Wednesday, January 23, 2008

Wie der "Deutsche Weg" zum "American Way" wurde

Bei Mises und Hayek kann der geneigte Leser sich ein Bild davon machen, daß das Verhängnis des 20. Jahrhunderts sehr viel damit zu tun hat, daß ausgerechnet Deutschland, das Land der Staatsvergottung par excellence, zum Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts geistiges Ausfuhrland, (oder wie man heute wohl sagen würde: "Exportweltmeister") gewesen ist. Ganz im Banne deutschen intellektuellen Einflusses stehend, verließen schließlich auch die angelsächsischen Länder - zeitverzögert - den Weg der Freiheit und begaben sich mit Beveridge-Reformen und F.D.R.'s "New Deal" auf die Bismarckianische Straße zur Knechtschaft.

FEE-Präsident Richard M. Ebeling geht in seiner aktuellen Kolumne für den Freeman den deutschen Ursprüngen der heute leider auch Amerika fest im Würgegriff haltenden (und nach den Präsidentenwahlen '08 womöglich sich noch verschärfenden) modernen Wohlfahrtsdiktatur auf den Grund:


"The modern welfare state had its birthplace in late nineteenth-century Imperial Germany under Chancellor Otto von Bismarck. In the 1870s the Social Democratic Party gained increasing support from the voters in elections to the parliament, the Reichstag. Fearful that the socialists might win a majority, Kaiser Wilhelm and the conservative parties resolved to thwart this dangerous challenge to their power and the existing order.

...


This German conception of government and the welfare state slowly but surely made its way across the Atlantic to America. In the late nineteenth century there were very few American universities that offered doctoral degrees. So an American student wishing to earn one as a capstone to his education often had to go to Europe. German universities, in the land of poets, philosophers, composers, and modern progressive thinkers, were especially appealing. Hundreds of young American economists, political scientists, historians, sociologists, and philosophers made the pilgrimage, many of them studying with leading members of the German Historical School, advocates of “state socialism.” The Americans returned home imbued with ideas about the paternalistic state and became leaders of the movement for “social reform” during what is known as the Progressive Era in the early twentieth century."



Für deutsche Freiheitsfreunde ein weiterer Grund, immer wieder daran zu erinnern, daß es durchaus auch eine freiheitliche Denkschule prinzipientreuer Liberaler in Deutschland gab, die es wiederzuentdecken und neu zu beleben gilt!

3 comments:

kastner said...

Da mir fällt mir doch glatt Rumsfelds Bemerkung über "Old Europe" ein.

Der Neokonservativismus hat Old Europe, sprich den "deutschen Sozialstaat", zum interventionistischen Exportschlager gemacht.

Nationbuilding als Synomym für den teutonischen Sozialstaat.

Marco said...

Ach, Mensch, Dominik. Dein krampfhaft-konstruiertes Antideutschsein ist wirklich mitleiderregend. Mit Sicherheit legte Bismarck die ersten Steinchen auf dem Weg zum heutigen Neosozialismus, aber es ist ja nicht so, dass dieser als eine schnurgerade Linie darstellt und es nicht Punkte gab, an denen er hätte anders verlaufen können. Noch viel weiter hergeholt erscheint mir die Verbinung von deutschem und amerikanischen Sozialstaat. Dass Bürokraten und Unterdrücker sich international Anregung hohlen, ist klar. Aber der New Deal kann genau so gut ein genuin amerikanisches Projekt sein. Zumal er durch demokratischen Mehrheitswillen auf den Weg gekommen ist. Und den einfachen Amerikaner ging und geht Europa oder Deutschland doch am Arsch vorbei.

Fabio Bossi said...

@Marco:

Ich kann da nix "anti-deutsches" entdecken. Ich identifiziere mich jedenfalls sicher nicht mit Bismarck und fühle mich nicht angesprochen, wenn den jmd. kritisiert. Ich mache - ganz im Gegenteil - gerne mit, da ich ihn für einen Wegbereiter des Kollektivismus und des Etatismus in D halte, wie Du ja scheinbar auch. Auf die Idee, daß solche Überlegungen "antideutsch" sein könnten, bin ich noch garnicht gekommen.
Und was den "demokratischen Mehrheitswillen" (ob "unseren" oder den der "Amies") angeht: HAHAHAHAHA!