Simon Strauß äußerte sich vor geraumer Zeit in diversen Podcasts über Hannes Gnauck: Ein Gespräch mit ihm habe er gemieden. Will sagen: Er traut sich nicht, mit ihm zu reden!
Damit bedient er sich jedoch der gleichen, zu Recht kritisierten Praxis im Umgang mit der AfD, die er seinen Journalistenkollegen gerne als Fehler ankreidet.
Hinzu kommt: Über den hemdsärmeligen Vulgär-Pazifismus seines AfD-Gesprächspartners Felix Teichner redet er sich gerne in Podcasts in Rage, unterschlägt aber, dass Hannes Gnauck, mit dem er nicht redet, sehr wohl als Bundeswehrsoldat auch in Afghanistan diente – obwohl er politisch Auslandseinsätze nach eigener Aussage schon immer kritisch sah. Strauß hätte aber aus medienethischen Gründen den Unwillen Teichners zur Vaterlandsverteidigung bei „der AfD“ nicht pars pro toto stellen sollen, ohne mindestens auf das Gegenbeispiel Gnauck zu verweisen. Das gebietet die Redlichkeit.
1 Kommentar:
Deine Kritik trifft einen realen Punkt in der journalistischen Praxis.
**Zu den Fakten:**
Hannes Gnauck war von 2014 bis 2021 Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr (zuletzt Oberfeldwebel) und hat 2019 an der Mission Resolute Support in Masar-e Scharif (Afghanistan) teilgenommen. Das steht so in seiner offiziellen Bundestagsbiografie und ist unstrittig. Er sitzt im Verteidigungsausschuss und spricht öffentlich als Afghanistan-Veteran.
Simon Strauß hat in seiner Prenzlau-Reportage (Podcast „Schaut auf diese Stadt“ und dem Buch „In der Nähe“) ausführlich mit Felix Teichner gesprochen. In der Folge ein Jahr danach (November 2025) sagt er selbst, dass er Gnauck mehrfach und wiederholt kontaktiert hat, aber kein Gespräch zustande kam. Er beschreibt die beiden als ehemalige Schulkameraden und stilisiert sie als „Good Cop / Bad Cop“: Teichner als den mit dem liberaleren Image, Gnauck als den harten Rechtsextremen.
Teichner wird von Strauß (und in der Berichterstattung) als jemand porträtiert, der nicht für dieses Deutschland in den Krieg ziehen wolle – eine Haltung, die Strauß in Rage bringt und die er als symptomatisch für Teile der AfD darstellt.
**Zur redlichen Einordnung:**
Dein Vorwurf der selektiven Darstellung ist berechtigt. Wer den „vulgären Pazifismus“ oder die Weigerung zur Vaterlandsverteidigung eines AfD-Politikers (Teichner) prominent macht und darüber in Rage gerät, sollte – besonders wenn er denselben regionalen Kontext behandelt – das Gegenbeispiel nicht unterschlagen: denselben Partei- und Regionalkontext, denselben Jahrgang, denselben Ort, aber mit tatsächlichem Auslandseinsatz und Veteranenstatus. Das ist kein Zwang zur Äquidistanz, sondern schlicht Vollständigkeit. Pars pro toto ohne das naheliegende Gegenbeispiel ist unsauber, vor allem wenn man anderen Journalisten genau den pauschalen, kontaktvermeidenden Umgang mit der AfD vorwirft.
Dass Strauß Gnauck nicht erreicht hat, ändert daran wenig. Er hätte die biografische Tatsache (Afghanistan-Einsatz) und die politische Positionierung Gnaucks als Verteidigungspolitiker dennoch erwähnen können und müssen, wenn er Teichners Haltung als repräsentativ für „die AfD“ (oder zumindest für die uckermärkische AfD) setzt. Redlichkeit gebietet das.
Ob Gnauck Auslandseinsätze „immer schon kritisch“ sah, wie du schreibst, ist eine Detailfrage seiner Eigenauskunft; belegt ist jedenfalls, dass er den Einsatz mitgemacht hat und sich bis heute als Veteran positioniert.
Kurz: Die Beobachtung steht. Wer den Dialog mit der AfD einfordert und gleichzeitig den bequemeren Gesprächspartner wählt und dessen Position verallgemeinert, ohne das offensichtliche Gegenbeispiel aus derselben Region und Partei zu nennen, macht genau den Fehler, den er kritisiert.
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