Thursday, February 14, 2008

Gagissima

Wenn ausgerechnet krypto-libertäre Middle-of-the-road-surrender-monkeys, mit denen man sonst das ganze Jahr über kein offenes Scheißhaus stürmen kann, sich jetzt auf einmal in einer Anti-Obama-Phalanx einträchtig zusammenfinden, um als Mitte-rechts-Staazis vor dem Etatismus eines Mitte-links-Staazis zu warnen sich anheischig zu machen, dann ist das nicht mehr gaga, sondern schon gagissima! Man darf gespannt sein, welcher häßliche rassistische Aussatz zum Vorschein kommt, wenn die bürgerlichen Charaktermasken beim neoliberal-kulturkonservativen Veitstanz mal verrutschen.

Der sozialliberale Blogger Dr. Dean sieht dagegen bei Obama nicht den geringsten Grund zu wirtschaftsliberaler Besorgnis:

3. Sehr großes bis blindes Vertrauen auf Marktprozesse

Ich persönlich halte seine ziemlich ordoliberale Marktorientierung von Obama für einen Pluspunkt, aber für viele seiner Unterstützer ist folgende Haltung (wo es m.E. gut herauskommt), ziemlich schwer zu schlucken:

„To deal directly with climate change, something we failed to do in the last energy bill, we should use a market-based strategy that gradually reduces harmful emissions in the most economical way.”


Tatsächlich erkennen immer mehr US-Libertarians und Ron-Paul-Supporter, daß sie bei der Wahl zwischen Clinton, McCain und Obama mit letzterem noch am besten bedient sind!

Nicht zuletzt spricht aus erzliberaler Sicht für Obama, daß eine der schlimmsten Charakterruinen Amerikas sich beinahe täglich auf ihn einschießt!

Fazit: Es geht den betulich-gelegenheitslibertären Obama-Gegnern primär um "rechts" vor "links", nicht um "liberal" vs. "etatistisch"!

7 comments:

Rayson said...

Liest du eigentlich gelegentlich auch mal die zahlreichen Beiträge, die du empfehlend verlinkst?

Ich schrieb z.B. in dem von dir als Teil der angeblichen Phalanx verlinkten Kommentar:

Ich wäre nicht für McCain, hätte er nicht z.B. in Sachen Freihandel und Krankenversicherung die liberaleren Positionen

Deine von dir zustimmend zitierte Empfehlung Publius Endures sagt:

3. Economic Policy/Taxes: ... McCain is by far the best on free trade

4. Health Care: ... McCain's health care proposal is far and away the best

Aber "rechts vor links", was? Eher: "Ich mach mir meine Welt, so wie sie mir gefällt..."

Dominik Hennig said...

Ich hab sie sogar sehr aufmerksam gelesen, um deutlich zu machen, daß ich Obama nicht unterstütze, weil ich ihn für einen Libertären halte! McCain mag graduell etwas freihändlerischer* gesonnen sein als Obama (allerdings ist er ein viel härterer Fiskalkleptokrat als z.B. Giuliani und ist nicht zu Unrecht nicht nur bei "social conservatives", auch in wirtschaftsliberalen Kreisen der USA vielen Leuten suspekt, was jedoch seinen teutonischen Trommlern keine Silbe der Erwähnung wert ist!), aber dafür ist er ein neurotischer Sicherheitsfreak, der die Bürgerrechte genauso zur Disposition stellt wie Bush (von der gemeingefährlichen Außenpolitik ganz zu schweigen), das wiegt den Vorteil bei weitem wieder auf.

Es ist auffällig, und da hat Marian mit seiner Beobachtung eben recht, daß die liberale Bloggosphäre - und eben nicht nur die rechten Hoppe Ankaps - einen starken Rechtsdrall entwickelt. Dein eigener in bester kulturkämpferischer Manier verfaßter Beitrag "Die Integration und ihre Feinde", den so auch "Doris Neujahr" von der "Jott Eff" hätte geschrieben haben können, verfestigt bei mir diesen Eindruck noch einmal.


*) Zur Frage des Freihandels: Die spielt nun für die Wahlentscheidung die geringste Rolle, da in diesen Fragen schon bei Bush der überwiegend protektionistische Kongreß (beide Parteien in beiden Häusern!) alle vernünftigen Initiativen Bushs abwürgte, daran würde sich bei McCain wohl nichts ändern.

Fabio Bossi said...

Ceterum censeo...
Die USA steuern in ein Desaster, das noch sehr viel mehr die niederen rechts-links-Triebe nach oben locken wird, weil nämlich nackte Armut droht!
Ok, ich bin im Fondsmanagement tätig und daher vielleicht beruflich "geschädigt" aber ich komme immer und immer wieder nicht aus dem Staunen heraus, über welche Peanuts "Liberale" diskutieren.

http://www.financialsense.com/fsu/editorials/zentay/2008/0214.html

DAS sind die Probleme der USA (und der G7...) und davon haben weder Obama noch McCain auch nur die Spur einer Ahnung!!! Nur Ron Paul versteht diese Zusammenhänge und spricht die Probleme offen an!

Anonymous said...

Gib es zu, Du findest Obama einfach süß. ;-)

Anonymous said...

"Man darf gespannt sein, welcher häßliche rassistische Aussatz zum Vorschein kommt, wenn die bürgerlichen Charaktermasken beim neoliberal-kulturkonservativen Veitstanz mal verrutschen."

Das ist schlimmste Diffamierung! Linkslibertäre Agitprop!

Anonymous said...

Mit dem, was Du über Krugman sagst, gebe ich Dir recht. Aber die Rassismus-Unterstellung ist trotzdem daneben!

Rayson said...

in bester kulturkämpferischer Manier verfaßter Beitrag

Du hast wirklich ein Problem mit deinem Koordinatensystem.