Tuesday, January 02, 2007

Isolationismus und Appeasement I

"Dominik, wenn es nach Deinem Isolationismus ginge würden sich die Islamisten in der ganzen Welt freuen... " schallte es mir unlängst auf einer befreundeten Blogger-Seite entgegen. Isolationismus hat hierzulande auf den Kommandobrücken der auf "historical correctness" abonnierten, die Zeitgeschichte regierungsamtlich verwaltenden Reflexionseliten und der ihnen apportierenden Hofjournaille des mainstream keine gute Presse. Bei diesem Begriff, der bei den meisten durch die professionellen Sinnvermittler des medial-edukativ-gouvernementalen Kompelexes abgerichteten Deutschen ähnliche, von der vorgegebenen Lesart der Zeitgeschichte, insbesondere des Zweiten Weltkrieges, diktierte Verdammungsurteile auslöst wie das ihm verwandte Appeasement, kollabiert auch bei so manchem Freiheitsfreund sofort das gesamte Assoziationssystem.

Dabei weckt dieser Begriff schon völlig falsche Vorstellungen, gerade so, als ginge es hierbei darum, Gesellschaften, Länder und Menschen von der Außenwelt abzuschotten, ja, sie hermetisch abzuriegeln, also um Autarkie. Nichts könnte falscher sein als das! "Isoliert" werden soll nichts weiter als die "Macht" (denn Macht korrumpiert, wie wir spätestens von Lord Acton wissen), die "Politik", der "Staat" als Monster Leviathan. So, wie man auch einen aggressiven Computervirus isoliert um ihn daran zu hindern, durch ubiquitäre Ausbreitung seinen Schaden zu potenzieren.

Zum völlig mißverstandenen Begriff des "Isolationismus" schreibt Murray N. Rothbard in "Eine neue Freiheit":

„Bis zur Verleumdungskampagne der späten dreißiger Jahre [des 20. Jahrhunderts] wurden die Gegner des Krieges als wahre „Internationalisten“ angesehen, als Gegner der Größe des Nationalstaats und Anhänger von Frieden, Freihandel, freier Einwanderung und friedlichem kulturellen Austausch zwischen den Menschen aller Nationen.… In sehr wenigen Fällen befürworten diese Antiinterventionisten eine buchstäbliche „Isolation“. Im allgemeinen befürworten sie politische Nichteinmischung in die Angelegenheiten eines anderen Landes, gekoppelt mit wirtschaftlichem und kulturellem Internationalismus im Sinne von friedlicher Freiheit des Handels, der Investition und des Austausches zwischen den Bürgern aller Länder. Das ist auch die libertäre Position.“


Wenn für den Liberalen der Staat an sich ein Übel ist (ob ein notwendiges oder nicht, wollen wir für den Moment dahingestellt sein lassen) steht es dann nicht außer Frage, daß ich als Liberaler ethisch verpflichtet bin, die territoriale Ausdehnung meines Staates auf andere Gebiete, wo er ohnehin nur Unheil stiften würde (denn warum soll staatliches Wirken auswärts plötzlich segensreich sein, wo es doch im Innern immer nur Schaden anrichtet?) nach Kräften zu verhindern?

- Fortsetzung folgt -

1 comment:

Michael Kastner said...

"Dominik, wenn es nach Deinem Isolationismus ginge würden sich die Islamisten in der ganzen Welt freuen... "

War es nicht so, daß der iranische Präsident ganz legal zur UN-Vollversammlung in die USA einreisen durfte? Hat der amerikanische Staat irgendwelche Anstalten gemacht, des Verbrechers habhaft zu werden?

Nach libertärem Recht wäre der iranische Präsident zum Abschuß freigegeben.

So viel zum Thema, bei wem sich die Islamisten mehr freuen dürfen.

Viele Grüße

Michael Kastner