Monday, December 01, 2008

Supertalent: Es bleibt ein übler Nachgeschmack!

Besser hätte auch ich das Unbehagen über das Rührstück "Der gute Hirte" nicht auf den Punkt bringen können als mein liebstes Boulevard-Online-Magazin (man will ja von Zeit zu Zeit auch mal unpolitisch unterhalten werden) Letmeentertainyou.de:


"Doch wie schon bei der vergangenen „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel bleibt ein übler Nachgeschmack: Die oftmals einseitige Berichterstattung über die Castingkandidaten sowie allzu deutliche Jury-Statements sorgen für eine klare Wettbewerbsverzerrung.

Natürlich gewinnt immer wieder der Hartz-IV-Empfänger, der im Idealfall noch weitere Leidensgeschichten mitbringt. Denn genau der lässt sich am besten vermarkten und beschert RTL ein emotionales und quotenstarkes Tränenfinale!"

9 comments:

Daniel Drungels said...

Das ist mir völlig egal. Ich würde auch für ein Schnabeltier anrufen, solange es nur Mundharmonika spielt.

Anonymous said...

Tja, Bohlen ist eben ein cleverer Geschäftsmann!

Dominik Hennig said...

Bohlen repräsentiert jene Milieus geistiger Ödnis, in denen es tatsächlich nicht als deplaziert empfunden wird, an einem seinesgleichen suchenden Ausnahmeartisten weniger seine atemberaubenden Choreographien am Trapez, sondern dessen Suspensorium einer eingehenderen Betrachtung für würdig zu erachten.
Und genau diese Milieus haben auch schon Medlock und TG zu "Superstars" gemacht. RTL ist Deutschlands Prolo-Sender und Bohlen ist seine ideale Galionsfigur!

stierfrau said...

Lieber Dominik, wie recht du hast, genau das hat mich sehr sehr aufgeregt. Auf was für ein Niveau sinkt man hier ?
Es hat mich auch schon bei DSDS- Superstar aufgeregt, wie man den TG und auch vorher den MM gepusht hat, und wie leicht doch Menschen zu manipulieren sind, um diejenigen hervorzuheben, von denen man sich erst mal das meiste Geld verspricht, egal, ob sie das von der Leistung her verdienen oder nicht.
So, wie zum Beispiel eindeutig Fady hätte auf Grund seiner enormen Leistung und Stimme hätte gewinnen müssen, gab es auch jetzt beim Supertalent Leistungen, an die Michael Hirte nicht heranreicht. Nicht, dass man das den Gewinnern dann nicht gönnt, und dass sie etwa nichts leisten, aber mich bringt diese Ungerechtigkeit in Wut, denn es gab auch beim Supertalent wesentlich bessere Talente.
Und ich dachte immer, nur das wahre Talent wäre gefragt und nicht die rührseligste Geschichte eines Supertalent-Anwärters.
Und wenn ich lese, dass Herrn Hirtes CD bereits bald in den Läden zu kaufen ist, also offensichtlicher kann der ganze Betrug doch kaum sein...oh, Mensch...

luke said...

Zwingt euch doch keiner, euch den Mist reinzuziehen.

Wer freiwillig RTL schaut, hat nichts anderes verdient (und will auch nichts anderes).

Dominik Hennig said...

Wer Nutella kauft, will daß auch Nutella drin ist und wer Supertalent schaut will auch, daß es um ein Supertalent geht und nicht um ein sozialromantisches Sauerkitsch-Dramolett.

Im übrigen darf man durchaus Fernsehsendungen kritisieren, die man schaut. Ansonsten wäre in Deutschland ja der TV-Abstinenzler Marcel Reich-Ranicki ja der einzig zur Kritik Befugte! Absurd!

luke said...

Du darfst natürlich kritisieren, so viel du willst (Ich halte es lieber mit der TV-Abstinenz, ist besser für meine Leber). Aber die Erwartung, bei einer massentauglichen Talentshow Marke Bohlen solle gefälligst allein der künstlerische Aspekt eine Rolle spielen, zeugt doch selbst von einer gewissen Sozialromantik.

Kultur ist inzwischen, allen Widerständen zum Trotz, größtenteils demokratisiert und den Gesetzen des Marktes unterworfen worden (quel malheur!). Talent haben viele, Talent und eine sozialdemokratisch-leitkulturkompatible Heldengeschichte schon weniger. Hast du wirklich etwas anderes erwartet?

Und an der Minderheit, die einen Sinn für die Ästhetik von Trapezchoreographien hat, wird Christoph Haese nach seinen TV-Auftritten sicherlich gut genug verdienen. Wäre es dir lieber, er würde in der Bohlen'schen Marketingmaschine zerrieben? Schon Jesus Christus wusste: "Eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf dass sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen."

Schnabi said...

Das bringt's genau auf den Punkt. Danke, Dominik.

Anonymous said...

Es gilt der alte Satz von Oliver Kalkofe: "Wäre das deutsche Fernsehen ein Pferd, man hätte es längst erschossen!" ;-)