Mittwoch, August 31, 2005

Land of Hope and Glory

In England laesst es sich - insbesondere im Lichte der Wetterverhaeltnisse auf dem Kontinent - derzeit wirklich aushalten. Aber nicht nur der suedenglische Sommer, der mich die meiste Zeit im Cockington Park, ausgeruestet mit einem Spectator, unweit Torquay zubringen laesst (und die Abende in gemuetlichen Pubs oder am Hafen von Torquay), versprueht seinen Charme. Es ist auch das viel offenere (Meinungs-)Klima dieser freiheitsliebenden Nation, das schon ein Blick in beliebige Zeitungen jedweden Formats einen wehmuetig ob der deutschen Zustaende werden laesst.

Im Economist dieser Woche bin ich auf einen lesenswerten Artikel ueber die deutschen Liberalen gestossen, in welchem u.a. Lord Ralf Dahrendorf gewuerdigt wird (nun gut, mir waeren bessere Exponenten des Liberalismus eingefallen, aber sei's drum), der immerhin erklaert, sein Verlangen nach der Freiheit sei fuer seinen Entschluss zu emigrieren ausschlaggebend gewesen. Gauben wir ihm gern, wenngleich er fuer meinen Geschmack noch immer zu viel sozialdemokratischen (vulgo: deutschen) Ballast mit sich herumschleppt. Den Fehler hat F. A. Hayek, der Gruender des London Institute of Economic Affairs nicht gemacht. Hayek ist im Vergleich zu Dahrendorf der englischere Denker!

Dann habe ich gestern noch Musikgeschaefte in Paignton und Brixham durchstoebert und mir eine CD von Richard Tauber zugelegt. Auch so eine tragische Geschichte: der deutsche Ausnahme-Tenor wurde nach seiner durch die Nazis erzwungenen Emigration nach England zunaechst dort populaer, dann ein gefeierter Weltstar.


Als besonderes Schmankerl heute noch ein Verslein von William Wordsworth, dem patriotischen Poeten Englands, der von 1770 bs 1850 lebte, ueber "England and Switzerland":

Two voices are there, one is of the Sea,
One of the Mountains, each a mighty voice:

In both from age to age thou did'st rejoice,
They were thy chosen music, Liberty!

Montag, August 29, 2005

In Deutschland wabert das ungesunde Volksempfinden

Zitat von "Liberalen"-Chef Guido Westerwelle vom heutigen Tage (Quelle SPIEGEL):

"Man muß zur Kenntnis nehmen, daß manche politische Erfahrung aus der DDR es wert wäre, wiederaufgenommen zu werden"

Nee, danke, 13 Jahre haetten mir eigentlich gereicht. Aber seither tut ihr im Westen ja auch alles, damit ich mich irgendwie heimisch fuehle in Eurer softsozialistischen Republik. Bloss Bautzen habt Ihr noch nicht wieder aufgemacht. Vorlaeufig jedenfalls nicht.

Derweil geht CDU-Vize Wulff noch einen Schritt weiter zurueck in unserer teutonischen Irrwegshistorie und proklamiert gegen einen Minimalsteuerstaat `a la Kirchhof das "deutsche Gerechtigkeitsgefuehl". Heute schon gekotzt?

Ich ziehe mich jetzt mit meinem Daily Telegraph zu einem Cornish Cream Tea zurueck und lasse mir das kollektivistisch verseuchte Hunnenland am Allerwertesten vorbeigehen.

Wenn der Wahlkampf so weiter geht, lege ich am Londoner Ehrenmal von Bomber-Harris noch einen Kranz ab mit einem donnernden "Da Capo!" !!!

Freitag, August 19, 2005

Bin schon weg!


Da sie in Deutschland alle am Rad drehen, gönne ich mir jetzt mal eine Auszeit.

Rule Britannia!

Dienstag, August 16, 2005

Recht und Ordnung oder starker Staat?

Man muß sich entscheiden:

http://www.ef-magazin.de/Portugal.pdf

Der große Gangster schützt uns nicht vor den kleinen!

Montag, August 15, 2005

Klartext. Mut. FDP!







Es gibt sie noch: die ECHTEN Liberalen in der FDP!

http://www.starkeFDP.de

Übergeschnappt III

Das außenpolitische Credo der FDP:

"Länder, die in Freiheit leben, haben eine besondere Verpflichtung, auch anderen zur Freiheit zu verhelfen." (Quelle: http://martin-hagen.blogspot.com/2005/08/liberale-auenpolitik.html#comments )

Das ist so ziemlich das Gegenteil eines Liberalismus im Geiste von Cobden, Bright, Bastiat und Eugen Richter, die militärischen Interventionismus und moralische Hybris stets abgelehnt haben. Es ist - nebenbei bemerkt - auch unamerikanisch, wenn man sich George Washingtons Rat, sich aus fremden Händeln herauszuhalten, zu Herzen nimmt.

Merke: Der Krieg ist der Jungbrunnen des Staates!

Siehe auch: http://www.liberalismus.at/Blog/2005/08/von-wirtschaftskrise-zu.php

Übergeschnappt II

Oder wächst einfach nur zusammen, was zusammen gehört?

Meldung aus der heutigen www.taz.de :

Ex-DVU-Kreischef bei WASG aktiv
BERLIN taz In der Stadt Brandenburg/Havel soll ein ehemaliger Funktionär der rechtsextremen DVU im Wahlstab der Linkspartei.PDS mitgewirkt haben. Die Potsdamer Neuesten Nachrichten meldeten am Wochenende, der frühere DVU-Kreisvorsitzende Manfred Friedrich habe bis Freitag in der Wahlzentrale gearbeitet. Er sei dort der offizielle Vertreter der linken WASG gewesen. Nachdem er sich von 2000 bis 2004 in der DVU betätigt habe, sei Friedrich im Juli 2005 in die WASG eingetreten und schnell zum Schatzmeister und Vorstandsmitglied im Kreisverband aufgestiegen. Der SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness sagte, es sei "bezeichnend, dass die PDS jetzt sogar mit Ex-Nazi-Funktionären kooperiert". Linkspartei-Chef Lothar Bisky sagte dazu, er wolle nicht mit Leute zusammenarbeiten, "die jahrelang Fremdenfeindlichkeit vertreten haben". Der Landesvorsitzende Thomas Nord erklärte, man dürfe Leute wie Friedrich zwar nicht ausgrenzen, doch sollten sie so kurze Zeit nach ihrem Wechsel keine politische Verantwortung übertragen bekommen.
taz Nr. 7742 vom 15.8.2005, Seite 7, 36 Zeilen (TAZ-Bericht)

Übergeschnappt I

Diese Mail erhielt ich heute von einem ehemals führenden Exponenten des "national-liberalen" Berliner FDP-Flügels:

"Liberalsmus ist die Lehre von der Freiheit der Menschen - nicht die von freien Kapitalverkehr...Bin Vater von drei Kindern. Kann nur die Partei der "kleinen Leute" wählen.Hoch lebe Oskar unsere neue Lichtgestalt.Er wird uns wieder zum Licht führen. Endlich gibts eine redlicheAlternative zu den ganzen Quatschköppen.Hurra, hurra, hurra"

Freitag, Juli 15, 2005

Ronny Ziesmer stellt die Weichen in Richtung Zukunft

Bemerkenswert, welche Fortschritte Ronny innerhalb nur eines Jahres gemacht hat. Und Hut ab vor seiner Courage!

http://gymmedia.com/prioNOlang.asp?id=2742&sp=1&rt=AG

Ich kann ihm dabei nur alles Gute wünschen - und bin gespannt, wie sein Studium der Biotechnologie verlaufen wird. Ich verspreche mir ja sehr viel von den Heilungsmöglichkeiten infolge der (hierzulande faktisch verbotenen!) Forschung an emryonalen Stammzellen. Wir hatten unlängst an der Uni Würzburg eine Veranstaltung zum Thema "Stammzellenforschung", bei der es hauptsächlich um die verfassungsrechtlichen und moralisch-religiösen Implikationen ging und um die für unsere Forscher unhaltbare Situation, stets mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Der Hollywood-Schauspieler Christopher Reeve hat sich zu Lebzeiten ebenfalls für die Stammzellenforschung stark gemacht und dabei auch Unterstützung von Kaliforniens republikanischem Gouverneur Arnold Schwarzenegger (der sich in dieser Frage gegen seine von religiösen Fanatikern okkupierte Partei stellte) erhalten. Diese Entschiedenheit brauchen wir auch bei uns: für eine Ethik des Handelns und des Heilens - und nicht verquasten verfassungspolitischen Moralismus!

Montag, Juli 11, 2005

Freitag, Juli 08, 2005

Für einen wehrhaften Liberalismus!*

Wie Hans-Hermann Hoppe schon feststellte: "...immigration policy of the U.S. and other Western countries during the last few decades has made it possible that people alien or even hostile to Western values can easily come and infiltrate the Western world."

Meine Rede! Das Recht zur Selbstverteidigung ist ein (westliches) Grundrecht. Auch das Hausrecht. Sollten wir davon nicht endlich Gebrauch machen und uns unserer erklärten Feinde zu erwehren beginnen?


*) Nicht zu verwechseln mit der unüberbietbar albernen und tendenziell ideokratischen Konzeption einer "wehrhaften Demokratie", bei der Grundrechte zu Kompetenznormen des Staates umdefiniert werden und die Freiheit von "Werten" erdrosselt.

Donnerstag, Juli 07, 2005

Grundkurs: Libertäre und Verfassungsschutz

Eine libertäre Geisteshaltung ist mit der Akzeptanz der Daseinsberechtigung einer Ideologiekontrollbehörde mit der Lizenz zur hoheitlichen Verrufserklärung namens "Verfassungsschutz" allenfalls im geistigen Zustand der Schizophrenie vereinbar. Es kommt dabei nicht darauf an, was der "Verfassungsschutz" in seinen "Berichten" verlautbart, da ihm dieses Recht von vorneherein nicht zugestanden werden kann. Einschätzungen des "Verfassungsschutzes" sind für veritable Libertäre völlig irrelevant, null und nichtig! Wer den Verfassungsschutz für zitierfähig und - würdig hält, verabschiedet sich damit aus dem Kreise ernstzunehmender Libertärer.

Mittwoch, Juli 06, 2005

Tom Palmer hat gewaltigen Riß in der Schädeldecke!

Wie einer mit Unflat um sich wirft:

http://www.tomgpalmer.com/archives/022289.php

http://www.tomgpalmer.com/archives/022319.php


Mich macht es traurig, daß einige Libertäre den Gegner am liebsten in den eigenen Reihen suchen. Was diese insgesamt schädlichen Attacken gegen Hoppe bewirken werden, kann unter dem Strich nur eine Diskreditierung ALLER Libertären in der öffentlichen Wahrnehmung sein, auch derjenigen, die aus sehr leicht zu durchschauenden Motiven ihm die öffentliche Aufmerksamkeit, die seine harsche Demokratiekritik erregt hat, mißgönnen, weil ihnen vergleichbares selbst versagt blieb. Was mediokre Erscheinungen wie Palmer (und einige Kläffer im deutschen Sprachraum) sich an persönlicher Vorteilsgewährung durch die tonangebenden Meinungseliten von diesem intellektuell erbärmlichen Hoppe-Bashing versprechen, wird jedenfalls nicht eintreten. SIE WERDEN DADURCH NICHT DAS WOHLGEFALLEN DES ESTABLISHMENTS ERRINGEN, MÖGEN SIE ALS "GUTE LIBERTÄRE", DIE SICH NICHT MIT SCHMUDDELKINDERN EINLASSEN, AUCH NOCH SO UM DESSEN ZUGEWANDTHEIT BUHLEN, SONDERN MIT VERACHTUNG GESTRAFT. UND DAS VERDIENEN SIE AUCH!

Ganz abgesehen davon: Nach dem Trash-Beitrag von Götz Kubitschek in der letzten JF-Nummer und der in den letzten Wochen verstärkt zu beobachtenden lafontainesken Tendenz des Blattes sollten wir tatsächlich unser Verhältnis zur "Jungen Freiheit" überdenken. Nur dürfen die Kriterien des sogenannten "Verfassungsschutzes" - ohne den es bspw. die ostdeutsche Neonazi-Szene garnicht gäbe - für uns kein Kriterium sein!

Mein Geduldsfaden mit Links-Libertären und Staats-Konservativen ist gerissen!!!

Mittwoch, Juni 29, 2005

Tacheles!

„Freiheit statt Demokratie“

(Interview aus der "Jungen Freiheit" vom 22.06.05)

Der libertäre Vordenker und bekennende „Antidemokrat“ Hans-Hermann Hoppe über seine provokanten Thesen


Von Moritz Schwarz

Herr Professor Hoppe, Sie sind bekennender Antidemokrat. Haben Sie bei Ihrer Vortragsreise durch Europa nicht Schwierigkeiten bei der Einreise in die Bundesrepublik bekommen?

Hoppe: Nein, und ich rechne auch nicht damit, daß dies in der Zukunft passieren wird. Ich habe in Dutzenden von Ländern in der ganzen Welt Vorträge gehalten, nie sind mir dabei Schwierigkeiten gemacht worden.

Wie kommt es, daß Sie in einem so „betont demokratischen“ Land wie Deutschland mit Ihrer Einstellung ein so gerngesehener Gast sind, zum Beispiel unlängst bei der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung?

Hoppe: Weil ich anders bin und etwas anderes zu sagen habe als die „Langweiler vom Dienst“ in der Politik und den „führenden“ Medien. Ich bin provokativ und biete intellektuelle Unterhaltung und Aufklärung gekonnt und auf höchstem Niveau.

Ihre These lautet, die Demokratie ist eine politische Ordnung, die nicht die Herrschaft des Volkes garantiert, sondern seine Ausbeutung.

Hoppe: Das Wesen der Demokratie ist die Umverteilung, die sich entsprechend der Verteilung der politischen Macht vollzieht. Das heißt, diejenigen, die an der Macht sind, verteilen zugunsten der eigenen Klientel und auf Kosten der Klientel der anderen Partei um. Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun, und Grundrechte wie das auf Eigentum sind im Zweifelsfall schnell perdu. Verschärfend kommt hinzu, daß die Partei, die gerade herrscht, dazu nur vier Jahre Zeit hat – bis wieder gewählt wird. Um so schneller und verantwortungsloser vollzieht sich diese Umverteilung. In der Monarchie dagegen, als deren „glückliche“ Überwindung die Demokratie zu Unrecht gilt, war der Staat potentiell für immer in den Händen ein und derselben Dynastie. Dementsprechend schonend geht ein Monarch mit seinem „Besitz“ um. In der Demokratie gehört der Staat dagegen keinem, dementsprechend hemmungslos saugt ihn die gerade herrschende Partei aus.

Zum Beispiel?

Hoppe: Zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland. Der Kern der gegenwärtigen fundamentalen Krise dieses Landes ist, daß die Politiker den Wählern jahrzehntelang mehr und immer mehr versprochen haben. Sie haben verteilt, was volkswirtschaftlich gesehen gar nicht zum Verteilen da war, nur um wiedergewählt zu werden. Und die Wähler haben sich willig bestechen lassen, wohlwissend, was vor sich geht. Aber alle wollten eben ihren Nutzen aus diesem gigantischen Raubzug ziehen. Das Paradebeispiel ist Konrad Adenauer, der seine Rentenreform gegen den guten Rat der Fachleute durchgeführt hat, nur um Wähler zu gewinnen, ohne Rücksicht darauf, daß er damit den Keim der Vernichtung in das bundesdeutsche Rentesystem gepflanzt hat. Heute sind in Deutschland die Kassen leer und die Schulden nicht mehr zu tilgen. Alle schimpfen auf diejenigen, die damals über die Verhältnisse gelebt haben. Das ist Unsinn! Diese Leute haben sich lediglich gemäß den Regeln des Spiels verhalten. Schimpfen Sie nicht auf die Spieler, wenn Ihnen das Spiel nicht paßt, schimpfen Sie auf die Regeln! Schimpfen Sie auf die Demokratie! Freiheit statt Demokratie!

Müßten Sie nicht konsequent von allen Demokraten ausgeladen und bekämpft werden?

Hoppe: Was die guten Demokraten betrifft, so haben Sie gewiß recht. Aber gute Demokraten – also Vertreter des Prinzips, daß A und B, weil sie gegenüber C eine Mehrheit bilden, letzteren deshalb berauben oder bevormunden dürfen – sind für mich nur „moderate“ Kommunisten, und von denen nicht eingeladen zu werden, betrachte ich als eine Ehre. Nur gibt es gar nicht so viele Personen, die sich zu diesem Prinzip bekennen, wenn es denn erst einmal klar ausgesprochen wird. Es gibt weder in der Familie Demokratie noch in der Kirche, insbesondere der katholischen, noch in der Wissenschaft oder der Wirtschaft. Nirgendwo ist jede Stimme gleich. Überall gibt es Grade natürlicher Autorität.

Sind Sie ein Fall für den Verfassungsschutz?

Hoppe: Der Verfassungsschutz weiß doch gar nicht, was er mit mir und meiner Position anfangen soll. Ich befinde mich völlig außerhalb der gängigen politischen Klassifikationsschemata. Zwar bin ich ein Feind des demokratischen Staates, aber zu behaupten, ich sei ein Feind der Freiheit, des Privateigentums, der Familie und all dessen, was dem Normalbürger wert und teuer ist, ist absurd, geradezu zum Totlachen. Auch der Verfassungsschutz benötigt die Rückendeckung der öffentlichen Meinung. Ich bezweifele, daß es gelingt, mich zu einem Ungeheuer zu stempeln.

Immerhin, unlängst gab es doch Probleme: Allerdings nicht wegen des Antidemokraten Hoppe, sondern wegen Ihres Gegenparts, des konservativen Verlegers Götz Kubitschek, der pikanterweise die Demokratie in Gestalt des Staates gegen Sie verteidigte. Die Uni Greifswald hat der Veranstaltung – mit dem Hinweis, Kubitschek sei ein „rechter Intellektueller“ – die Räume entzogen (JF berichtete).

Hoppe: Die ganze Affäre erscheint mir symptomatisch für die politische Befindlichkeit in Deutschland.

Inwiefern?

Hoppe: Demokratie hat eben nichts mit Freiheit zu tun. Demokratie ist eine von Demagogen angereizte und unsicher gesteuerte Herrschaft des Mobs. Insbesondere die deutsche Demokratie trägt Züge eines weichen, durch weitgehende und als solche oft kaum mehr wahrgenommene Selbstzensur gekennzeichneten Totalitarismus.

Wieso sind Sie 1985 ausgerechnet in die USA ausgewandert, die sich selbst als Mutterland der Demokratie betrachten?

Hoppe: Nach meiner Habilitation 1981 war ich für fünf Jahre Empfänger eines Heisenberg-Stipendiums. Es hieß inoffiziell, daß man nach Ablauf des Stipendiums gewiß mit einem Lehrstuhl rechnen könne. Mir wurde aber schnell klar, daß dies in meinem Fall, mit meinen Auffassungen, sicher nicht eintreffen würde. Darum bin ich 1985 in die USA gezogen, in der, wie sich herausstellen sollte richtigen Annahme, daß der akademische Arbeitsmarkt – wie der Arbeitsmarkt generell – dort noch flexibel genug sei, um auch Außenseitern wie mir eine Chance zu eröffnen. Es ist mir nicht leichtgemacht worden, mich in Amerika erfolgreich durchzusetzen. Aber in Deutschland wäre ich untergegangen, dort habe ich dagegen von Anfang an Freunde und Förderer gefunden.

Sie sprachen vom „Totalitarismus“ der Demokratie. Meinen Sie die „Political Correctness” (PC)? Auch die stammt aus den USA!

Hoppe: Es stimmt, die PC-Bewegung in Amerika ist zweifellos älter als in Deutschland und Europa. Sie hat mit der sogenannten „Bürgerrechtsgesetzgebung“ Mitte der sechziger Jahre begonnen und findet heute in einer Vielzahl beinahe alle Lebensbereiche erfassender „affirmative action“-Bestimmungen, Quotenregelungen und Diskriminierungsverboten Ausdruck. Mittlerweile gibt es eigentlich nur noch eine einzige nicht-geschützte Personengruppe: weiße heterosexuelle Männer. Sie sind die für alles Unheil der Welt verantwortliche „Tätergruppe“. Alle anderen Personengruppen sind ihre „Opfer“. Ob die Situation heute in Amerika schlimmer oder bedrohlicher ist als in Europa ist schwierig zu beurteilen. In den USA treibt die Political Correctness wohl die verrückteren Blüten. Aber obwohl Sündern wider den korrekten Geist das Leben schwergemacht und nicht selten die Karriere ruiniert wird, wird man doch, im Unterschied zu Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern, zumindest nicht mit strafrechtlichen Sanktionen bedroht, wenn man sich über besonders heikle Themen äußert.

Zum Beispiel?

Hoppe: Denken Sie nur an den Volksverhetzungsparagraphen, der Äußerungen bestimmter Art über die jüngere deutsche Geschichte, selbst wenn sie nur als untersuchungswürdige Vermutungen gekennzeichnet werden, unter Strafandrohung stellt. Damit erreicht man meines Erachtens nur das genaue Gegenteil dessen, was beabsichtigt ist. Wenn bestimmte Äußerungen verboten sind, stellt sich beinah automatisch der Verdacht ein, daß an ihnen möglicherweise doch etwas dran ist. Denn warum sollte man sonst zu so einer drastischen Maßnahme wie einem Sprachverbot greifen?

Zurück zur Demokratie: Wenn die Demokratie nicht eine Form der Freiheit, sondern eine Form der Ausbeutung ist, was bedeutet das dann für den Gründungsmythos der Demokratie in Europa, die Französische Revolution?

Hoppe: Gewiß muß das Bild von der Französischen Revolution noch grundlegend berichtigt werden, wenngleich es in den letzten Jahren schon erhebliche Fortschritte in dieser Richtung gegeben hat. Die Französische Revolution gehört in dieselbe Kategorie von üblen Revolutionen wie die bolschewistische Revolution und die nationalsozialistische Revolution. Königsmord, Egalitarismus, Demokratie, Sozialismus, Religionshaß, Terror, Massenplünderung, -vergewaltigung und -mord, die allgemeine militärische Zwangsverpflichtung und den totalen, ideologisch motivierten Krieg – all das verdanken wir der Französischen Revolution.

Das ist jetzt über 200 Jahre her. Wie konnten sich die Völker so lange so täuschen?

Hoppe: Die meisten Personen, immer und überall, sind töricht und dumm. Und der sogenannte Wohlfahrtsstaat und das „öffentliche“ Bildungswesen trägt dazu bei, die Bevölkerung noch weiter zu verdummen. Sie denken nicht selbst, sondern beten das nach, was ihnen von den Eliten erzählt wird. Und die Eliten haben nur allzu oft ein Interesse daran, die Massen dumm zu halten, da sie selbst von dieser Dummheit profitieren.

Sie betrachten nicht nur die Demokratie, sondern gleich den Staat an sich als eine Fehlentwicklung der Geschichte. Wieso hat sich all das denn entwickelt, wenn es so überflüssig ist?

Hoppe: Versetzen Sie sich in die Lage vor 1989. Da hätte man fragen können: Sie halten den Sozialismus für eine Fehlentwicklung, wieso hat er sich dann entwickelt? Die Antwort: Die Geschichte ist kein geradliniger Prozeß, in dem es immer nur vorwärts und aufwärts geht. Es gibt auch Fehlentwicklungen. Der Sozialismus stellt eine solche, kurzfristige Fehlentwicklung dar, der Staat eine andere, langfristigere. Und ja, natürlich erfüllen beide auch eine „wichtige“ Funktion: Der Sozialismus erlaubt der sozialistischen Partei, die produktiv arbeitende Bevölkerung zum eigenen Vorteil auszubeuten, und der Staat leistet das gleiche für die Etatisten.

Sie werfen dem Konservatismus vor, im Grunde nichts anderes als „Sozialismus“ zu sein. Sind aber nicht vielmehr Sie – mit Ihrem utopischen Menschenbild vom unbedingt eigenverantwortlichen Menschen – der „Sozialist“?

Hoppe: Sehen Sie sich einmal das über 150 Jahre alte Kommunistische Manifest an, dann werden Sie mir zustimmen, daß die konservativen Parteien der Gegenwart einen Großteil der sozialistischen Ideologie geschluckt haben. Der Niedergang der SPD, den wir gegenwärtig in Deutschland erleben, ist kein Zeichen einer Abkehr vom Sozialismus, sondern seines Triumphes: Es gibt keinen besonderen Grund mehr, SPD zu wählen, wenn doch alle Parteien sozialdemokratisch sind! Von daher erhoffe ich mir auch so gut wie nichts von der bevorstehenden „Wende“ von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb durch die voraussichtliche Bundestagswahl im Herbst. Was die Frage des Utopischen angeht, so irren Sie sich: Die Sozialisten sind Utopisten, denn sie gehen davon aus, daß es mit der Ankunft des Sozialismus auch zu einer Wandlung der menschlichen Natur kommt. Das ist natürlich Unsinn, frommes Wunschdenken. Libertäre wie ich sind dagegen Realisten. Wir nehmen die Menschen, wie sie sind – gut und böse, friedfertig und aggressiv, altruistisch und egoistisch, produktiv und unproduktiv, fleißig und faul, verantwortungsvoll und verantwortungslos etc. – und glauben nicht, daß die menschliche Natur grundsätzlich wandelbar ist. Als Realisten sind wir nur davon überzeugt, daß Anreize immer und überall wirken. Es muß eine institutionelle Anreizstruktur geschaffen werden, die „gutes“ Verhalten belohnt und „schlechtes“ bestraft. Das wird „schlechtes“ Verhalten zwar nicht beseitigen, aber es wird seine Häufigkeit und Heftigkeit vermindern.

Und diese Anreize schafft eben zum Beispiel der demokratisch kontrollierte Rechtsstaat konservativ-altliberaler Prägung!

Hoppe: Die Institution eines Staates, die im Unterschied zu allen anderen Institutionen Zwangsabgaben (Steuern) erheben darf und die in allen Konfliktfällen, einschließlich solcher, in die sie selbst verwickelt ist, letztendscheidender Richter ist, setzt falsche Anreize: Zum einen erlaubt sie es Personen, ein Einkommen zu erzielen, ohne dafür Güter oder Dienstleistungen erbringen zu müssen, die freiwillige Abnehmer finden. Mit anderen Worten: Sie belohnt Personen dafür, minderwertige Güter oder gar „Ungüter“ herzustellen. Zum anderen schafft der Staat einen Anreiz dafür, Konflikte nicht zu schlichten, sondern sie selbst zu provozieren, um sie dann zu eigenen Gunsten zu entscheiden. Mit anderen Worten: Der Staat belohnt das Begehen von Unrechtstaten. „Der Sozialstaat wird untergehen, wie einst die UdSSR“

Ihrer Analyse vom zwingend erfolgenden Niedergang des Wohlfahrtsstaates ist derzeit leider schwerer denn je zu widersprechen. Werden wir Deutschen tatsächlich unser liebstes politisches Kind, den deutschen Sozialstaat, verlieren?

Hoppe: Der sogenannte Sozialstaat – eigentlich handelt es sich bei dem, was wir sozial nennen um „Stehlen und Hehlen“, aber nicht um echte, freiwillige und nur darum moralisch zu nennende Sozialpolitik – wird ebenso sicher zusammenbrechen, wie der Kommunismus zusammengebrochen ist. Das ganze Sozial-„Versicherungssystem“, der Generationen-„Vertrag“, ist wie ein Kettenbrief zum Absturz verurteilt. Jeder private Geschäftsmann, der ein solches „Versicherungssystem“ anbieten wollte, würde sofort als Gauner verhaftet. Daß man in Deutschland immer noch, selbst angesichts steigender Lebenserwartungen und sinkender Geburtenraten, so tut, als habe man es mit einer großen Erfindung zu tun, zeugt deshalb nur davon, wie verantwortungslos, ja geradezu gemeingefährlich die gesamte Politikerklasse hierzulande ist.

Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe gilt als einer der profiliertesten Vordenker der weltweiten libertären Bewegung. Geboren wurde er 1949 in Peine. Er studierte Soziologie und Ökonomie und wanderte 1985 in die USA aus, um bei Murray Rothbard zu studieren, dessen Lehrstuhl er schließlich übernahm. Hoppe ist „Distinguished Fellow“ am Ludwig von Mises Institute in Auburn, Herausgeber des Journal of Libertarian Studies und Autor verschiedener Bücher. Seine provokante Studie „Demokratie – Der Gott, der keiner ist“ (Verlag Manuscrpitum, 2003) erreichte in den USA sieben Auflagen und wurde bislang ins Deutsche, ins Spanische und ins Koreanische übertragen. Übersetzungen ins Polnische und Italienische sind in Vorbereitung.



Siehe auch:

http://www.hanshoppe.com

Dienstag, Juni 21, 2005

Wir brauchen einen liberalen Radikalismus!


Schon Hayek wußte, daß wir, die Freunde der Freiheit, innerlich brennen müssen, um die Eisberge um uns herum zum Schmelzen zu bringen!


"Wir müssen die Einrichtung einer freien Gesellschaft wieder zu einem intellektuellen Abenteuer machen, zu einer mutigen Tat. Was uns fehlt, das ist ein liberales Utopia, das ist ein Programm, das weder als bloße Verteidigung der Dinge, wie sie sind, noch als abgeschwächte Form des Sozialismus erscheint, das ist ein wahrhaft liberaler Radikalismus, der sich nicht vor Kritik an den Mächtigen (einschließlich der Gewerkschaften) scheut, der nicht zu streng praktisch ausgerichtet ist und der sich nicht selbst auf das beschränkt, was heute als politisch möglich erscheint.

Wir brauchen intellektuelle Führer, die darauf vorbereitet sind, den Verlockungen von Macht und Einfluß zu widerstehen und die gewillt sind, für ein Ideal zu arbeiten, wie gering auch die Aussichten auf eine schnelle Realisierung sind. Sie müssen Menschen sein, die sich an Prinzipien halten wollen und für ihre vollständige Realisierung kämpfen, wie weit entfernt diese auch sein mögen. ... Freier Handel und Freiheit der Chancen sind Ideale, die die Begeisterung einer großen Zahl wecken können, aber eine bloße "vernünftige Freiheit des Handels", eine "Erleichterung der Kontrollen" ist weder intellektuell achtbar noch geeignet, irgendwelchen Enthusiasmus auszulösen.

Das wichtigste, was ein wahrer Liberaler aus dem Erfolg der Sozialisten lernen muß, ist, daß es ihr Mut zur Utopie war, der ihnen die Unterstützung der Intellektuellen und damit einen Einfluß auf die öffentliche Meinung gebracht hat, der heute Dinge möglich macht, die noch kürzlich weit entfernt schienen. Diejenigen, die sich ausschließlich dem gewidmet haben, was beim aktuellen Stand der Meinungen praktikabel schien, haben schnell bemerkt, daß selbst das im Ergebnis von Veränderungen in der öffentlichen Meinung, zu deren Änderung sie nichts getan haben, schnell politisch unmöglich wurde.

Wenn wir die philosophischen Grundlagen einer freien Gesellschaft nicht wieder zu einem lebendigen intellektuellen Thema machen können und deren Verwirklichung zu einer Aufgabe, die den Einfallsreichtum und die Vorstellungskraft unserer lebendigsten Geister herausfordert, sind die Aussichten für die Freiheit tatsächlich finster. Aber wenn wir den Glauben an die Macht von Ideen wiederherstellen können, der den Liberalismus vor allem auszeichnete, ist die Schlacht noch nicht verloren."

Friedrich A. von Hayek, "The Intellectuals and Socialism", 1964

Montag, Juni 20, 2005

Nachgefragt

Warum stimmte eigentlich die FDP-Bundestagsfraktion geschlossen für die sogenannte "EU-Verfassung"???

Nach der für Liberale nicht unmaßgeblichen Meinung der selbständigen Unternehmer ist diese immerhin ein "Dokument des wohlfahrtsstaatlichen Zentralismus":


http://www.asu.de/www/doc/874652a830c04985d23bef8ea1c584c1.pdf


Ist es darüber hinaus sehr taktlos von mir zu vermuten, daß das Meinungsspektrum in der Bevölkerung im Parlament keine auch nur ungefähre Entsprechung findet (wenn etwa bei einer BILD-Umfrage 96,7 % der Anrufer gegen diesen Vertragstext stimmten, im Parlament hingegen der gleiche Prozentsatz an Parlamentariern dafür)?

Samstag, Juni 18, 2005

EUtopia und die Hybris der Mächtigen

Christoph Mörgeli, mein Lieblingskolumnist bei meiner Lieblingswochenzeitung "Weltwoche" trifft mal wieder genau ins Schwarze:


Konkret

In Ewigkeit, amen

Von Christoph Mörgeli

Manchmal ist es bloss ein Sätzchen, das die gespenstische Anmassung der EU-Eliten aufleuchten lässt. Nachdem ein italienischer Minister laut über den Sinn des Euro nachgedacht hatte, hiess es aus der Entourage des spanischen Währungskommissars spitz: «Der Euro ist für die Ewigkeit!» Ein nicht minder absolutistisch veranlagter Vorfahre, der spanische Habsburger Karl V. prahlte im 16. Jahrhundert, in seinem Reich gehe die Sonne nicht unter. Zurzeit geht in Spanien die Sonne pünktlich und im ganzen Land um zirka 21 Uhr unter. Ewigkeiten können ziemlich kurz sein. Das tausendjährige Reich Hitlers hielt exakt zwölf Jahre, drei Monate und neun Tage. In Ewigkeit ruhen auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, Napoleon, die Sowjetunion und noch ein paar andere für die Ewigkeit gedachte Projekte.
Vor zwei Jahren publizierte eine Reihe Grossintellektueller Essays über das Wesen und die Zukunft des deutsch-französischen «Kerneuropa». So auch der in Berlin lebende Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg. Vor ihm stilisierte freilich schon der Nazi-Historiker Theodor Meyer das Deutsche Reich zum «Kerneuropa»: Dieses habe «immer europäisch, und zwar im Sinne einer europäischen Ordnung», gedacht. Man kann sich seine Väter nicht aussuchen - ausser den geistigen.
Jetzt hat die eine Hälfte von Kerneuropa mit einem wuchtigen Non! das europäische Verfassungswerk beerdigt. Die andere Hälfte wurde vorsichtshalber nicht gefragt. So wie die Deutschen nie befragt wurden, weder zu Maastricht noch zum Euro oder zur Osterweiterung. «Europa ist eine Tatsache, die dadurch wird, dass man sie schafft», schreibt Muschg in seinem Artikel, und genau so handeln die Eurokraten - über die Köpfe und Sorgen der Bürger hinweg.
Die von Muschg verächtlich als «natio­naler Idiotismus» titulierte Selbstbestimmung hat gleich zweifach zugeschlagen. Zuerst die «idiotischen» Franzosen und nach ihnen die «idiotischen» Niederländer. In Grossbritannien, Tschechien, Polen und Dänemark sind die Volksbefragungen inzwischen ausgesetzt worden. Es könnte ja gut sein, dass die Idioten wieder nicht so stimmen, wie es sich die Intellektuellen in ihren Feuilletons und die Staatsoberhäupter an ihren EU-Gipfeln ausgedacht haben. Wenn etwas für die Ewigkeit bestimmt ist: dann ist es die Selbstüberhebung der Mächtigen und ihrer Höflinge.

Der Autor ist Historiker und SVP-Nationalrat


aus DIE WELTWOCHE, Ausgabe 24/05
www.weltwoche.ch





Freitag, Juni 17, 2005

Müssen wir uns das gefallen lassen?

SPIEGEL-online berichtet unter der Headline

DIPLOMATISCHER EKLAT
Erdogan kritisiert Schröder als rückgratlosen Politiker : http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,360919,00.html

"Vor der deutschen Botschaft in Ankara versammelten sich heute zwischen 50 und 100 Mitglieder einer nationalistisch geprägten Gewerkschaft, um gegen die deutsche Entscheidung zu protestieren. Der türkische Nachrichtensender NTV meldete, dabei habe es Handgreiflichkeiten zwischen den Demonstranten und Sicherheitskräften gegeben. In Parolen kritisierten die Demonstranten Deutschland als "faschistisch". "Hitlers Bastarde", lautete eine der Parolen."

Wobei Erdogans Charakterisierung Schröders als "rückgratlos" nichts als die Wahrheit ist.

Wetten, daß unsere Politiker dennoch wieder einen Kotau machen und sich den Wünschen Ankaras (und damit Washingtons) nach einer baldigen Aufnahme in die EU letztlich beugen werden? Wäre der Charakter ein lebenswichtiges Organ, die Mehrheit unserer Politiker müßte künstlich am Leben gehalten werden.

Donnerstag, Juni 16, 2005

Pressespiegel zum liberal-libertären Freiheitsgipfeltreffen in Gummersbach

Tyrannen machen wir einen Kopf kürzer

Von Ronald Gläser

Hans Hermann Hoppe steht auf der Terrasse der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach und zündet sich eine Zigarette an. Ein Seminar-Teilnehmer tritt an ihn heran, bittet ihn, sein Buch „Demokratie, der Gott der keiner ist“ zu signieren. So geht es Pause für Pause. Das Seminar bei der Friedrich-Naumann-Stiftung ist der Höhepunkt von Hoppes Europa-Reise. Seit Mai tourt er durch Deutschland und Anrainerstaaten – und wird empfangen wie ein Popstar.

Graz, Berlin, Hannover, Grevenbroich sind nur einige der Stationen Hoppes. Ob Burschenschafter oder Studenten – Hoppe trifft überall faszinierte Zuhörer, sogar beim Vlaams Belang in Brüssel. Das dreitägige Seminar bei der FDP-nahen Stiftung heißt „Liberal-libertäre Strömungen, Kontroversen und Strategien in den USA und Europa“. Es könnte auch „Hoppe und sein Demokratie-Buch“ heißen. Es ist seine Show. Wenn sich Gutmenschen wie Claudia Roth über Sätze wie „Steuern sind Diebstahl“ aufregen, dann haben sie libertäre Vordenker wie Hans Herrmann Hoppe im Hinterkopf. Ruhig und gelassen trägt der seine Thesen über die gegenwärtige Verfassung der westlichen Wohlfahrtstaaten vor. Eigentum ist der zentrale Begriff in der Gedankenwelt Hoppes. Eigentum gilt es zu schützen. Mit Waffen, wenn es sein muß. Deswegen ist er gegen Waffenverbote (wie gegen jedes andere staatliche Verbot auch). „’Mehr Waffen’ bedeuten gleichzeitig ‚weniger Kriminalität’“, sagt Hoppe.

Hoppe ist ein Mann der klaren Worte: „Wenn man im Wilden Westen eine Bank überfallen hat, kam man nicht einmal lebendig aus dem Gebäude heraus. Die Bankangestellten haben ihn erschossen – und gut.“ Das herrschaftsfreie Gesellschaftsmodell des Hans Hermann Hoppe fußt dem Gedanken, daß der Markt alles regeln kann. Mit privaten Versicherungen, argumentiert er, ließe sich jedes Risiko absichern. Und zwar effizienter als dies in staatlichen Herrschaftsformen geschehe. Zum Beispiel ein geklautes Auto: Eine private Versicherung würde einen Autobesitzer bei seiner Suche nach dem gestohlenen Fahrzeug unterstützen, weil sie sonst die Prämie zu zahlen hat. Sie würde es zudem fördern, daß der Versicherungsnehmer eine Kanone zum Schutz seiner selbst und seines Fahrzeugs dabei hat. Mittels eines Prämienmodells würde sie sogar honorieren, wenn der Autobesitzer obendrein weiß, wie er gut zielen und treffen kann. Und der Staat bzw. der staatliche Polizist? Hoppe: „Der fährt lieber ziellos in der Gegend herum oder trinkt Kaffee. Für ihn ist es bei gleichem Gehalt viel lukrativer eine ruhige Kugel zu schieben, statt den Autodieb zu stellen.“ Und Waffen werden vom Staat eingesammelt, den Bürgern der Selbstschutz untersagt. „Die Amerikaner wissen schon, warum sie den Waffenbesitz wollen. Die größte Bedrohung in einer Gesellschaft geht von ihrer Regierung aus. Wenn die Tyrannen kommen, dann machen wir sie einen Kopf kürzer“, lautet Hoppes Fazit. Die Zuhörer spenden Applaus für diese simple und doch bestechende Logik.

„Da steht einer vorne und sagt, was in diesem Land los ist, und alle klatschen – wo gibt es das schon?“ freut sich André F. Lichtschlag, der Herausgeber des libertären Magazins Eigentümlich Frei. Auch die meisten anderen Zuhörer sind begeistert. Das Durchschnittsalter ist ausgesprochen niedrig, liegt bei ca. 30 Jahren. Es sind die Kinder der 68er, denen anzumerken ist, daß sie keine Lust haben, für die sozialistischen Experimente ihrer Eltern und Großeltern aufzukommen. Jugendliche wie Sascha S ettegast (19). Er will demnächst Philosophie studieren und hofft nun: „Diesem Mann ist tatsächlich zuzutrauen, eine politische Bewegung zu begründen.“

Oder das FDP-Mitglied Dietmar Dominik Hennig. Für den Pressesprecher der FDP Würzburg Land steht fest: „Die Hoppe-Botschaft ist die Antithese zur real existierenden Bundesrepublik Deutschland. Sie ist das, was Deutschland jetzt braucht.“

Kein Wunder, daß Hoppe auch in Las Vegas umstritten ist. Immerhin behauptet er, die Gründerväter der USA hätten die Demokratie für eine Pöbelherrschaft gehalten. Auf der Rechten hielten nur die Neokonservativen, von denen es etwa fünfzig gäbe, von denen wiederum vierzig Kolumnisten seien, die Demokratie für die höchste menschliche Entwicklungsstufe. Mit solchen Thesen hat sich Hoppe an seiner Universität in Las Vegas viele Feinde gemacht. Beinahe wäre es ihnen gelungen, ihn letztes Jahr zur Strecke zu bringen. Aber nur fast – und das ging so: In einer Vorlesung hatte Hoppe geäußert, Homosexuelle („typischerweise kinderlos“) seien eher Gegenwarts-fixiert als Heterosexuelle. Kein Wunder also, daß der Erfinder des Keynsianismus, John Maynard Keynes, selbst Homosexueller gewesen sei. Für genau diese Äußerung wurde Hoppe von einem homosexuellen Studenten gerügt. Sofort schaltete sich der (ebenfalls homosexuelle) „Gleichstellungs-Kommissar“ der Uni ein. Weil Hoppe in seinem „Demokratie“-Buch die Diskriminierung von Kommunisten, Demokraten und bestimmten Lebensformen voraussagt, war es seinen Gegnern nun leicht ihn in Schwierigkeiten zu bringen. Am Ende zog die Universität jedoch alle Vorwürfe gegen den 55jährigen zurück und räumte ihm wieder das ihm zustehende Recht auf Freiheit von Lehre und Forschung ein. Seitdem kokettiert der umtriebige VWL-Professor über seinen „Sieg über die Gedankenpolizei“.

Das liberale Thinktank erstreckt sich über drei Tage. Nach Hoppe kommen andere liberale Vordenker zu Wort. Detmar Doering vom Liberalen Institut der Naumann-Stiftung oder Robert Nef vom gleichnamigen Institut aus Zürich. Am Sonntag ergreift schließlich der FAZ-Feuilletonist Lorenz Jäger das Wort. Er spricht über die Frage „Nach 1968: Ist Deutschland unwiderruflich links?“ Nach drei Tagen endet das Seminar, und die Teilnehmer zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen, nach Berlin, Dithmarschen oder Würzburg. Der Professor begibt sich nach Greifswald, wo er noch einen Vortrag zu halten hat. Dann macht Urlaub in Österreich. Dort widmet er sich seiner Familie und seinem neusten Buch-Projekt. Hoppe gegenüber der Jungen Freiheit: „Es wird eine Rekonstruktion der gesamten Weltgeschichte.“

Junge Freiheit, 17.05.2005