Donnerstag, März 29, 2007
Ein freier Mensch ist Herr über sein Leben bis zu dessen Ende
Sterben ist Privatsache. Der Staat hat sich rauszuhalten!
An Gerard Radnitzky, den preisgekrönten Vorkämpfer für ein menschenwürdiges Lebensende auch in Deutschland, sei deshalb noch einmal erinnert.
Mittwoch, März 28, 2007
Isolationismus und Appeasement II
Im Antiquariat stieß ich dieser Tage auf dieses wahre Desiderat für geschichtsrevisionistisch gestimmte Skeptiker der "im freiesten Staat der deutschen Geschichte" (*lach*) allen Staatsuntertanen von Kindesbeinen an oktroyierten "historical correctness" (Gerard Radnitzky), das ob seiner verblüffenden Klarsichtigkeit eine alte liberal-libertäre Kontroverse neu beleben dürfte:William Henry Chamberlin: "Amerikas Zweiter Kreuzzug. Kriegspolitik und Fehlschlag Roosevelts", Athenäum-Verlag Bonn 1952 (Original: America’s Second Crusade, Chicago 1952)
Im Klappentext heißt es:
„Dieses Buch, eine diplomatische Geschichte des zweiten Weltkrieges, schildert den Fehlschlag der amerikanischen „Kreuzzüge“. Es deckt mit schonungsloser Offenheit auch die Ursachen und Zusammenhänge auf. Zum erstenmal wird hier der deutschen Öffentlichkeit aus amerikanischer Feder ein ungeschminktes Bild der Politik Roosevelts vorgelegt, der England und Frankreich zum Kriege ermunterte, dem amerikanischen Volk Neutralität versprach und gleichzeitig dem Kriege nachlief.
Daß ein Amerikaner dieses Buch geschrieben hat, erhöht seinen dokumentarischen Wert und bekräftigt die deutschen Argumente für einen „bedingungslosen Frieden“, nachdem Roosevelts Schlagwort der „bedingungslosen Kapitulation“ den Krieg verlängert und seine Politik von Teheran und Jalta Mitteleuropa und Asien dem Sowjetimperialismus preisgegeben hat.
Mit überzeugender Klarheit arbeitet der Verfasser die innere Übereinstimmung zwischen Nazismus und Bolschewismus heraus. Aber er weiß zwischen dem deutschen Volk und dem Hitler-Regime zu unterscheiden, und er weist nach, daß Roosevelts Absicht, Deutschland selbst zu zerstören, das letzte Motiv seiner unsinnigen und illusionären Zugeständnisse an Stalin war, die das amerikanische Volk heute bereits mit den über 100 000 Toten und Verwundeten des Korea-Krieges zu büßen hat. Der Vorgeschichte des Morgenthauplanes, der Ablehnung aller Friedensbemühungen des „anderen Deutschland“, der ersten Nachkriegspolitik mit den Nürnberger Prozessen, der Entnazifizierung und den Demontagen ist ein breiter Raum gewidmet.
Der Verfasser hat sich nicht gescheut, in diesem Werk, wie er selbst sagt, „mächtige geistige und gefühlsmäßige Interessen herauszufordern. Aber die eiserne Logik der Tatsachen“, so fügt er hinzu, „wird die hier vertretenen Auffassungen mit dem Fortschreiten der Zeit bestätigen.“
Der Autor William H. Chamberlin war von 1922 bis 1934 in Moskau als Auslandskorrespondent des Christian Science Monitor tätig, anschließend auch in Japan, China, Mandschurei, Philippinen, Siam, Malaja und zuletzt in Frankreich. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (1952) war der damals 55jährige Mitherausgeber der Zeitschrift The New Leader und Leitartikler des Wall Street Journal.
Besonders lehrreich für jene, die bei mangelnder Kriegslust ihrem Gegenüber "mit vorgehaltener Moralpistole" (an dieser Stelle nachträglich alles erdenklich Gute zum 80. an Martin Walser!) stets stereotyp "München, München" entgegenzuhalten nicht müde werden, ist in meinen Augen das Kapitel "Das München genannt Jalta".
- Fortsetzung folgt -
Dienstag, März 27, 2007
Das Libertäre Manifest jetzt online!
Mittwoch, März 21, 2007
Meine Lieblingsserie: Dr. House
Unangekränkelt von pathologischer Nächstenliebe und übertriebener Sentimentalität ist Dr. House - grandios gespielt von dem englischen Mimen Hugh Laurie - die Antithese zum Gutmenschen schlechthin - und erfreut als Verkörperung des Mephisto-Prinzips sich wohl gerade deshalb zurecht so großer Beliebtheit auch bei Liberalen.House' eigenwilliger Umgang mit Kollegen, Patienten und Angehörigen mag manchem arrogant erscheinen. Aber das täuscht: Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz!
Dr. House läuft immer Dienstags um 21.15 Uhr auf RTL!
Dienstag, März 20, 2007
Absolut nichts gelernt
Donnerstag, März 15, 2007
Gesinnungsjustiz
"Liberale Demokratien leben von Voraussetzungen, die sie selber nicht garantieren können. Gesinnungen können nicht eingefordert, korrekte Meinungen nicht befohlen werden. An der Wurzel der liberalen Demokratie steht die Überzeugung, dass alles, was für wahr gehalten wird, straflos in Frage gestellt, dem Widerstreit der Meinungen ausgesetzt werden kann. Nicht die Festschreibung von Gewissheiten, sondern die Möglichkeit der Kritik und Auseinandersetzung hält die offene Gesellschaft im Innersten zusammen. Das ist keine Trivialität. Die grosse Befreiungsleistung der Moderne besteht darin, dass sie Dogmen verflüssigte, absolut gesetzte Wahrheiten ausser Kraft setzte. Bis weit ins 20. Jahrhundert glaubten totalitäre Denker zur Linken wie zur Rechten, nur die Zementierung von Glaubenssätzen, die Herstellung homogener Ideensysteme, letztlich die quasireligiöse Wiederverzauberung politischer Ordnungen und der Ausschluss alles Heterogenen könne Stabilität verbürgen. Inzwischen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass genau das Gegenteil eintritt: Die Guillotine war das bevorzugte Instrument der jakobinischen Gesinnungsdiktatur unter dem rabiaten Gutmenschen Robespierre. Tabus und Sprechverbote nähren Ressentiments, Heuchelei, Verschwörungen und Opfermythen. Vor allem behindern sie das offene Gespräch, den Wettbewerb der Auffassungen, der zu den grössten Errungenschaften und Qualitäten moderner Gesellschaften gehört.
...
Seit wann obliegt es politischen Körperschaften, historische Vorgänge rechtsverbindlich zu definieren?" (Hervorhebung DDH)
Sein Fazit kann auch auf sämtliche Aspekte bundesrepublikanischer Gesinnungsjustiz angewendet werden:
"Es schadet nicht, auf eine Binsenweisheit hinzuweisen: Meinungen sind nicht mit Gesetzen, sondern mit Argumenten zu bekämpfen. Wer nicht an die Geltungskraft schlüssiger Beweisführungen glaubt, zweifelt an der Menschenwürde, die Freiheit einschliesst, übrigens auch die Freiheit zum Irrtum. Die Antirassismusstrafnorm ist das Resultat des irrigen Versuchs, die richtige Meinung, die richtige Gesinnung gesetzlich herzustellen. Weiter kann man sich vom Erbe der Aufklärung kaum entfernen."
Mittwoch, März 14, 2007
Genosse Merkelfering-Ferkelmering und die Heuschrecken
Freitag, März 09, 2007
Der lange (Oster-)Marsch der Grünen zu sich selbst - auf den Feldherrnhügel
Die Grünen speisten sich jedenfalls immer schon aus einer Vielzahl unseliger deutscher Traditionen, deren kleinster gemeinsamer Nenner die Ablehnung des "westlichen" (sprich: angelsächsisch-liberalen) Wertefundus war: von K-Grüpplern und RAF-Advokaten (die später zum Teil mühelos die Transformation dieser Republik zum Polizeistaat administrierten) bis zu kaum verschleierten Protagonisten bräunlicher Blut-und-Boden-Ideologie reichte das Spektrum. Daß aus den Blut-und-Boden-Propagandisten von ehedem nun Blut-und-Eisen-Strategen geworden sind, ist weniger kurios als der Beifall, den sie dafür ausgerechnet von selbsternannten Verteidigern westlicher Freiheit erheischen. Aber Politik korrumpiert eben zuerst das Denken.
Stefan Blankertz bemerkte zu den Grünen und ihrem traurigen "Realismus" schon vor zehn Jahren:
»Daß es die Aufgabe der Opposition ist, den Protest ins System einzugliedern, steht soziologisch lange fest. Gleichwohl bleibt es jedes Mal wieder ein trauriges Ereignis, wenn oppositionelle Kräfte, die dennoch um Ehrlichkeit bemüht sind, einen weiteren Schritt in die Richtung der Selbsteingliederung tun.
Soziologie hin, Soziologie her, es ist menschlich gesehen eine Schande, daß die »Grünen«, die sehr wohl eine Wurzel im aufrechten Antimilitarismus haben – nein hatten -, dem dümmsten aller Sätze der Akousion nun beipflichten: Sie stimmten für die Entsendung von Militär, um den Frieden herzustellen oder zu sichern. Wer diese Zustimmung nicht mitmache, rechtfertige den Völkermord. Mit dieser rhetorischen Keule wird die Einsicht erschlagen, daß Krieg Krieg ist und nicht Frieden. Völkermord wird durch Krieg betrieben, und Krieg heizt den Völkermord an, Dem, der gegen den Krieg ist, den Völkermord anzulasten, ist Orwells »Neusprech«. Schon Nietzsche meinte, auf Bismarck bezogen, daß die Deutschen ihre Energie in Politik und Militär verausgabten und darum für die Kultur keine Kraft mehr übrig hätten. Armes Deutschland, daß wir diese Lektion durch zwei Weltkriege nicht gelernt haben.«
Aus Stefan Blankertz: „Die Therapie der Gesellschaft, Perspektiven zur Jahrtausendwende“, 1998
Donnerstag, März 08, 2007
Zeit zum Widerstand gegen die Kinderverstaatlichung!
Auch diese Lektion sollten wir endlich lernen:
Anders als in der noch an gewissen Freiheitstraditionen und einer einzigartig liberalen politischen Kultur festhaltenden Schweiz gibt es hierzulande eben keine demokratischen Möglichkeiten mehr, gegen die gesellschaftspolitische Durchsetzung der egalitaristischen KPD-Programmatik, also gegen Familienetatismus und -sozialismus vorzugehen. In Deutschland ist der tipping point infolge von jahrzehntelanger Entmündigung, Manipulation, Brainwashing (durch Staatsschulen, Staatsunis, Staatsmedien), wohlfahrtsstaatlicher Stallfütterung und strategischer (vor allem geistiger!) Verproletarisierung der Mittelschichten bereits überschritten, so daß es nunmehr weder bürgerliche Wähler noch bürgerliche Politikangebote gibt, (partei-)politisches Engagement mithin reine Vergeudung von Humanressourcen wäre. Was hierzulande bleibt, ist - horribile dictu - der individuelle Widerstand gegen das Sytem. Oder die Flucht."Konservative, zumal christliche Konservative, spielen in der Union die gleiche Rolle wie Liberale in der FDP: die der nützlichen Trottel. Man muss es immer und immer wieder feststellen: die Union ist keine konservative Partei. Merkel, Wulff oder von der Leyen sind keine Konservativen. An ihrer Sozialdemokratie ändern weder Macht-Rivalitäten mit den anderen Sozialdemokraten noch Rhetorik irgendetwas."
Mittwoch, März 07, 2007
Zahlen und Sterben für das totale Europa?
Aber auch mit lauwarmen Wischi-waschi-Bremsversuchen, die sich vor dem politischen Erbe grundsatztreuer EU-Gegner wie Maggie Thatcher und Vaclav Klaus einfach nur hasenfüßig und erbärmlich ausnehmen, ist dem Marsch in die UdSSE wohl kaum zu begegnen. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil! Die Planspiele der Euro-Nationalisten sind mit aller gebotenen Deutlichkeit und Schärfe zu verwerfen! Cameron erhielt denn auch die richtige Antwort von einem Leser des Daily Telegraph:
Building "an EU to be proud of"....an oxymoron, surely. Thanks Dave, see
you at the ballot box. Posted by John Coyle on March 6, 2007 2:42 AM
Oder wie Elaib Harvey zu der von Cameron und Topolanek genährten Illusion einer vermittelnden Position zwischen Zentralisten und Anti-Zentralisten sagt: "a triumph of hope over experience".
Sonntag, März 04, 2007
Einschränkungen der Reisefreiheit
Donnerstag, März 01, 2007
Fiskal-Imperialismus
Dieser Logik folgt offenbar auch der berüchtigte Fiskalkleptokrat Hans Eichel mit seiner neuesten schäbigen Attacke auf die freie Schweiz.
Mittwoch, Februar 21, 2007
Auswanderers Abschied
Mittwoch, Februar 14, 2007
Bildungsdefizit
»Es gibt in Deutschland verhaßte und verrufene Grundsätze, verächtlich aber ist auf deutschem Boden allein der Liberalismus«
Oswald Spengler, Preußentum und Sozialismus, 1920, S.34
Die baden-württembergische Landes-Chefin der "Liberalen Initiative Mittelstand" führt die augenblickliche Ablehnung, die liberalen Ansätzen in der Bevölkerung entgegenschlägt, auf allgemeine Unwissenheit und ein grassierendes ökonomisches Bildungsdefizit zurück. In ihrem eigenen Mitteilungsblatt LIMPULS führt sie unfreiwillig vor, wie weit sich dieses eklatant klaffende Bildungsdefizit auch längst in vorgeblich "liberalen" Parteien und deren Vorfeldorganisationen eingenistet hat.
Anders als etwa der radikal-libertärer Neigungen unverdächtige Ordo-Liberale Prof. Joachim Starbatty fordern die "liberalen" Mittelstandslobbyisten unverholen noch mehr strategische etatistische Industriepolitik. Daß die USA milliardenfach Steuergelder für Raumfahrt und Rüstung verschleudern wird von ihnen gar als vorausschauend und innovationsfördernd positiv hervorgehoben.
Unter anderem heißt es in dem kuriosen Papier:
"Öffentlich finanzierte Forschung muss der Öffentlichkeit leichter zugänglich gemacht werden, ja propagiert [!] werden
...
Wiederentdeckung der Industriepolitik mit dem Ziel eine stärkere und innovative europäische Industrie zu schaffen
...
Ein Neoliberalismus [!], der jegliche Staatsintervention ablehnt, ist nur im nationalen Rahmen möglich. Europäische Champions müssen sich gegen andere Champions, die von ihren Staaten unterstützt werden, behaupten können."
In einem anderen Beitrag über eine Rede des abgehalfterten Ex-Staatssekretärs im Landeswirtschaftsministerium, Dr. Horst Mehrländer, dessen ökonomische Schimmerlosigkeit selbst in gelbsozialistischen Parteikreisen weithin unangefochtenen Seltenheitswert besitzt, wird die deutsche Filmföderungspolitik mit steinzeit-keynesianischer Argumentation angepriesen. O-Ton:
"Der idealtypische Markt steht für Wettbewerb, Leistung, Innovation. Wo staatliche Intervention diese Möglichkeit erst eröffnet, erst Markt schafft, sind wir Liberale gestaltend dabei."
Ein schreiendes Bildungsdefizit!
Sonntag, Februar 11, 2007
Erbschaftssteuer ist Diebstahl!
Gast bei Sabine Christiansen, der obersten "Klofrau der öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten" (Georg Schramm) war heute ein guter, alter Bekannter und langjähriger politischer Weggefährte von mir:Markus Roscher, 43 Jahre, Rechtsanwalt, Spezialist für Erbrecht. In der Einladung für die heutige Sendung wurde er wie folgt angekündigt:
Für den Berliner Rechtsanwalt Markus Roscher ist es ein persönlicher „Herzenswunsch“, zu verhindern, dass der Staat sich auch noch im Erbfall am ehrlich verdienten Geld seiner Bürger bereichert. Fast jeder Mensch zahle in Deutschland sein Leben lang über Mehrwertsteuer, Tabaksteuer etc. unendlich viel Geld an den Fiskus. Da müsse doch wenigstens das Erben Privatsache bleiben. „Erbschaftssteuer ist staatlicher Diebstahl!“, schimpft Roscher. Seinen Mandanten hilft der Spezialist für Erbrecht deshalb dabei, die günstigsten Steuerschlupflöcher zu finden. „Wenn der Staat nicht in der Lage ist, die Ungereimtheiten im Erbrecht zu beseitigen, dann darf er sich nicht beschweren“, findet Roscher. „Der Bürger muss doch nicht freiwillig mehr zahlen als gesetzlich vorgesehen.“
Recht hat er! Bei der Gelegenheit frage ich mich, warum eigentlich die FDP (der er übrigens als aktives Mitglied angehört) sich nicht schon längst die Abschaffung dieser sittenwidrigen Mehrfachbesteuerung auf die Fahnen geschrieben hat?!
In einer freien Gesellschaft ist jedenfalls Erben genauso wie Sterben Privatsache!
Samstag, Februar 10, 2007
Blogger zur Freiheit!
Die Prinzipien des Libertarismus gelten ihnen nicht nur "der Spur nach" oder "im Prinzip ja" (wie bei Radio Eriwan), sondern: Sie gelten. Punkt.
Mögen diese zwei neuen Kinder also wohlwollende Aufnahme in der Gemeinde der entschiedenen Freiheitsfreunde im deutschsprachigen Raum finden!
Die Eltern sind zurecht sehr zuversichtlich, daß ihre noch jungen Sprößlinge wachsen, gedeihen und sich prächtig entwickeln werden. Sie erklären deshalb frank und frei:
Individualanarchistisch, marktanarchistisch, anarchokapitalistisch, libertär - es gibt viele mehr oder weniger unverständliche Bezeichnungen für unsere (anti-)politischen Positionen. Gemeinsam ist uns paxx-Autoren aber vor allem die Begeisterung für die friedliche, emanzipatorische, moderne und radikale Botschaft der Freiheit. Dieser Botschaft wollen wir im paxx:blog und im paxx:zine eine neue, freche, intelligente und hoffentlich auch interessante und unterhaltsame Stimme geben. Wir freuen uns auf eine lebendige Diskussion!
Die paxx-Autoren sind:
Michael Gisiger
Julika Hartmann
Dominik Hennig
Christian Hoffmann
Matt Jenny
Die Freiheitsfabrikanten sind, sogar noch mit Verstärkung, ebenfalls wieder an die Arbeit gegangen und so wird das geistige Kraftfeld derer jeden Tag ein bißchen stärker, die sich von politischen, staatsfrommen Illusionen freigemacht haben.
Allen anderen sei ins Stammbuch geschrieben:
„Die Liberalen, die weiterhin der Illusion sich hingeben, dieser Staat sei „ihr“ Staat, werden von der Krise der Politik hinweggerafft werden: Ihre Glaubwürdigkeit nimmt ständig ab. Auf der politischen Bühne sind auf der einen Seite Technokraten gefragt, die die Maschinerien trostloser bürokratischer Apparate so gut wie möglich handhaben können; auf der anderen Seite Vereinfacher, Populisten und Demagogen, die versprechen, wenn man ihnen die Macht nur gäbe, würden sie’s schon richten.“
Stefan Blankertz, Die Therapie der Gesellschaft
Donnerstag, Februar 08, 2007
Die Anarcho-Kapitalisten haben die besseren Argumente!
"Die sogenannten Anarchokapitalisten, die in den USA - auch unter den Wissenschaftlern der Ökonomie - eine wachsende Fraktion bilden, haben die besseren Argumente als die Minimalstaatler, zu denen auch ich mich zähle. Was die Minimalstaatler davon abhält, den Vertretern des Null-Staates zu folgen, sind nicht die schlüssigeren Argumente, sondern fast ausschließlich Bauchschmerzen, die wir bei dem Gedanken empfinden, auch die innere Sicherheit und das gesamte Rechtswesen privaten konkurrierenden Unternehmen anzuvertrauen. Ob diese Bauchschmerzen berechtigt sind, daran läßt die Tatsache, daß das "demokratische Jahrhundert" zugleich das Jahrhundert der größten Kriege der Menschheitsgeschichte gewesen ist, einige Zweifel aufkommen. Ebenso die Tatsache, daß die Allgemeine Wehrpflicht erst im Gefolge der Verherrlichung der "Volkssouveränität" in der Französischen Revolution die Weltbühne betreten hat, ein Umstand, der die großen, totalen Kriege erst möglich gemacht hat. (Man erinnert sich an das Diktum von Napoleon, der nach der Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht in Frankreich gesagt hat: "Jetzt sind Soldaten weniger wert als Dreck.") Doch ist dieser akademische Streit insofern ohne Belang als wir alle in Maximalstaaten leben und himmelweit vom Minimalstaat entfernt sind. Und die Machtkalküle der politischen Kaste, sowie das Desinteresse und die Unwissenheit der Bürgerschaft werden dafür sorgen, daß dies auch so bleibt."
Roland Baader
Dienstag, Februar 06, 2007
Endstation Zuchthausstaat
Dieses »Ende« in Form eines »Zuchthausstaates« malt dann Richter in seinen Sozialdemokratischen Zukunftsbildern (1891) aus – »frei nach Bebel« - In Form eines fiktiven Tagebuches schildert hier ein zunächst begeisterter Sozialdemokrat den Sieg der Revolution in Berlin und die anschließende Umgestaltung der Gesellschaft: Verstaatlichung, Auflösung der Familie, Herstellung sozialer Gleichheit, Organisation der Arbeit und des Konsums. Dies wird alles nicht abstrakt dargestellt, sondern in persönlichen Erlebnissen. Hinzu kommen Berichte aus dem Reichstag. Es ist dies eine Umsetzung der utopischen Schilderungen Bebels »Die Frau und der Sozialismus« in das praktische Alltagsleben. Wesentliches von dem, was Richter hier schildert, wurde später in den realsozialistischen Ländern bis ins Detail Wirklichkeit, besonders in der Epoche des sogenannten Kriegskommunismus in Rußland.
Man muß Richters konkrete Imagination bewundern. Der Zerfall der Arbeitsdisziplin, die Verknappung und schließliche Rationierung selbst der Grundnahrungsmittel, der Kapitalverzehr, die Schäbigkeit und Monotonie des Alltagslebens, der wachsende Terror, der Verlust auch der geistigen Freiheit, der Zerfall der sozialen Beziehungen – Bilder wie aus der gerade untergegangenen sozialistischen Welt, welche nur noch düsterer waren, als Richter sie hier mit viel Sarkasmus vorführt. So gibt es in diesen Zukunftsvisionen noch eine politische Opposition im Reichstag, die in Gestalt eines »Abgeordneten aus Hagen« - offenbar meint Richter sich damit selber – die Schlußbilanz des in Anarchie und Aufstand untergehenden Experimentes zieht.
Es lohnt sich, aus der Bilanz des fingierten oppositionellen Reichstagsredners einige Stellen zu zitieren: Deutschland starre jetzt von Soldaten und Polizeibeamten, alle Lebensverhältnisse werden vom Staat überwacht. Die mangels Eigeninteresse eingetretene Arbeitsunlust werde mit Wiedereinführung von Zwangsarbeit - »Sklavendienst« - bekämpft. Die Beseitigung der Unternehmer, die allgemeine Einführung des monopolistischen Großbetriebes habe die Produktivität heruntergebracht. »Ihren Betriebsleitern fehlt jedes eigene Interesse, fehlt die Aufstachelung, welche früher auch dort, wo Staatsbetriebe bestanden, die Konkurrenz der Privatbetriebe mit sich brachte … Wohin sind wir geraten? In dem Bestreben, die Nachteile der sozialdemokratischen Produktionsweise auszugleichen, kommen Sie zu Beschränkungen der persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit, welche Deutschland nur noch als einziges großes Zuchthaus erscheinen lassen … Gleiche Arbeitszeit, zwangsweise Zuteilung zu bestimmten Arbeiten, dergleichen kannten wir früher nur in den Strafanstalten … der Küchenzettel in dieser Strafanstalt ist früher vielleicht besser, jedenfalls nicht schlechter gewesen.« Und diesem Zuchthaus sei man lebenslänglich ausgeliefert, entkommen sei nicht möglich (»Aufseher« und Kontrolleure an den Grenzen!). Was an Wissen- und Wirtschaftskapital noch vorhanden sei, sei nur ein Rest aus besseren Zeiten.
Auf der Grundlage dieser Gesellschaftsordnung sei nicht einmal die Bevölkerungszahl zu halten, sie müssevermindert werden. »Viele Milliarden an Werten hat die Umwälzung schon zerstört, Milliarden müßten weiter geopfert werden, um die jetzt vorhandene Desorganisation der Volkswirtschaft wieder zu beseitigen … Jeder Tag der Verzögerung in der Befreiung des Vaterlandes von dieser unseligen Verirrung der Geister führt uns dem Abgrund näher. Darum nieder mit dem sozialdemokratischen Zuchthausstaat, es lebe die Freiheit! « (Protokollvermerk: »Stürmischer Beifall auf der linken Seite und auf den Tribünen, lebhaftes Zischen und große Unruhe
auf der rechten Seite.« Mit der »linken« ist die liberale Seite gemeint). Immerhin gab es hier noch ein Parlament mit liberaler Opposition. Die systematische Liquidierung aller politischen Gegner durch den späteren »realen Sozialismus« vermochte sich Eugen Richter nicht vorzustellen.
Welche Partei steht heute in der Tradition dieses kompromißlosen Freiheitskämpfers? Die FDP etwa? Auf Seite 271f. stellt Habermann fest:
Es ist in der liberalen Programmatik bis heute ein Dualismus zwischen englisch-empirischen und französisch-rationalistischen Argumentationslinien feststellbar, der die Partei ständig mit Spaltungen bedroht. [Eugen] Richterscher Linksliberalismus gilt heute innerhalb der FDP eher als »rechts«.
Montag, Februar 05, 2007
Eugen Richter
Die Sozialdemokratischen Zukunftsbilder des entschiedensten Liberalen der Kaiserzeit, des Reichtsagsabgeordneten Eugen Richter, sind nun neu editiert mit einer exzellenten Einführung von Detmar Doering bei edition eigentümlich frei erschienen. Eine äußerst lohnende, manchmal ob ihrer prophetischen Vorausschau beklommen machende Lektüre, die all jenen Freunden in die Hände zu wünschen ist, die an einer gründlichen Revision der Geschichte des deutschen Liberalismus interessiert sind.
Donnerstag, Februar 01, 2007
Enough is enough! No more politics!
Antoine de Saint-Exupéry
Die entschiedenen Freunde der Freiheit, zu dieser Überzeugung bin ich mittlerweile gelangt, werden mit herkömmlicher Parteipolitik gegen die allgemeine Tendenz nichts mehr ausrichten können. Der Weg der "Bundesrepublik Deutschland" zur Knechtschaft ist vorgezeichnet. Höchste Auswandererzahlen seit den 30er Jahren sind hierfür ein sicherer Indikator. Es gibt kein besseres Frühwarnsystem als die Fluchtbereitschaft der Besten, der (vor allem auch geistig) Mobilsten. Statt uns in verschleißenden Rückzugsgefechten gegen Oberflächenphänomene des wie die Sahara langsam aber unabwendbar vorrückenden Etatismus aufzureiben (so ist etwa eine SPD-Justizministerin, die im Windschatten der EU-Ratspräsidentschaft in treudeutschen Größenwahn europaweit die Marktfreiheit - zunächst "nur" für Zigaretten und "Killerspiele" - sowie die Meinungs- und Bekenntnisfreiheit - zunächst "nur" für Geschichtsrevisionisten und Scientologen - außer Kraft setzen will, nur ein unverkennbares Zeichen für einen politischen Klimawandel; eine UNO, die zielgerichtet und mit dem religiösen Eifer von Kreuzzüglern eine globale Öko-Diktatur zu errichten sich anschickt, ein weiteres, gegen das anzurennen nur die Vergeblichkeit sämtlicher Bemühungen im systemimmanenten Rahmen beweisen würde; aber dieses Beweises bedarf es längst nicht mehr!) sollten wir uns nicht länger in die eigene Tasche lügen, sondern etwas Unerhörtes tun: Widerstehen, vor allem den Versuchungen und Verlockungen parteipolitischer Betriebsamkeit. Mit gradualistischen Konzepten stabilisiert man nur das System, das seine einmal eingeschlagene Marschrichtung aber nicht der paar kritischen Kollaborateure zuliebe auch nur modifizieren wird, nicht einmal wird es die Taktzahl verlangsamen.
Im Gegenteil: je mehr Freiheitsfreunde von den eigenen Grundsätzen aus übelangebrachter Höflichkeit oder "Pragmatismus" abrückend zu Konzessionen gegenüber dem Leviathan bereit sind, um auf so weniger kompromißlosen Widerstand er trifft, umso mehr neigt sich die Waagschale der öffentlich vertretbaren Auffassungen in seine Richtung. Das "Mitmachen, um Schlimmeres zu verhüten" ist die gefährlichste Selbsttäuschung, der Liberale im totalitären Zeitalter des 20. Jahrhunderts oft genug erlegen sind. Das ist keine Frage der Meinung, sondern der Haltung.
Wer weiß denn heute noch, wie hoch die Staatsquote und die Staatsverschuldung im Jahre 1982 war, als die Liberalen vermeinten, man müsse jetzt die Notbremse ziehen und die Regierung Schmidt verlassen? Beide Kennziffern würden uns heute als paradiesisch erscheinen, ihre Erreichbarkeit in den Bereich der politik-fernen Utopie verwiesen!
Für das liberal-demokratische Intermezzo ist der letzte Vorhang gefallen. Die Demokratie entledigt sich ihrer liberalen Legierung und zeigt sich bar jeder Mimikry ungeniert in ihrer wahren, totalitären Blöße. Liberalismus und Demokratie werden fortan getrennte Wege gehen. Zwischen einer Entpolitisierung der Gesellschaft, der Auflösung von Macht- in freiwillig interagierende Tausch- und Marktverhältnisse zwischen selbstbestimmten Individuen und dem Endziel einer kollektivierenden Fundamentalpolitisierung aller Lebensbereiche, wie sie die Demokratie sich aufs Banner geschrieben hat, kann es keinen Kompromiß geben.
Jede "Ja, aber"-Position diskreditiert sich selbst. Man kann nicht auf beiden Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
In den 90er Jahren ließ das Bundesverfassungsgericht (Zufluchtspunkt aller klassisch liberalen Tagträumer von einer refomierbaren BRD) folgenschwerste Anschläge auf das Privateigentum zu. Pars pro toto seien vor allem die Staatshehlerei zu nennende SBZ-Enteignungs-Entscheidung und die Euro-Entscheidung (bzw. Nicht-Entscheidung) genannt, die durch passives Gewährenlassen die Ausplünderung der Bürger durch die herrschende Klasse ermöglichten. Gestern nun ging es einen Schritt weiter und machte sich mit seiner Erbrechtsentscheidung zum Schrittmacher einer obszönen Enteignung der BRD-Untertanen über den Tod hinaus. Wer jetzt noch glaubt, er sei von seiner inneren Loyalität gegenüber diesem System nicht entbunden, der muß sich fragen lassen, ob er nicht schon lange von seinem eigenen Verstand und seiner Zurechnungsfähigkeit entbunden wurde.
Radikale (von lat. radix = die Wurzel!) Freiheitsfreunde, die sich nicht mehr die alten staatsfrommen Lügen auftischen lassen wollen, gehen derweil eigene, unkonventionelle Wege, jenseits der "libertär-konservativen" Holzwege oder "westlich-gelegenheitsliberalen" Sackgassen. Allem voran das Projekt blog.anarchist.tv verdient in meinen Augen besondere Beachtung. Die Macher glauben "an die Vernunftbegabtheit des Menschen, an die Freiheit Aller, an die Gewalt- und Herrschaftslosigkeit, an die Freiwilligkeit jeglicher sozialer Interaktion und an das Eigentum als die Grundlage der Freiheit." Und sie führen auch keinen Eiertanz auf sondern kommen in erfrischender Klarheit gleich zum Punkt:
"Wir sind bekennende Anarchisten."
Als theoretische Grundlagen dieses spannenden individual-anarchistischen Ansatzes, für den ich meine Sympathien von nun an nicht mehr länger verheimlichen möchte, sind insbesondere die Schriften von Stefan Blankertz ("Die Therapie der Gesellschaft. Perspektiven zur Jahrtausendwende" und "Das libertäre Manifest") und das nun endlich auch auf deutsch vorliegende "Neulibertäre Manifest" von Samuel Konkin III, in einer brillanten Übersetzung von Matt Jenny zu empfehlen.
Manchmal braucht es eines letzten, kleinen Anstoßes, um eine lange in einem gereifte Entscheidung zur Tat zu bringen. Bei mir war es heute morgen ein banales Schlagertextchen von Peter Cornelius, das mir nötigen Impuls gab, der alten Hure Politik auf Nimmerwiedersehen zu sagen:
"Denn es ist nie zu spät für einen neuen Weg.
Wenn man auf einmal spürt, daß man am Ende steht,
dann sollte man gehen.
Nein, es ist nie zu spät, auf diesem neuen Weg
lern ich mich selbst versteh’n. Ich weiß genau
ich muß ihn gehen."