Thursday, July 14, 2011

Bloggen ändert nichts, aber...

Man kann zumindest sagen: "Dixi et animam salvavi." Und das eigene Seelenheil ist ja auch etwas wert. Diejenigen, die es haben kommen sehen und als verschrobene Untergangspropheten bespöttelt wurden (bisweilen auch auf neoliberalen Blogs!), werden nach der uns nun unmittelbar bevorstehenden Höllenfahrt wenigstens nicht moralisch in Haftung genommen werden können. Auch wenn wir Kritiker des Marsches in den totalen Staat genauso in Mitleidenschaft gezogen werden. Die ökonomische wie auch moralische Insolvenz des auf einem gigantischen, in der Menschheitsgeschichte noch nie dagewesenen Betrug beruhenden Scheingeldsystems, welches den Aufbau eines ruinösen Wohlfahrststaates im Westen überhaupt erst ermöglichte, ist nicht mehr aufzuhalten, allenfalls hinauszuzögern. Nicht nur der im 20. Jahrhundert sich ubiquitär ausbreitende Wohlfahrtsstaat westlich-sozialdemokratischer Provenienz befindet sich in einer Sackgasse - wie eine kürzlich erst erschienene Publikation des (übrigens schon seit 1979) hervorragende Theoriearbeit für die Sache der Freiheit leistenden Liberalen Instituts in Zürich titelte - sondern auch sein monetärer Motor säuft ab.

"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch." (Hölderlin)

Einen Eindruck, wie ernst, wie bedrohlich die Lage seit Beginn der Weltfinanzkrise wirklich ist und wie hoffnungsvoll doch andererseits eine Graswurzelbewegung in Europa und Amerika wächst, die sich ein von staatlichen Zwängen und Manipulationen befreites Marktgeld als Bedingung für die wiederherzustellende "Freiheit des Westens" aufs Panier geschrieben hat, sollen die folgenden Filme vermitteln. Zwei Interviews mit dem (neben dem legendären Ferdinand Lips profiliertesten) "Gold-Papst" und Euro-Kritiker der ersten Stunde Bruno Bandulet, ein brillanter Vortrag des Publizisten Carlos A. Gebauer (den ich auch schon persönlich die Ehre hatte bei einer meiner Veranstaltungen erleben zu dürfen) sowie eine aufrüttelnder Vortrag des unerschrockenen Einzelkämpfers Frank Schäffler (dem einzigen FDP-Abgeordneten, der noch ein Gewissen zu haben scheint) in Bern am 6. Juni dieses Jahres, der der Startschuß, die Initialzündung für eine neue Freiheitsbewegung sein kann. Dank gebührt hier vor allem dem unermüdlichen Verleger und Gold-Freund Johannes Müller, der diese grandiose Veranstaltung (an der ich leider selbst nicht teilnehmen konnte) organisiert hatte, und der jetzt auch Roland Baaders "Geldsozialismus" auf englisch ("Money Socialism") herausgebracht hat, was Baaders einzigartige publizistische Wirkung endlich auch im angelsächsischen Raum verstärken dürfte.

Den ergebensten Dank von uns allen verdient aber mehr als jeder andere mit Roland Baader ein Mann, ohne den es diese Freiheitsbewegung, die noch klein ist aber schnell wächst, nicht oder jedenfalls nicht in dieser Form geben würde. Denn der "Kreidewolf aus dem Badischen" (wie ihn Freunde in Anspielung auf seinen ersten Bestseller "Kreide für den Wolf. Die tödliche Illusion vom besiegten Sozialismus" bisweilen nennen) war vor Jahrzehnten noch ein einsamer Pionier, der mit einem stilistisch scharf geschliffenen Buschmesser dem Dschungel etatistischer und papiergeldgläubiger Irrlehren beherzt zuleibe rückte, bis nach und nach immer mehr Mitstreiter zu ihm stießen und wir jetzt schon ein gewaltiges Stück Terrain für freiheitliches Denken erschließen konnten. Was echtes Geld ist - und vor allem was nicht - und wie entscheidend die Frage eines vergifteten Blutkreislaufes für die Marktwirtschaft und damit den Bestand unserer Zivilisation überhaupt ist, haben wir bei honorigen publizistischen Freiheitskämpfern wie Roland Baader, aber auch den unvergessenen Koryphäen Ferdinand Lips, Reinhard Deutsch und Hans Sennholz gelernt. Dieses Leuchtfeuer der Erkenntnis gilt es jetzt mit Begeisterung weiterzutragen. Die Krise ist eine Chance insoweit, als uns erstmals die Menschen zuhören. Die "Österreichische Schule" und ihre Geldtheorie ist erstmals seit Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum auch für die Mainstream-Medien oberhalb der Wahrnehmungsschwelle angelangt. Exemplarisch dafür sei auf eine Reportage des Bayerischen Rundfunks verwiesen, in der eigentümlich frei-Herausgeber André F. Lichtschlag ausführlich zu Wort kam und dabei einen richtig guten Job gemacht hat. Regelmäßig bietet auch die Redaktion des "Schweizer Monat" - das ist nicht nur die jüngste, sondern meines Erachtens auch die klügste und anspruchsvollste Print-Redaktion der Schweiz, ach was red' ich: des gesamten deutschsprachigen Zeitungsmarktes - exponierten Kritikern des "fiat money"-Systems eine publizistische Plattform, wie zuletzt eben den in die Rolle eines deutschen Ron Paul hineinwachsenden FDP-Rebellen Frank Schäffler. Ein geistiges Kraftfeld ist im Entstehen. Das gilt es nach Kräften zu unterstützen. Und auch wenn Bloggen für sich genommen nicht viel bringt, ich bin dabei!

Hier nun also zunächst der fulminante Auftritt meines Freundes Christian P. Hoffmann in einem Schweizer Privatfernsehsender bei der Vorstellung der jüngsten Libinst.ch-Publikation "Sackgasse Sozialstaat", für den er sehr viel Zuspruch erhielt, was auch ein Hinweis darauf sein könnte, daß die Zürcher Freunde in Zukunft noch viel stärker auf moderne Medien (Videos, Podcasts, Livestreams etc.) setzen sollten um noch mehr Menschen mit unserer Botschaft zu erreichen.



Ebenfalls ein Highlight die sehr reflektierten Aussagen von Bruno Bandulet über den Goldmarkt und unser Finanzsystem, von dem man als Rheinländer sagen würde, es sei "am kaputt am gehen":








Rhetorisch wie immer in Höchstform Carlos A. Gebauer bei der kleinen libertären "Partei der Vernunft":



Das Event des Jahres vom 6. Juni 2011 mit Frank Schäffler, Norbert Tofall und unter den Gästen (siehe Interviews) vielen klugen Köpfen, mit denen ich zum Teil schon seit vielen Jahren gut bekannt und befreundet bin, wie beispielsweise SVP-Nationalrat Lukas Reimann:




























13 comments:

Anonymous said...

Wow! Geiles Filmmaterial! Danke!

Tino Lausinger said...

Das ist ja mal ne schöne Zusammenstellung. Schön, dass Du "Kreide für den Wolf" erwähnst, ist mein allererstes Baader-Buch gewesen! Inzwischen sind die Kreidefelsen der Insel Rügen ja von schwarzen und blaugelben Sozialisten weggefressen worden.

FREI + SINN said...

Lukas Reimann ist kein Liberaler!

http://www.pi-news.net/2011/06/video-interview-mit-lukas-reimann-svp/

kosak said...

Sehr, sehr viele Schweizer lieben Lukas Reimann (ich natürlich auch)
<
Ein guter junger Mann, der die Interressen und Sorgen der meisten Schweizer vertritt

Marco said...

Hut ab vor Frank Schäffler! Um unser Land und unsere Zukunft wäre es besser bestellt, gäbe es mehr Politiker von seinem Format!

Anonymous said...

DER GOLDPAPST IST PROF. HANS J. BOCKER!!! RETTET EURE VERMÖGEN, GEHT IN EDELMETALLE!!!


http://www.youtube.com/watch?v=G-oJtZ8zXec

news reader said...

Die Finanzkrise ist eine Krise des Geldsystems / Im Visier: das staatliche Geldmonopol und die von ihm ausgehende Interventionsspirale / Eine Tagung der Hayek-Gesellschaft

Wenn staatliche Politik mehr tut, als für die wirtschaftlichen Abläufe und Vorgänge nur den ordnenden Rahmen zu setzen, wenn sie sich in diesen Abläufen und Vorgängen selbst zum Akteur macht, dann geht das in der Regel und aller Erfahrung nach schief, dann setzt sich früher oder später unweigerlich eine Interventionsspirale in Gang, dann wird’s für die Bürger hochgefährlich – materiell und für ihre Freiheit. Ein Beleg für diese auch wissenschaftliche Erkenntnis ist das, was in Schlagzeilen kurz nur „Finanzkrise“ genannt wird. Offen zum Ausbruch gekommen ist sie im Juni 2007 mit dem Platzen einer Immobilienblase in den Vereinigten Staaten und den dann folgenden Kettenreaktionen in zu hoch verschuldeten Banken und Staaten.

Die Krise ausbaden müssen die Unschuldigen

Das Forschen nach der Krisenursache ergibt: Schuld ist das geltende Geldsystem der westlichen Welt – mit seinem Geldschöpfungsmonopol der zentralen (meist staatlichen) Notenbanken, mit seiner Leitzinspolitik durch diese Banken, mit seiner so gut wie ungedeckten Geldmenge, mit seiner daher ungebremsten Ausweitung dieser Geldmenge und mit seiner dadurch ermöglichten Überschuldung von Menschen, Banken und Staaten. Überschuldungen machen zahlungsunfähig. Zahlungsunfähigkeit führt in den Ruin. Auszubaden haben es die Staatsbürger, die an sich Unschuldigen, aber die wirklich Schuldigen in Politik und Finanzwelt haben es so gut wie nie oder zu selten, aber dann zu wenig.

Wie erringen wir verlorene Freiheit zurück, wie sichern wir die noch vorhandene?

Dass es sich um eine Krise des staatlichen Geld- und Währungssystems handelt, war ausgemachte Tatsache auch für die Teilnehmer einer Veranstaltung der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft am 14. Juli in Düsseldorfs Steigenberger Parkhotel, die sich mit dieser Krise befasste. Zur Debatte standen, teils unausgesprochen, die Fragen „Wie kommen wir aus der Krise heraus? Wie verhindern wir künftige? Wie schaffen wir das staatliche Geldmonopol ab? Wie kommen wir zu einer marktwirtschaftlichen Geldordnung? Wie erringen wir zurück, was wir an Freiheit schon verloren haben? Wie sichern wir, was uns an Freiheit noch gelassen wurde? Richtige Fragen, zutreffende Beschreibungen der Lage, kluge Antworten und sogar ein handfestes Konzept für eine neue Geldordnung, vorgetragen von Norbert F. Tofall.

news reader said...

Mit dem Retten von Banken und Staaten in der Interventionsspirale gelandet

Frank Schäffler, der FDP-Bundestagsabgeordnete und in seiner Fraktion einer der wenigen wirklich Liberalen und daher Außenseiter, stimmte – die Tagung einleitend – gleich auf die Freiheitsgefährdung ein: „Es geht bei unserem Thema um die Wurzeln unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wir haben uns mit dem Retten von Banken und Staaten aus der Krise in eine Interventionsspirale begeben, in die wir uns immer tiefer hineinfressen: noch eine Sondersitzung des Bundestages, noch ein Rettungsschirm, noch eine Verdopplung der Kredite … es nimmt kein Ende.“

Abgeordnete zum Abnicken degradiert

Auch die schleichende Entmachtung des deutschen Parlaments gehört dazu. EU-Politik und Bundesregierung entziehen dem deutschen Gesetzgeber, dem Bundestag, auf autoritäre Weise immer mehr Befugnisse und degradieren die Abgeordneten zum Abnicken von Beschlüssen der Exekutive in Brüssel und Berlin, die diese als alternativlos hinstellt. Der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Starbatty führte hierfür als Beispiel an, dass über den Staatshaushalt an sich der Bundestag zu bestimmen hat, und damit darüber, was und wieviel die Regierung wofür ausgeben darf: „Aber wie in Griechenland haben wir auch bei uns schon eine Einschränkung des parlamentarischen Budget-Rechts. Dies ist eine weitere Drehung der Interventionsspirale.“ Sinnbildlich dafür erinnerte er an ein Mephisto-Wort aus Goethes Faust: „Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.“ Anders als von den Regierenden behauptet, gehe es bei den Staatshilfen nicht darum, den Staat Griechenland herauszuhauen, sondern die Banken mit ihren faulen griechischen Staatsanleihen. Wie die EU-Regierungen, die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank versuchten, die Banken zu retten und die Krise zu bewältigen, werde in die Lehrbücher eingehen als der klassische Fall einer Interventionsspirale.

Das Fieberthermometer zerschlagen, das Fieber blieb

Starbatty erinnerte an die Stabilitätskultur der Bundesbank mit der D-Mark-Zeit vor der Euro-Währungsunion. Dahinter habe aus Erfahrung der deutsche Grundsatz gestanden, die Geldpolitik sei zu wichtig, um sie Politikern zu überlassen. Frankreichs Grundsatz dagegen habe gelautet: „Die Geldpolitik ist zu wichtig, um sie Fachleuten zu überlassen.“ Jetzt verfahre man nach dem französischen Grundsatz. Starbatty verwies auch darauf, dass mit der Währungsunion zwei zentrale Preissignale ausgefallen sind: die Wechselkurse zwischen den zuvor unterschiedlichen Währungen der Euro-Staaten und die unterschiedlichen Leitzinssätze der staatlichen Zentralbanken. Die Wechselkurse hätten die unterschiedliche Leistungsfähigkeit und die Inflationsunterschiede der Staaten sichtbar gemacht. Mit Abwertungen ihrer Währung hätten die unsoliden Staaten ihrer Wirtschaft Luft verschafft. Mit der Einheitswährung Euro sei ihnen das nicht mehr möglich, der Niedergang ihrer Wettbewerbsfähigkeit unausweichlich. Und der für alle Euro-Staaten einheitliche und dazu niedrige Zinssatz sei von den unsoliden Staaten missbraucht worden, er habe sie zu immer tieferer Verschuldung verführt. Ein einheitlicher Zinssatz sei kein Selektionskriterium mehr, er verzerre in der Wirtschaft die Produktionsstruktur. Das Aussetzen zweier so zentraler Preissignale gleiche dem Zerschlagen eines Fieberthermometers: Verschwunden sei das Fieber damit nicht, man könne nur nicht mehr sehen, wie es steige und wie hoch es sei.

news reader said...

Neu starten mit einer marktwirtschaftlichen Geldordnung

Für Norbert F. Tofall, Lehrbeauftragter der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder und wissenschaftlicher Mitarbeiter von Frank Schäffler, ist die Krise eine Überschuldungskrise von Banken und Staaten als Folge des staatlichen Monopolgeldsystems. Tofall stellte eine marktwirtschaftliche Geldordnung vor und wie sie möglich sei (Einzelheiten hierzu siehe http://www.freiewelt.net/blog-2854/fort-mit-dem-staatlichen-geldmonopol.html und http://www.freiewelt.net/blog-2845/das-schlechte-und-das-gute-geld.html). Wohl sei dies ein visionärer Vorschlag, aber keine spinnerte Idee. Ob er sich durchsetze, sei allein eine Machtfrage. Tofall plädierte für einen „Neustart“, ohne dass das Finanzsystem zusammenbreche. Denn das größte Hindernis, die Krise zu bekämpfen wie auch eine marktwirtschaftlichen Geldordnung politisch durchzusetzen, bestehe in der Angst vor einem Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems. Diese Angst werde geschürt. Mit Angst sei schon immer Politik gemacht worden, um Sonderinteressen auf Kosten der Allgemeinheit durchsetzen. Diese Angstmache sei den Menschen in die Glieder gefahren ist und habe bei sämtlichen Entscheidungen zum Bekämpfen der Finanzkrise die Feder geführt. Diese Angst gefährde die Marktwirtschaft und die Rechtsstaatlichkeit in den westlichen Gesellschaften weit mehr als es ein realer Systemzusammenbruch des Finanzsystems je könne.

Vergessen, dass Freiheit ein Wert an sich ist

Was Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit gefährdet, gefährdet auch die Freiheit. Aber Freiheit vermisst man erst, wenn man sie verloren hat, nicht dagegen, solange man noch genug von ihr besitzt. Die deutsche Politik vergesse zunehmend, dass Freiheit ein Wert an sich sei, sagte der Politikwissenschaftler Erich Weede. Dies geschehe wohl auch deswegen, weil bei zu vielen Menschen Werte wie Gleichheit und Solidarität stärker gefragt seien als Freiheit. Doch müsse man die Menschen davon überzeugen, dass Freiheit ein auch instrumenteller Wert sei, dass mehr wirtschaftliche Freiheit ihnen nütze. Ökonometrische Untersuchungen belegten: Je mehr wirtschaftliche Freiheit umso weniger Arbeitslosigkeit und umso mehr breiter Wohlstand. Europa sei deswegen so groß geworden, weil dort mehr wirtschaftliche Freiheit geherrscht habe als in anderen Erdteilen.

Wenn Trittbrettfahrer der Freiheit sie missbrauchen

Wie Weede weiter ausführte, sind Freiheit und wirtschaftliche Freiheit das, was Ökonomen ein „öffentliches Gut“ nennen. Das bedeutet: Wo wirtschaftliche Freiheit herrscht, kann man niemanden davon ausschließen, jedermann kann sie nutzen. Aber das Problem dabei: Trittbrettfahrer der Freiheit nutzen sie aus, missbrauchen sie. Dann, so Weede, „kommen wir von der wirtschaftlichen Freiheit immer weiter ab“.

Die Euro-Währungsunion - ein neues Stockwerk im Sozialstaat

Ins Gericht ging er mit dem ausufernden Sozial- und Wohlfahrtsstaat. Den Erfolg bestrafe er, nämlich durch zu hohe Besteuerung; den Misserfolg belohne er, nämlich mit auskömmlichen Sozialleistungen. Bei solchen Fehlanreizen sei es kein Wunder, wenn der Erfolg weniger und der Misserfolg häufiger werde. Und mit Blick auf die jetzt in der Finanzkrise aufgespannten großdimensionierten Rettungsschirme sagte Weede: Jetzt belohnen wir auch Regierungen, die schlecht wirtschaften, und bestrafen andere, die besser wirtschaften, damit, dass sie den Schlechten helfen müssen.“ Das größte Problem des Sozialstaates sieht er darin: „Er wird zunehmend defizitär finanziert.“ Und: „Mit der Euro-Währungsunion bauen wir im Sozialstaat an, errichten in ihm ein neues Stockwerk.“

news reader said...

Inflation – für Politiker eine riesengroße Versuchung

Zur Inflationierung des Geldes sagte Weede, es gebe für Politiker viele Anreize, Inflation zuzulassen, aber wenig bis keine, sie zu verhindern. Als einen solchen Inflationsanreiz nannte er die progressive Einkommensbesteuerung. Mit Inflation beschere sie dem Fiskus höhere Steuereinnahmen, ohne dass der Gesetzgeber höhere Steuern beschließen müsse. Auch die Staatsverschuldung sei ein Anreiz zur Inflationierung; mittels Inflation könne der Staat seine Schuldenlast auf Kosten der Bürger erleichtern. „Diese Anreize sind für Politiker eine riesengroße Versuchung.“

Mit der Regierung Merkel in Richtung Abgrund

Verschlimmert werde die Inflation dadurch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) unsichere Staatsanleihen kaufe, um die betreffenden Staaten wie im Fall Griechenland vor der Zahlungsunfähigkeit zu retten. Auch die Furcht der Politiker vor Deflation bereite den Boden für Inflationspolitik. Inflation mache die Eigenvorsorge für die Bürger immer schwerer, mache die Bürger immer abhängiger vom Staat. Die EZB sei gegen die Inflation keine Bremse, kein Stabilitätsanker mehr. Weil Deutschland dies hinnimmt und die EU-Rettungsschirmpolitik für strauchelnde Euro-Staaten mitträgt, ist für Weede klar, wohin das führt: „Die Regierung Merkel führt uns wie die Lemminge in Richtung Abgrund.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Public-Choice-Theorie, kennzeichnete sie kurz als die Theorie von der Unvermeidbarkeit der Staatsversagens und sagte: „Es ist fast unmöglich, das Staatsversagen zu verhindern.“ Immerhin spürt er in der Bevölkerung „das dumpfe Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann“. Darauf könne man aufbauen. Als Möglichkeiten, das Staatsversagen zu verringern, nannte er drei: dem Staat das Geld kürzen, ihm Aufgaben wegnehmen, das staatliche Geldmonopol streichen.

Schlimmer als normale Monopole: das staatliche Geldmonopol

Der Wirtschaftswissenschaftler Gerd Habermann griff das Stichwort auf. Die entscheidende Ursache für die Geldsystem- und Schuldenkrise sei das staatliche Geldmonopol – und obendrein eines nur mit Papiergeld. Dieses Monopol sei genauso schädlich wie jedes Monopol, in Wirklichkeit aber, weil allumfassend, weit schlimmer. Schlimm auch die Inflation als eine Folge des staatlichen Geldmonopols und der Krisenbewältigungsversuche. Inflationsgewinner seien der Fiskus, die Schuldner, die Leichtsinnigen. Auf der Verliererseite stünden die Gläubiger, die Sparer, die Rentner, die Lohnempfänger, alle Bürger, die breite Masse. Inflation zerrütte die Wirtschaftsrechnung. Inflation sei Diebstahl, auch die kleine. Inflation müsse man als moralische Frage diskutieren. Das aber geschehe nicht. „Niemand soll wohl schuld sein.“

news reader said...

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren“

Ziemlich einhellig fiel unter den Teilnehmern in Düsseldorf die Ansicht über den Fortgang der staatlichen Krisenbewältigungsversuche aus: Was mit den Zahlungsausfällen bei den Subprime-Krediten in den Vereinigten Staaten klein angefangen und dann eine länderübergreifende Kettenreaktion teils von bereits geschehenen, teils noch immer drohenden Zusammenbrüchen ausgelöst hat, treibt unweigerlich auf die Kernschmelze zu. „Die Sachlogik haben wir auf unserer Seite,“ sagte Habermann. Wohl wahr, doch nur ein schwacher Trost, weil ihr die politisch Herrschenden partout nicht folgen wollen. Also muss man ihnen Beine machen und kämpfen. Habermann zitierte dazu ein Wort von Berthold Brecht: „Wer kämpft, kann gewinnen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Dominik Hennig said...

@FREI+SINN (frei von Sinnen?): Mit solchen Etiketten "Liberaler/kein Liberaler" kann ich immer weniger anfangen. Ich weiß bloß, daß Lukas Reimann zu der rara species unter den Politikern gehört, die den Erkenntnissen der Österreichischen Schule zugänglich sind. Das allein zählt für mich!

Dominik Hennig said...

@news reader: Vielen Dank für den informativen Bericht von der Tagung der Hayek Gesellschaft!