Monday, November 03, 2008

Ein Gedicht zur Finanzkrise

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu
lachen, und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat
Kredite, und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der
Reigen - ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.





Das Gedicht wurde fälschlicherweise Kurt Tucholsky zugeschrieben. Wirklich verfasst wurde es von Richard Kerschhofer alias Pannonicus.

2 comments:

secr said...

Nicht ganz dicht, aber ein Dichter.

F.Alfonzo said...

kleine Anmerkung: Wie gut die Sache mit dem Leerverkauf als 'selbsterfüllende Prophezeihung' funktioniert, konnte man jüngst bei der VW Aktie beobachten: Gar nicht.

Die Leerverkäufer sind dabei ordentlich auf die Schnauze gefallen, Hedge Fonds 0, Porsche 1.

...aber nachdem die Kritik an dieser Art Handel sowieso nur politisch motiviert ist, interessiert sich auch niemand für Empirie. So einfach kann das Leben sein :-)