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Dienstag, November 18, 2008

Sit venia verbo

Habe mal wieder in der alten DDR-Bibliothek meines Großvaters gestöbert:

[...] Keck weiß Lessing eine dem heutigen Philister noch unfaßbare Wahrheit zu enthüllen, wenn er in der alten Fabel von den Fröschen, die einen König haben wollten, gegenüber anderen Auslegern "zwei weit größere und kühnere Wahrheiten entdeckt, 1. die Torheit, überhaupt einen König zu haben, 2. die Torheit, nicht mit einem schläfrigen, untätigen Könige zufrieden zu sein, einen großen, anschlägigen Kopf auf dem Thron zu wünschen."

Aus der "Lessing-Legende" von Franz Mehring

Montag, November 03, 2008

Ein Gedicht zur Finanzkrise

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu
lachen, und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat
Kredite, und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der
Reigen - ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.





Das Gedicht wurde fälschlicherweise Kurt Tucholsky zugeschrieben. Wirklich verfasst wurde es von Richard Kerschhofer alias Pannonicus.

Montag, Dezember 17, 2007

An meine lieben Landsleute

In Angst und bürgerlichem Leben, wurde nie eine Kette gesprengt.
Hier muß man schon mehr geben, die Freiheit wird nicht geschenkt.

Nicht Mord, noch Brand, noch Kerker, nicht Standrecht obendrein,
es muß noch kommen stärker soll es von Wirkung sein.

Es sind die glücklichen Sklaven der Freiheit größter Feind,
drum sollt ihr Unglück haben und spüren jedes Leid.

Zu Bettlern sollt ihr werden, verhungern allesamt,
zu Mühen und Beschwerden verflucht sein und verdammt.

Euch soll das bißchen Leben so gründlich sein verhaßt,
daß ihr es weg wollt geben, wie eine schwere Last.

Nur dann vielleicht erwacht noch in euch noch ein neuer Geist,
ein Geist , der über Nacht noch euch hin zur Freiheit reißt.

- Heinrich Hoffmann von Fallersleben