fehler besteht darin, Freiheit und die freie Marktwirtschaft hartnäckig mit ihrem Gegenteil, mit nötigenden Übergriffen gleichzusetzen. Man beachte den wiederholten Gebrauch solcher Ausdrücke wie „Oberhand“, „brutal“, „Wölfe und Schafe“ und „blutig“, die allesamt nur bei nötigenden Übergriffen, wie sie allgemein vom Staat ausgingen, Anwendung finden. Ungehemmter wirtschaftlicher Individualismus führte dagegen zu friedlichem und einträchtigem Tausch, der wohlweislich gerade den „Schwachen“ und „Schafen“ zugute kam. Letztere sind es, die unter dem Dschungelgesetz des Staates nicht überleben könnten, aber den größten Teil der Wohltaten der freien Konkurrenzwirtschaft auf sich vereinigen. Eine auch nur geringe Kenntnis der Wirtschaftswissenschaft und insbesondere des Ricardianischen Gesetzes der komparativen Vorteile hätte Sir Isaiahs Meinung über diese lebenswichtige Frage zurechtgerückt.“




Weiterführende Literatur:

Murray N. Rothbard: "Die Ethik der Freiheit" , Sankt Augustin, Academia Verlag, 2000

Isaiah Berlin: "Freiheit – Vier Versuche" , Frankfurt/M., S.Fischer Verlag, 1995

Isaiah Berlin: "Two Concepts of Liberty", Oxford, Oxford University Press, 1958





Monday, May 07, 2007

Sunday, May 06, 2007

Pim Fortuyn - 5. Jahrestag der Ermordung eines europäischen Freiheitshelden

Deutsche Gazetten übergehen diesen Anlaß mit gewohnter Ignoranz, der 6. Mai 2002 ist den politisch korrekten Haßpredigern etablierter Redaktionsstuben und Sendestudios wohl peinlich. Wie gut, daß es da eine sehr vitale Gegenöffentlichkeit gibt, die den Meinungskartellen schon lange schwer zu schaffen macht. Freiheit bahnt sich ihren Weg. Wie er selbst einmal sagte: "Ze kunnen me van de wereld rammen, maar mijn ideeën blijven bestaan."
Fortuyns Vermächtnis bleibt Freiheitsfreunden in ganz Europa und darüber hinaus Verpflichtung!

Nachtrag: Die Presse (Wien) bringt morgen einen überraschend positiven Beitrag zum "schwulen Polit-Dandy" Pim Fortuyn.

Saturday, May 05, 2007

Triplizität der Ereignisse - weitere Ehrung für Cristiano Ronaldo

Rückblende: Es ist noch kein Jahr her, da galt auch der deutschen Sportjournaille das junge portugiesische Ausnahmetalent Cristiano Ronaldo, dem man seine Extrovertiertheit, sein Abweichen von der Norm, zum Vorwurf machte, als der Buhmann schlechthin. Unmittelbar nach der WM hatte er in England (wo die Bezeichnung "persona non grata" noch eine Untertreibung gewesen wäre) ungefähr die Popularität Osama bin Ladens in den USA erreicht: bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen, die Medienmeute fiel zu allem Überfluß mit den immergleichen Satzbausteinen ("nicht mannschaftsdienliche Spielweise", "Übersteiger", "Schwalbenkönig", "theatralische Heulsuse") über ihn her und eine I-hate-Ronaldo-Seite gab es auch schon.

Nachdem ihm nun gestern der Coup gelungen ist, in England als ManU-Superstar die dritte Mega-Auszeichnung in Folge abzusahnen, überbietet man sich indes auch hierzulande in Huldigungen seines überragenden fußballerischen Genies. Es ist also nurmehr eine Frage der Zeit, bis die Mainstream-Medien diesseits wie jenseits des Kanals dem in England einst zum "Staatsfeind" deklarierten Madeirenser Lorbeerkränze flechten und pflichtschuldigst Lobeshymnen auf den "Jahrhundertfußballer" in ihre Laptops klopfen werden. Und damit hätten sie dann ausnahmsweise einmal recht!

Thursday, May 03, 2007

Kolloquium in memoriam Gerard Radnitzky

Unter dem Titel

"Das offene 21. Jahrhundert? Perspektiven und Szenarien"

veranstaltet die Hayek-Gesellschaft in Trier am 14. und 15. Mai 2007 ein Kolloquium in memoriam Gerard Radnitzky , der im vergangenen Jahr verstorben ist.

Hier der vorläufige Programmablauf:


14. Mai 2007 (Montag)
17.00 Uhr Einführung und Vortrag PD Dr. Hardy Bouillon, "Gerard Radnitzky - ein Leben für die Wissenschaften"


18.00 Uhr Vortrag Prof. Dr. Wolfgang Kasper, "Verschiebungen im Weltgefüge: Eine spekulative Skizze" mit Diskussion

15. Mai 2007 (Dienstag)
10.00 Uhr Vortrag Prof. Dr. Wilfried von Studnitz, "Bioethik" mit Diskussion


11.00 Uhr Vortrag Prof. Dr. Gerd Habermann, "Staat, Nation, Anarchie: zum Politischen Denken Gerard Radnitzkys" mit Diskussion

16.00 Uhr Möglichkeit zur Besichtigung von Professor Gerard Radnitzkys letzter Wirkungsstätte in Korlingen (vorgesehen).

Heute ist Israel-Tag!

Auch für Libertäre, ungeachtet aller politikbedingten Mißhelligkeiten, ein Grund zur Freude! Die Existenz einer Heimstatt für das jüdische Volk nämlich beweist:
Sezession ist machbar, Herr Nachbar!

Wednesday, May 02, 2007

Dirk Niebel für die Beibehaltung des öffentlich-rechtlichen Zwangsrundfunksystems

So ließ er sich im ef-Interview vernehmen. Vielleicht stimmt ihn dieser öffentlich-rechtliche Kindesmißbrauch hier ja um: